Geplante Schuldatenbank immer mehr unter Beschuss
Eltern und Lehrerverbände wehren sich gegen Fragebogenaktion von FOCUS-SCHULE
Mehr zu: Mobbing, Ranking, Schulträger, Schulverpflegung, Statistik, Schule(redaktion) Die vom Magazin FOCUS geplante Schuldatenbank gerät immer mehr in die Kritik. Nachdem sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft gegen eine Teilnahme an der Erhebung ausgesprochen hatte, haben sich nun auch Eltern zu Wort gemeldet und erklärt, dass sie kein "Schulrating" wünschen.
Sie betrachteten die Errichtung einer Schuldatenbank mit Sorge, erklären die Vorsitzenden der Elternvereinigung an den Gymnasien und Realschulen der Orden und anderer freier katholischer Schulträger in Bayern (EVO) sowie des Landeselternverbands Bayerischer Realschulen e.V. (LEV-RS) in einem Schreiben an das Magazin FOCUS-SCHULE.
Das Magazin der Burda Verlagsgruppe hatte unter Fristsetzung gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Bundeselternrats die Elternvertretungen der Schulen um Mitarbeit bei der Erstellung der Datenbank gebeten.
Elternblick in Klassenraum, Mensa und Toilette
Unter anderem sollten die Eltern die sanitäre Situation ihrer Schulen beleuchten und überprüfen, ob es immer Toilettenpapier, Seife und Handtücher gibt. Weiter wurde die Benotung der Essensangebote erwünscht und gefragt, ob das Trinken im Unterricht erlaubt wird. Außerdem sollten die Eltern das Engagement der Lehrer beurteilen und erklären, wie oft Mobbing stattfindet oder wie oft Schüler von Lehrern unangemessen oder diskriminierend behandelt werden.
Notendurchschnitt von drei Jahrgängen
Auch die Schulleitungen wurden angeschrieben, unter anderem mit der Bitte um Auskunft über Qualität der Schulverpflegung, der Schulgebäude und auch des Unterrichts. Zur Sicherheitslage in der Schule wollte das Magazin etwa wissen, ob man sich ausweisen muss, um in das Schulgebäude zu kommen. Schließlich sollten die Schulen auch Durchschnittsnoten der Abschlussprüfungen der vergangenen drei Jahre sowie der Leistungsvergleiche in Deutsch, Mathematik und Englisch bekannt geben.
Daten ja - Ranking nein?
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte bereits im April Schulen und Eltern bundesweit aufgerufen, die Fragebögen nicht zu beantworten. "Eine bundesweite Schuldatenbank gehört nicht in die Zuständigkeit eines kommerziellen Polit-Magazins", hatte die stellvertretende GEW-Vorsitzende und Schulexpertin Marianne Demmer erklärt und wurde umgehend von einer Rechtsanwaltskanzlei aufgefordert, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben, nach der sie das FOCUS-Vorhaben nicht mehr in Verbindung zu Rankings bringen werde. Ein Ansinnen, das die GEW sogleich zurückgewiesen hatte.
"Der BundesElternRat und FOCUS-SCHULE führen eine Umfrage durch"
Aber nicht nur an den Fragebögen selbst entzündet sich die Kritik. Hinterfragt wird auch das Verhalten des Bundeselternratsvorsitzenden Dieter Dornbusch von den bayerischen Elternvertretern und vom schleswig-holtsteinischen Landeselternbeirat für Gesamtschulen (LEB-SH). Die Fragebogenaktion, so LEB-SH-Vorsitzender Klaus-Dieter Harder, sei nicht mit den Mitgliedern abgestimmt worden. Auch die bayerische EVO-Vorsitzende Monika Endraß und die LEV-RS-Vorsitzende Ingrid Ritt betonen in einem offenen Schreiben an das Magazin FOCUS Schule, dass dem Bundeselternrat jedenfalls das Mandat fehle, für die Eltern bayerischer Gymnasien und Realschulen zu sprechen und insbesondere Elternvertreter zur Datenweitergabe aufzufordern.
