Bildungsforscher mahnen Kultusminister
Von der Politik mehr Hilfe für schwache Schüler gefordert
Mehr zu: Bildungschancen, Hauptschule, PISA (Studie), Statistik, Schule(redaktion/ots) Führende deutsche Bildungsforscher fordern von den Kultusministern, sich der leistungsschwächsten Schüler anzunehmen und diese "systematisch und massiv fördern", das geht aus einem bislang unveröffentlichten Gutachten vor, das der ZEIT vorliegt.
Wie die Wochenzeitung in ihrer morgigen Ausgabe berichtet, fordern die Experten für die betroffenen Jugendlichen unter anderem Unterricht an Nachmittagen, Wochenenden und in den Ferien. Ohne solche zusätzlichen Lerngelegenheiten werde sich "kein Erfolg einstellen".
Das Gutachten, das im Auftrag der Kultusministerkonferenz und des Bundesministeriums erstellt wurde, liegt seit Anfang Januar vor, doch bislang, so berichtet die ZEIT, haben die Kultusminister sich damit nicht befasst. Verfasst wurde das Gutachten von dem Wissenschaftlichen Beirat, der Bund und Länder offiziell im Rahmen der internationalen Schulvergleichsstudien beraten soll – unter Federführung von Jürgen Baumert, Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft und deutscher Leiter der ersten Pisa-Studie.
Darin lobten die Experten zwar die Fortschritte, die seit der ersten Pisa-Studie 2000 zu verzeichnen seien. Sie warnen die Kultusminister jedoch davor, die "positiven Entwicklungstrends als Ertrag bildungspolitischer Entscheidungen zu interpretieren". Dafür seien viele Reformmaßnahmen viel zu unspezifisch. Das sei schon deshalb unstatthaft, weil die Politik die Schulen zwar mit vielen Neuerungen überziehe, jedoch selten überprüfe, was die Reformen bewirken. So bezeichnen die Professoren zum Beispiel die Tatsache "schwer vermittelbar", dass bislang niemand kontrolliere, ob das vier Milliarden Euro schwere Bundesprogramm für die Errichtung neuer Ganztagsschulen seine wichtigste Zielgruppe überhaupt erreicht: die sogenannten Risikoschüler. Hilfe für Risikoschüler gebe es kaum, gefördert werde "breit und unspezifisch". Das wichtigste Förderinstrument der Kultusminister sei bislang die Gießkanne. Die Gutachter regen an, ein "Bildungsminimum" zu definieren, das als "Bringschuld staatlicher Schulsysteme" von keinem Kind oder Jugendlichen verfehlt werden darf.
Das Gutachten erwähnt explizit die Stadtstaaten sowie Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Diese Länder müssten die "offensichtlichen Probleme in ihren Haupt- und teilweise auch Gesamtschulen viel entschiedener als bisher angehen", schreiben die Experten. Seltsam, dass da die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" ausgerechnet dem Land Nordrhein-Westfalen vor wenigen Tagen das Prädikat "bundesweiter Spitzenreiter in der Schulpolitik" verliehen hat.
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