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"Es gibt einen großen Konsens über die Schule der Zukunft"

Interview mit Dr. Florian Langenscheidt

Mehr zu: Alumni, Elternarbeit, Interviews, Kongress, Ranking, Schulsponsoring, Sport, Wettbewerbe, Schule
05.06.2008 -

(redaktion) Die Schule des 21. Jahrhunderts müsse zur Neugier erziehen, stärker auf Teamarbeit als auf Einzelleistung fokussieren, bei den Lehrplänen klug auf vieles verzichten, die Eltern kreativ in den Lernprozess einbeziehen und sich dem Wettbewerb mit anderen Schulen stellen. Das waren einige der Visionen, die der Autor und Verleger Dr. Florian Langenscheidt in seinem Referat "Die Schule des 21. Jahrhunderts" auf dem Kongress "Lernen individuell gestalten" am Wochenende in Köln vorgestellt hat. bildungsklick sprach mit Florian Langenscheidt am Rande der Veranstaltung über den heiklen Punkt "Schule und Wettbewerb" und auch darüber, was ehemalige Schüler für den Erfolg der Institution tun können, in der sie eine nicht unbeträchtliche Zeit ihres Lebens verbracht haben.

Knapp tausend Lehrer sind heute auf dem Kongress in Köln – und nun erzählt ein Nichtpädagoge diesen Experten in Sachen Schule, wie man Unterricht und Lernen besser machen könnte. Warum?

Florian Langenscheidt: Jede gute Zeitschrift lädt Außenstehende zur Blattkritik ein, die zwar nicht wissen, wie schwierig das Geschäft ist, die aber aus Nutzersicht beurteilen, was man besser machen könnte. Ich habe das große Privileg gehabt, über mindestens fünfzehn Jahre lang sehr viele Diskussionen fürs Fernsehen oder in großen Veranstaltungen mit zahlreichen Kultusministern, Didaktikexperten oder Schulleitern zu führen und habe als Moderator sehr genau zugehört, was diese Experten sagen und fordern. Dabei habe ich festgestellt, dass - abgesehen von der Umsetzungsproblematik - ein ganz großer Konsens da ist über die Schule der Zukunft, und diese Rede ist eigentlich nichts anderes als ein Zusammenfügen all dieser Dinge, nämlich zu sagen: Das ist der Traum, den wir alle haben und den wir verwirklichen wollen. An dem auch jeder auf seine Weise arbeitet. Ich will mir nicht anmaßen zu sagen, wie man den Traum umsetzt. Da sind die Lehrerinnen und Lehrer die Experten.

Auch die Eltern?

Florian Langenscheidt: Auf jeden Fall. Es ist sehr produktiv, wenn Eltern und Lehrer sich als Team begreifen, sich gegenseitig zuhören und etwas gemeinsam machen.

Zum gemeinsamen Handeln gehören - das sagten Sie in Ihrer Rede – auch die Ehemaligen, die Alumni, die neben ihren Erfahrungen Geld in ihre Exschulen oder Hochschulen einbringen. Doch diese Tradition aus den angelsächsischen Ländern gibt es bei uns (noch) nicht. Wie könnte sie entstehen?

Florian Langenscheidt: Alumni-Netzwerke kosten nicht viel, sie schaffen eine lebenslange Bindung und dann, wenn eine Institution zum Beispiel Geld braucht, sind die Alumni diejenigen, die am ehesten etwas geben. Sie geben viele Impulse, sie sind auch diejenigen, die tendenziell die guten Ratgeber sind.

Dennoch findet man an deutschen Schulen kaum Alumni-Netzwerke. Könnte es daran liegen, dass die Schüler sich gar nicht mit ihrer Institution identifizieren?

Florian Langenscheidt: Identifikation mit einer Institution ist tatsächlich sehr wichtig - dieses Stück Stolz und Begeisterung. So etwas entsteht durch viele Schritte, wie ich sie etwa in meinem Referat geschildert habe. Und zur technischen Umsetzung: Es gibt fertige Systeme, die man nutzen kann. Die Jugendlichen haben doch ohnehin Lust daran, sie alle nutzen Plattformen wie StudiVZ oder facebook. Dort gibt es Tausende von Gruppen, und eine Gruppe könnte dann zum Beispiel aus den Exschülern von dieser oder jener Schule bestehen. So entsteht die Möglichkeit, lebenslang in Kontakt zu bleiben mit all den Vorteilen – für die Menschen wie für die Institution. Diese Distanz zur Schule muss nicht sein. Dafür sind die Arbeit und der Einsatz aller Beteiligten zu groß. Jetzt beginnt die Europameisterschaft, und wenn ich mir anschaue, wie groß die Identifikation mit der Nationalmannschaft ist, mit der ich ja eigentlich nichts zu tun habe, oder mit dem Verein meiner Stadt, dann muss ich mich wundern, dass dieses Engagement in den Sportbereich geht, anstatt – was viel näher liegt - in die Institution, in der ich jahrelang sitze. Die muss ich wirklich toll finden, muss für sie kämpfen und mich engagieren. Wenn ich ein solches Engagement habe, dann wird die Institution auch besser. Das ist wie eine self-fulfilling prophecy.

Wenn Institutionen gut sind, dann wollen sie sich doch eigentlich gern dem Wettbewerb stellen. Aber auch hier sind die meisten Schulen und viele Verbände eher abweisend. Versuche von Plattformen wie schulradar.de oder die vom Magazin Focus Schule initiierte Schuldatenbank stoßen beinahe durchweg auf Ablehnung. Doch müssen Schulen sich nicht dem Wettbewerb öffnen?

Florian Langenscheidt: Wettbewerb ist bestimmt ein schwieriges Thema, weil wir kein marktwirtschaftliches Schulsystem haben, bei dem jede Schule sich bemühen muss, die besten Lehrer und die besten Schüler zu bekommen und die besten Ergebnisse zu erzielen. Aber auch da Schritt für Schritt einen solchen Geist hineinzubringen, halt ich für wichtig. Denn Transparenz im Sinne der Nutzer ist immer gut, und Wettbewerb - das merken wir in der Wirtschaft überall - hält uns lebendig, kreativ und frisch. Wer keinen Wettbewerb hat, der macht oft nur so weiter wie immer. Natürlich muss man überlegen, wie man solchen Wettbewerb organisiert. Sie haben gerade das Magazin Focus erwähnt: Ich finde dessen Versuche in Ordnung, Transparenz in den Bereich der Medizin oder der Anwälte zu bringen. Auch da gibt es Widerstände, aber das sollte nicht an dem Grundprinzip rütteln, dass es wichtig ist, zu wissen: Wo stehe ich mit meinen Bemühungen und wo kann ich noch etwas besser machen? Unser Wirtschaftssystem lebt vom Wettbewerb. Noch einmal das Beispiel Sport: Warum ist Sport so allgegenwärtig in den Medien? Weil ich wissen möchte, wer ist an diesem Samstagnachmittag besser gewesen, und wenn ich das gar nicht erfahre, weil kein Ergebnis mitgeteilt wird, ist das doch langweilig.

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