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Bonner Ärzte fordern Hörtest bei Sprachtest DELFIN 4

Experten halten Test-Material außerdem für ungeeignet

10.03.2008

(bikl/idw) In Nordrhein-Westfalen müssen sich alle Vierjährigen den Sprachstandstest DELFIN 4 ablegen. Damit sollen möglichst alle sprachauffälligen Kinder zwei Jahre vor der Einschulung erkannt und gefördert werden. Aber: Ein Sprachstandtest ohne Hörtest mache wenig Sinn, erklärt jetzt Professor Dr. Götz Schade, Phoniater und Pädaudiologe am Universitätsklinikum Bonn.

Hörstörungen, so Prof. Schade, seien als Ursache für eine sprachliche Entwicklungsverzögerung wesentlich häufiger als Laien vermuten. Bei bis zu einem von 500 Kindern sei mit einer angeborenen mindestens mittelgradigen Innenohrschwerhörigkeit zu rechnen. "Daher müssen zusätzlich zu den Sprachuntersuchungen auch Hörtests erfolgen. Testauffällige Kinder könnten dann vom behandelnden HNO-Arzt oder Pädaudiologen weiter nachuntersucht werden", sagt Professor Schade. Erste Ergebnisse eines Pilotprojekts, das er mit Bonner Kollegen und der Stadt Bonn vor vier Monaten initiierte, geben ihm Recht: Fast jedes Fünfte der an vier Bonner Kindergärten von Logopäden und Mitarbeitern des Gesundheitsamtes untersuchten Kinder leidet unter einer Hörstörung - meist durch Flüssigkeitsansammlungen im Ohr, so genannte Paukenergüsse, verursacht.

Ohnehin fände der Test ein Jahr zu spät statt. "Je früher bei einem betroffenen Kind mit einer gezielten Therapie begonnen werden kann desto besser. Das erhöht die Chance, dass es seine Defizite bis zur Einschulung ausgeglichen hat", sagt Professor Schade. Zudem sollte die Therapie der betroffenen Kinder aus Sicht der Bonner Experten nicht durch im Schnellverfahren geschulte Erzieher, sondern durch dafür speziell ausgebildete Logopäden erfolgen - wie auch der Sprachtest selbst. Derzeit führen nur kurz angelernte Lehrer die Tests durch, die sonst in dieser Zeit unter anderem Förderunterricht für leistungsschwächere Kinder geben. Ferner halten die Bonner Experten das Material der DELFIN 4-Teste für ungeeignet.

Förderungsbedürftige Kinder fallen durchs Raster

In Bonn gab es eine durchschnittliche Durchfallquote von etwa 50 Prozent in der DELFIN 4-Testphase 1. "Da drängt sich die Frage auf, ob man bei dieser hohen Zahl überhaupt noch von einem Screeningverfahren sprechen kann", so Professor Schade. Denn diese Kinder müssen noch einzeln zeitaufwendig in einer zweiten Testphase nachuntersucht werden. Laut deren Ergebnis bedarf nur noch jedes zehnte Kind in Bonn einer Förderung. Doch bislang bestand bei etwa jedem fünften Bonner Kind Förderungsbedarf, wie die schulärztliche Untersuchung ergab. "Kann die Stufe 2 des DELFIN 4-Tests wirklich verlässlich alle förderungswürdigen Kinder ermitteln? So haben sich bei uns beispielsweise mehrfach extrem sprachauffällige Kinder vorgestellt, die den DELFIN 4-Test bestanden haben", konstatiert Professor Schade.

Seiner Kritik schließen sich auch andere Bonner Ärzte an und diskutieren am Mittwoch, 12. März, im Rahmen der Fortbildungsveranstaltung "Hör- und Sprachdiagnostik im Vorschulalter II" auf dem Venusberg.


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