(bikl) Unterschiedliche Reaktionen hat der gestern vorgelegte Deutschlandbericht der OECD ausgelöst. Während der baden-württembergische Kultusminister Rau der OECD vorwarf, der Bericht ignoriere das hohe Maß an Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems, begrüßte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne, dass Deutschland international keine Ruhe wegen der frühen Auslese zehnjähriger Kinder in Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten bekomme. Und der Bundesverband Deutscher Privatschulen sieht sich durch den Bericht in seiner Forderung nach mehr Freiräumen für Schulen bestätigt.
Die von der OECD befürwortete Änderung der Schulstruktur sei kein "hilfreicher Beitrag" in der laufenden Debatte um die Verbesserung der Qualität von Schule und Unterricht, betonte der baden-württembergische Kultusminister Rau (CDU) und präsentierte Zahlen aus seinem Bundesland. Im Südwesten, so Rau, würden immerhin 45 Prozent der Hauptschüler über das berufliche Schulwesen einen mittleren Bildungsabschluss erwerben.
Auch von der GEW wurde der Bericht kritisch bewertet. Thöne machte deutlich, dass die GEW die von der OECD befürworteten Studiengebühren ohne Wenn und Aber ablehne. "Das Bezahlstudium steht im Widerspruch zur Chancengleichheit beim Hochschulzugang und im Studium. Studiengebühren schrecken junge Menschen von der Aufnahme einer Hochschulausbildung ab", erklärte der GEW-Vorsitzende.
Obwohl der Verband der Privatschulen die Empfehlungen des OECD-Wirtschaftsberichts grundsätzlich begrüßte, erhob er Einwände gegen die Vorschläge zur Reform des dreigliedrigen Schulsystems. Stattdessen will er auch hier stärker auf die Eigenverantwortung der Schulen setzen: "Ob eine Schule ihren Unterricht als Gesamtschule oder als Haupt-, Realschule oder Gymnasium anbietet, sollte jede Bildungseinrichtung selbst entscheiden dürfen", erklärte Verbandspräsident Michael Büchler.
Besonders heftig hat der Deutsche Lehrerverband auf die Empfehlungen reagiert. Die OECD spiele sich erneut zu einer Art Aufsichtsrat einer Deutschland-AG auf, die meine, Deutschland nach ihren Vorstellungen kolonisieren zu müssen, beschwerte sich Verbandspräsident Josef Kraus. Mit ihren Ratschlägen mache sich die OECD zum wiederholten Male zum Stichwortgeber einer linksideologischen Bildungspolitik, so seine Argumentation.
Begrüßt wurde der Bericht hingegen vom Zentralverband des Deutschen Handwerks. Handwerkspräsident Otto Kentzler erklärte er gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung Bund und Länder sollten sich den Bericht der OECD "hinter die Ohren schreiben". Es sei ein Skandal, dass noch immer zehn Prozent eines jeden Jahrgangs ohne Abschluss die Schule verließen.