(bikl) Viele Eltern in Deutschland fühlen sich verunsichert und gestresst. Und: Deutschlands Familien leben zunehmend in einer Klassengesellschaft, in der die einen sich die Ausbildung ihrer Kinder viel Geld kosten lassen, während die anderen den Anforderungen der Schule hilflos gegenüberstehen. Zu diesem Schluss kommt die Studie "Eltern unter Druck", die von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Auftrag gegeben und gestern in Berlin vorgestellt wurde.
Die sogenannte bürgerliche Mitte, so Projektleiter Carsten Wippermann, versuche dem gesellschaftlichem Druck unter großen Opfern gerecht zu werden. Diese Eltern fühlten sich für die Aktivitäten ihrer Kinder zuständig und organisierten zusätzlichen Musikunterricht oder andere Bildungsangebote. Denn die Mehrzahl habe nur wenig Vertrauen in das öffentliche Bildungssystem und beklage die schlechte Ausstattung der Schule, zu große Klassen und unmotivierte Lehrer. Viele dieser Eltern, so Wippermann, nähmen sich selbst in ihren Wünschen zurück, um den Nachwuchs zu fördern. Gleichzeitig müssten die Eltern aber im Job immer mehr Leistung bringen.
Außerdem, so ein weiters Ergebnis der Untersuchung, würden bürgerliche Eltern ihre Kinder gezielt vom Unterschichtmilieu abschotten, um ihnen eine möglichst gute Startposition zu verschaffen. Von "parallelen Kinderwelten" sprach denn auch Christine Henry-Huthmacher, die die Elternuntersuchung wissenschaftlich betreute. Während viele Kinder der Unterschicht keine Vorstellung davon haben, wie ein geordnetes Familienleben aussehen kann, lernt das Kind aus der Oberschicht nie die Lebenswelt eines Arbeiterkindes kennen.