(bikl) Die SPD wirft einem Großteil der Länder Versagen beim Ausbau der Ganztagsschulen vor. Sie hätten die dafür zur Verfügung stehenden Bundesmittel schlecht genutzt, kritisierte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jörg Tauss, gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. Es gebe zwar an den Gymnasien Unterricht am Nachmittag, aber keine echten Ganztagsschulen. "Die Verkürzung der Schulzeit auf acht Jahre ist deshalb zu einem Desaster für Schüler, Eltern und Lehrer geworden", so der SPD-Politiker.
Die Länder hätten die Chance gehabt, das Turbo-Abitur vernünftig über Ganztagsunterricht zu organisieren, denn dazu habe der Bund mit einem Vier-Milliarden-Euro-Programm Beihilfe gewährt. Es habe sich jedoch gezeigt, dass viele Länder "nicht vernünftig mit den Bundesmitteln umgegangen sind." Tauss forderte deshalb endlich pädagogische Standards für die Ganztagsschulen.
Weiter forderte der Politiker die Länder auf, das mit der Föderalismusreform beschlossene Kooperationsverbot von Bund und Ländern im Bereich Schulen wieder aufzuheben. Der Umbau der Gymnasien in echte Ganztagsschulen koste nach Schätzung des Bildungsforschers Ernst Rösner, Dortmund, noch einmal 6,5 Milliarden Euro. Dabei seien die Länder zwar zunächst in der Pflicht, die "Hilfe des Bundes für die Schulen ist aber unabdingbar", so der SPD-Sprecher.
Wenn jetzt die Kultusminister das Unterrichtsvolumen an Gymnasien einfach ändern wollten, würden sie von den tatsächlichen Problemen nur ablenken und die Schüler wären "nur noch die Versuchskaninchen der Bundesländer."