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Schülerherzen für Eisbären

Klimawandel an Schulen

27.03.2008

(hpf). Die UNO spricht davon, die Bundeskanzlerin, der Umweltminister sowieso und inzwischen auch die eine oder andere Fernsehpersönlichkeit: vom Klimawandel. Waren Ökologie und Umweltschutz zeitweise aus der Mode gekommen, beschäftigen sie heute wieder breitere Kreise – auch an den Schulen.

Der Klimawandel ist bei Schülern ein Thema – nicht nur erzwungenermaßen in Chemie oder Erdkunde, sondern auch freiwillig auf dem Pausenhof und spätestens seit der Diskussion, ob steigende Temperaturen die Arktis und damit die eigentliche Heimat des Berliner Eisbären Knut bedrohen. Dem neu geweckten Schülerinteresse steht jedoch nicht überall ein entsprechender Unterricht gegenüber, der aktuelle Entwicklungen ausreichend thematisiert und erklärt, sagt Ingo Eilks, Professor für Chemiedidaktik an der Uni Bremen. Hauptproblem: "Vermitteltes Wissen stammt manchmal noch aus der Studienzeit der Lehrkräfte in den Naturwissenschaften", so Eilks, "damit sind nicht alle Fragen rund um den menschengemachten Klimawandel und Gegenstrategien ausreichend zu beantworten".

An der Albert-Liebmann-Schule in Hannover sieht das jedoch anders aus, Ökologie und Umweltschutz stehen bereits seit längerem hoch im Kurs. Angefangen hat alles mit der Umgestaltung des Schulhofs: Der war früher nicht mehr als eine teilweise gepflasterte Freifläche hinter dem Gebäudekomplex. Dann schwangen Schüler und Lehrer selbst Hacke und Spaten, säten Rasen und pflanzten Büsche nach eingehender Vorbereitung im Unterricht: "Mit etlichen Klassen haben wir einen Plan entworfen und besprochen, welche Pflanzen sich eignen, wie sie gepflegt werden", sagt Klaus Fröhlich, Lehrer für Naturwissenschaften an der Albert-Liebmann-Schule, "dann haben wir alle gemeinsam angepackt." Heute liegt die Schule inmitten einer selbst gestalteten Landschaft aus Hügeln, Rasenflächen und Büschen. Mit ihrer Initiative erarbeiteten sich Schüler und Kollegium eine Auszeichnung: Die Albert-Liebmann-Schule ist eine der bundesweit rund 350 "Umweltschulen in Europa".

"Umweltschule"

Hinter dem Titel steht ein europäisches Umwelterziehungsprogramm. Der Wettbewerb wird regelmäßig zu Themen wie Energiesparen oder alternative Rohstoffe ausgeschrieben, in den meisten der zwölf teilnehmenden Bundesländer einmal im Jahr. "Umweltschule in Europa" zeichnet keine Königswege aus, prämiert werden vielmehr individuelle ökologische Vorhaben. "Das Programm ist kein Wettstreit mit anderen Schulen, sondern mit sich selbst", sagt Bundeskoordinatorin Annegret Gülker von der Gesellschaft für Umwelterziehung. Ziel ist nicht, besser zu sein als andere Teilnehmende, sondern an der eigenen Schule Optimales zu erreichen. Vergleiche unter den Einrichtungen lassen sich ohnehin kaum anstellen, sagt Gülker, zu unterschiedlich seien Voraussetzungen und Notwendigkeiten. Beispiel Energiesparen: Eine Schule in einem Altbau konzentriert sich vielleicht auf die in die Jahre gekommenen Fenster, eine Einrichtung in einem brandneuen Gebäude könnte dagegen die effiziente Steuerung der Heizungsanlage zum Thema machen.

Schüler als Energiemanager

Die Auszeichnung hat an der hannoverschen Albert- Liebmann-Schule einen Prozess angestoßen. Ökologische Themen stehen seit der Teilnahme am Umweltschulen- Wettbewerb regelmäßig auf der Tagesordnung – mit einhelliger Zustimmung der Gesamtkonferenz. Inzwischen werden Schüler zu Energiemanagern ausgebildet, ein Energiesparprogramm spürt Wärmelecks im Schulgebäude und verschwenderischem Verhalten von Schülern und Lehrern nach – mit messbaren Ergebnissen: "Wir sparen jährlich zwischen 500 und 1 000 Euro Energiekosten", sagt Schulleiterin Antje Bordowski.

Problem: fächerübergreifender Unterricht

Ökologie und Umweltschutz haben bundesweit längst Eingang in die Bildungspläne gefunden, quer verteilt über eine ganze Bandbreite von Fächern zwischen Chemie, Politik und Kunst, unter anderem mit Themen wie Wasser und Gewässerschutz, technischer Umweltschutz oder Ökologie und Ökonomie. Oftmals bleiben diese Unterrichtseinheiten jedoch isoliert zwischen anderen Lehrinhalten, merkt Ingo Eilks von der Uni Bremen an.

Außerdem ist häufig an den Grenzen einzelner Fächer Stopp, beim Thema Wasser werden beispielsweise nicht immer Verbindungen zwischen Chemie, Erdkunde und Politik gezogen. Kinder und Jugendliche lernen mitunter nicht, einzelne Aspekte zueinander in Beziehung zu setzen, wechselseitige Abhängigkeiten und Einflüsse zu erkennen. Eilks macht es mit einem eigenen Projekt vor, der Titel lautet "Klimawandel vor Gericht". Wie in einem Prozess müssen Schüler verschiedene Parteien vertreten, von Umweltschützern über Bürger und Politik bis hin zu Unternehmen. Die Beteiligten schlüpfen in die Rollen von Anwälten und Richtern, recherchieren, werten Informationen aus, diskutieren mit anderen Akteuren. Am Ende schließen sie einen Kompromiss, der alle Interessen angemessen berücksichtigt – wie im realen Spiel der Kräfte.

Damit sind die Ziele des Wettbewerbs "Umweltschule in Europa" erreicht, sagt Bundeskoordinatorin Annegret Gülker. Sie hofft, dass Kinder und Jugendliche das Gelernte auch in ihrem Leben nach der Schule beherzigen, sich in ihrem Alltag umweltbewusst verhalten. Eine erarbeitete Auszeichnung wirke hierbei als Motivation.

Fazit

Nicht nur Schüler profitieren von der Teilnahme am Umweltschulen-Wettbewerb, sagt Lehrer Klaus Fröhlich. Er selbst sammelt mit Unterstützung der Gesellschaft für Umwelterziehung regelmäßig Kontakte zu Praktikern und Experten in ökologischen Fragen, erwirbt auf Fortbildungen zusätzliche Fachkenntnisse, entwickelt neue Unterrichtseinheiten und vertieft die Zusammenarbeit mit Kollegen anderer Fachgebiete – schließlich sind die Umweltprojekte an der Albert-Liebmann-Schule interdisziplinär angelegt. "Trotz des Mehraufwands: Die Arbeit rund um den Umweltschulen-Wettbewerb ist ein Höhepunkt des Schuljahrs", sagt der Naturwissenschaftslehrer, "sie kommt meiner Vorstellung von einer idealen Schule sehr nahe."

Kompakt

Die Themen Klima und Umweltschutz haben längst Einzug in deutsche Schulen gehalten. Und das sehr konkret in Form von Projekten zur Senkung der Energiekosten an Schulen oder zur Überprüfung der Wasserqualität. Das schafft bei Schülern ein Bewusstsein für ökologisches Handeln.

Erstveröffentlichung: Klett Themendienst


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