(redaktion) Bereits jeder dritte Schüler kommt nicht ohne Nachhilfe durch seine Schulzeit. Das jedenfalls zeigt eine bisher unveröffentlichte Studie des Berliner Bildungsökonomen Dr. Dieter Dohmen für das Bundesbildungsministerium, dpa berichtete vorab.
Den jährlichen Umsatz des wachsenden Nachhilfemarktes beziffert der Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS), Dieter Dohmen, demnach zwischen 0,9 bis 1,2 Milliarden Euro jährlich. Die "beliebtesten" Nachhilfefächer sind Mathematik, Englisch und Deutsch. Dabei erhielten Akademikerkinder, beziehungsweise Kinder gut verdienender Eltern, häufiger Nachhilfe als andere Kinder und Jugendliche. Nicht immer gehe es bei der Nachhilfe um die anstehende Versetzung oder den Übergang in eine weiterführende Schule. Mittlerweile spielt es auch offensichtlich eine Rolle, dass der Nachwuchs mit einer besonders guten Note in den Wettlauf um eine Lehrstelle oder den Studienplatz geschickt wird.
Nach wie vor agieren Lehrer, Studenten und Schüler als Nachhilfelehrer. Allerdings gibt es längst einen professionellen Nachhilfemarkt mit rund 3000 kommerziellen Nachhilfeschulen. Jeweils etwa 1000 davon sind unter dem Dach der beiden Marktführer "Studienkreis" und "Schülerhilfe" organisiert - meist als "Franchise-Filialen" von Privatunternehmern mit Konzession.
Laut dpa verweist die Studie auch darauf, dass bundesweit etwa 30 Nachhilfeschulen mit der Scientology-Sekte in Verbindung gebracht werden. Vor dieser Entwicklung warnt unter anderem der Deutsche Philologenverband (DPhV) bereits seit mehr als zwei Jahren. Im Mai 2006 hatte DPhV-Vorsitzender Heinz-Peter Meidinger in Berlin darauf aufmerksam gemacht, dass es inzwischen eine ganze Reihe von überregional oder sogar bundesweit tätigen Nachhilfestudios und Studienförderkursen gibt, die Scientology zugerechnet würden.
Die aktuelle Berliner Studie kommt außerdem zu dem Schluss, dass auch die NPD - vorwiegend in Sachsen - unter dem Deckmantel kostenloser Schülernachhilfe ihre Ideologien zu verbreiten versucht.
Die Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, hat deshalb gegenüber dpa eine Qualitätskontrolle der privaten Institute durch die Schulaufsicht des Staates gefordert. "Jeder Wirt muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, bevor er im Lokal Gäste bedienen darf. Auch für Nachhilfeinstitute müssen selbstverständlich verbindliche Qualitätskriterien gelten", wird sie zitiert.
Und die nordrhein-westfälische Landesregierung hat nun die Schulen im Land aufgefordert, den Nachhilfeunterricht für schwächere Schüler selbst zu organisieren. Nach einem Bericht der Westfälischen Rundschau (WR)von heute favorisiert das Schulministerium dabei ein Tutorenmodell, bei dem ältere Schüler leistungsschwächeren Mitschülern nachmittags in der Schule Nachhilfe geben. "Es gibt bereits sehr gute Erfahrungen mit solchen Modellen", erklärte ein Ministeriumssprecher gegenüber der WR.