(bikl) Nach Presseberichten haben sich in Hamburg CDU und die Grün-Alternative Liste (GAL) in ihren Koalitionsverhandlungen auf eine neue Schulstruktur geeinigt. Von 2010 an soll die vierjährige Grundschule durch eine sechsjährige Primarschule ersetzt werden. Die sogenannte Primarschule soll in den ersten drei Jahren in eine Grundstufe und bis zur sechsten Klasse in eine Unterstufe eingeteilt werden.
Kompliziert bleibt das neue Hamburger Modell aber allemal. Denn die neuen Primarschulen können sich in drei Varianten organisieren: als eigenständige Schule von der Vorschule bis zur sechsten Klasse an einem Standort, als Zweistufenmodell oder in der sogenannten Langform.
Beim Zweistufenmodell werden die Schüler von der Vorschule bis zur dritten Klasse an der Grundschule unterrichtet und wechseln dann im Klassenverband geschlossen zur Stadtteilschule oder zu dem Gymnasium, mit dem die Primarschule kooperiert. Daneben soll es noch eine sogenannte Langform geben, bei der die ersten sechs Jahre bereits unter dem Dach der weiterführenden Schule stattfinden. Schüler könnten dann also von der Vorschule bis um Abitur an derselben Stadtteilschule oder am Gymnasium bleiben.
Kritiker befürchten, dass mit diesem neuen Modell, das eigentlich längeres gemeinsames Lernen ermöglichen soll, die Entscheidung über die weiterführende Schule bereits zum Schuleintritt, beziehungsweise in der vierten Klasse erfolgt. Welches Kind auf das Gymnasium darf, soll außerdem ausschließlich die Grundschule entscheiden. Eltern können dann ihr Kind nicht mehr ohne eine entsprechende Empfehlung zum Gymnasium schicken.
So kommentierte der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hamburg, Klaus Bullan, dass die aktuellen Berichte zwar vermuten ließen, dass die GAL/CDU-Vereinbarung auch positive Ansätze zur Veränderung der Schullandschaft biete. "Aber das Problem der Ungerechtigkeit eines gegliederten Schulwesens bleibt im Kern unangetastet: Junge Menschen werden je nach ihrer sozialen Herkunft auf unterschiedliche Zugänge zu Bildung sortiert. Künftig wird die Entscheidung über die Bildungskarriere eines Kindes eben nicht nach der vierten Klasse, sondern entweder schon zu Schulbeginn oder aber in der schwierigen Phase der Pubertät fallen. Insbesondere sehen wir die Gefahr, dass der Druck auf Eltern und Kinder steigt, schon zu Anfang die 'richtige' Grundschule zu wählen", so Bullan wörtlich.
Die CDU/GAL-Vereinbarungen sehen außerdem vor, dass schon im kommenden Schuljahr keine Hauptschulklassen mehr eingerichtet werden sollen und das Sitzenbleiben soll nur noch als Ausnahme möglich sein.