OECD empfiehlt längeres gemeinsames Lernen
Deutschlandbericht nimmt Bildungswesen unter die Lupe
Mehr zu: Auslese, Bildungschancen, Bildungswesen, Deutschland, Frühe Förderung, Migration, Schulstruktur, Studiengebühren, Vergütung, Kindergarten / Vorschule, Hochschule, Schule(bikl) Die Abkehr vom gegliederten Schulsystem, eine Verbesserung der frühkindlichen Bildung sowie Studiengebühren, die mit der Einführung von Darlehen verknüpft sind – so lauten einige der Empfehlungen der OECD zum deutschen Bildungswesen. Enthalten sind sie im Wirtschaftsbericht Deutschland, den der Generalsekretär der (OECD), Angel Gurría, heute dem Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Michael Glos, übergeben hat.
Deutschland - so die OECD in ihrer Analyse - befinde sich seit Ende 2004 in einem kräftigen Aufschwung, der solide unterlegt sei. Weniger positiv hingegen lesen sich die Ergebnisse und Empfehlungen zum Schwerpunktthema des diesjährigen Berichts, nämlich zum deutschen Bildungswesen.
Insbesondere wird der starke Einfluss des sozialen beziehungsweise des Migrationshintergrunds auf die Bildungschancen kritisiert.
Im Bereich der frühkindlichen Bildung fordert die OECD unter anderem die Ausbildung der Erzieherinnen auf Hochschulniveau, eine spezialisierte Ausbildung für Erzieher von Kleinstkindern sowie die Verbesserung der Qualität von Ganztagskindergärten.
Schließlich regt sie dringend an, die derzeit in Erwägung gezogene Auszahlung eines Betreuungsgeld an Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen, statt sie in eine Kinderbetreuungseinrichtung zu geben, zu überdenken. Stattdessen sollten Strategien entwickelt werden, damit Kinder aus sozial schwächeren Milieus möglichst früh von den Bildungsangeboten der Kindergartenerziehung profitierten.
Klare Worte der OECD auch zum deutschen Schulsystem: Sie fordert einen "Aufschub der ersten Selektion, die in den meisten Bundesländern derzeit im Alter von 10 Jahren erfolgt, auf einen späteren Zeitpunkt" und empfiehlt die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen.
Schulen und Lehrer sollten außerdem mehr Verantwortung für die Fortschritte aller ihrer Schüler übernehmen und Schulen sollten finanzielle Anreize für gute Unterrichtsleistungen geboten werden.
Auch die Lehrerausbildung wurde begutachtet. Hier empfiehlt die OECD verstärkte Ausrichtung auf die Entwicklung didaktischer Fähigkeiten und allgemeiner Unterrichtskompetenzen.
Schließlich spricht sich die OECD für Studiengebühren aus, allerdings unter der Maßgabe, dass Darlehen mit einkommensabhängiger Tilgung eingeführt werden. Damit soll gewährleistet werden, dass Studierende nicht wegen finanzieller Engpässe von der Hochschulbildung ausgeschlossen würden.
Da die schulpolitischen Positionen in Deutschland in den Parteien und Verbänden fest zementiert sind, sollte der Blick sowohl von außen sowie nach außen hilfreich sein. Der OECD Ignoranz zu unterstellen, wie es der baden-württembergische Kultusminister Rau tut, der von hoher Durchlässigkeit spricht und dabei vergisst, dass diese im Sekundarbereich zu 90% nach unten geht, ist ebenso unsinnig wie die Aussagen des Philologenverbandes, der als Interessenvertretung von Gymnasiallehrern die Hauptschule retten will. Sieht man dagegen die Schulentwicklung außerhalb Deutschlands, so muss man feststellen, dass andere Länder durch verschiedene Maßnahmen eine Lernkultur erreicht haben, die allen Schülern zu größeren Erfolgen verhilft. Da die skandinavischen Länder oft als wenig geignete Beispiele dargestellt werden, sollte man die Schulentwicklung im deutschsprachigen Teil von Südtirol genauer unter die Lupe nehmen. Da könnten unsere Bildungspolitiker und Verbandsfunktionäre eine Menge lernen, aber wahrscheinlich wollen sie dies nicht und stattdessen lieber Privilegien aufrecht erhalten.
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