Heute hat nun auch der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hamburg, Klaus Bullan, Schulleitungen und Personalräte dazu aufgefordert, die Umfrage zu boykottieren: "Qualität von Schule lässt sich nicht so schlicht in Tabellen pressen, wie es das Magazin seinen Leserinnen und Lesern weismachen will. Bevor mit den Informationen Schindluder getrieben werden kann, müssen wir deshalb dem Datenstaubsauger den Saft abdrehen", erklärte er.
Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum sich die diversen Vertreter der Elternschaft so vehement dagegen aussprechen, diese Umfrage zu machen. Ich habe selbst erlebt, daß an der Schule bzw. am Hort meiner Kinder permanent an den Toiletten kein Papier und keine Seife vorhanden war. Wenn solche Vorfälle in der Öffentlichkeit bekannt würden zB. durch ein entsprechendes Ranking/Umfrage, würde man mit Sicherheit sehr schnell an diesen Schulen aktiv werden , um derlei Zustände zu ändern.
Wie Sie im o.g. Artikel sagen, haben die Elternvertreter nur deshalb ein Problem mit dieser Umfrage, weil vorher nichts "abgestimmt" worden ist. Ja mein Gott - was soll denn wieder abgestimmt werden. Hier geht es mal wieder um Empfindlichkeiten Einzelner bzw. von Gruppen , aber nicht um meine Ínteressen als Mutter von schulpflichtigen Kindern. Überlegen Sie doch bitte mal, wen Sie eigentlich zu vertreten haben. Ich als Mutter möchte ein entsprechendes Ranking/Umfrage unbedingt unterstützen - die Ergebnisse führen zu mehr Wettbewerb und mit Sicherheit zu Verbesserungen an den Schulen. Vielen Menschen in diesem Lande ist gar nicht bewußt, wie es manchmal an unseren Schulen zugeht.
Freundliche Grüße
M.Pummer
Ich sehe das etwas anders und bin in jedem Falle gegen die Errichtung einer Schuldatenbank.
Woher soll man denn wissen, ob alle Schulen nach den gleichen Kriterien bewertet wurden (schließlich sieht das jeder etwas anders)? Das ist aber nicht der eigentliche Grund, weshalb ich mich gegen die Schuldatenbank ausspreche.
Ich finde die Art und Weise, wie Schulen mit Hilfe des Fragebogens bewertet werden sollen, nicht einleuchtend, da im Fragebogen, den die SchülerInnen ausfüllen sollen teilweise nach Sachen abgefragt werden, die meiner Meinung nach nichts mit der Bewertung einer Schule zu tun haben, bspw. wird gefragt, in welcher Sprache man sich zu Hause unterhält oder ob die Anzahl der Schüler in der Klasse erträglich ist (wobei die einzelnen Schulen z.B. dafür nicht unbedingt etwas können, da staatliche Schule die SchülerInnen, die sich angemeldet haben, auch annehmen müssen).
Unter anderem sieht es auch aus, als ob die Lehrer in den Schulen bewertet werden sollen.
Wenn diese Schuldatenbank errichtet werden sollte, sehe ich auch die Gefahr, dass es einen "Ansturm" auf die vermeintlich beste Schule geben wird und sich an anderen, scheinbar weniger guten Schulen, kaum noch Schüler/innen anmelden werden (z.B. wegen des Elternwillens).
Insgesamt bin ich als Schülerin der Meinung, dass jede/r Schüler/in, die auf eine (andere, neue) Schule gehen wird, selbst entscheiden sollte, ob ihm/ihr das Klima in der Schule, die Gebäude, Lehrer etc... gefällt, da das für jeden Menschen anders ist und ich finde es dabei nicht!! sinnvoll, auf eine Rangliste zu schauen und nach der besten Schule zu suchen, denn auch die (nach dieser Schuldatenbank) beste Schule muss nicht für jede/n Schüler/in auch tatsächlich die beste Schule sein.
Viele Grüße,
Daniela N.
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