Massive Kritik am Aktionsplan der niedersächsischen Kultusministerin zum G8
Landeselternrat: "Gezielt in die Irre geleitet"
Mehr zu: G8, Gymnasium, Niedersachsen, Schule(redaktion/kb) Als "Feigenblatt für dringend benötigte politische Erfolgsmeldungen" kritisiert der Vorsitzende des Landeselternrats Niedersachsen, Matthias Kern, den runden Tisch des niedersächsischen Kultusministeriums mit Eltern-, Schüler- und Lehrervertretern. Stein des Anstoßes ist der von Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann Anfang Juni präsentierte Aktionsplan zum Abitur nach zwölf Schuljahren. Dieser sei "an einigen Stellen so missverständlich formuliert, dass selbst Fachleute gezielt in die Irre geleitet werden", schreibt Kern in einem Gastkommentar in der aktuellen Ausgabe (15. Juni 2008) des Kirchenboten, der Wochenzeitung des Bistums Osnabrück.
So wird in dem Aktionsplan durch eine geschickte Formulierung der Eindruck vermittelt, dass künftig die Klassengröße auf 27 Schüler begrenzt werde. Das ist jedoch falsch. Denn: Der Plan beschreibt nur die statistische Durchschnittsgröße der neunten Klassen. Tatsächlich liegt die Höchstgrenze unverändert bei 32 Schülern. Kleinere Klassen waren jedoch eine zentrale Forderung von Schülern und Eltern.
Die laut Aktionsplan mögliche Reduzierung des Nachmittagsunterrichts auf nur einen Tag birgt Probleme und scheint kaum realisierbar: Laut Kultusministerin soll dies durch eine Senkung der Stundenzahl in den Klassen 8 und 9 erreicht werden. Dafür müssen aber künftig Fünftklässler mit 30 statt bisher 29 und Sechstklässler mit 32 statt bisher 30 Stunden pro Woche rechnen. "Damit wird noch mehr Unterrichtsstoff in die fünfte und sechste Klasse gepackt", bemängelt Schulleitungsvertreterin Helga Akkermann. Realschüler hätten dann noch weniger Chancen, aufs Gymnasium zu wechseln. Dass nur an einem Tag Nachmittagsunterricht anfällt, bezweifelt GEW-Vertreter Henner Sauerland. "In der Praxis wird sich das oft nicht so regeln lassen." Zudem solle dadurch offensichtlich Befürwortern von Ganztagsschulen der Wind aus den Segeln genommen werden, so Elternvertreter Kern.
Massiven Widerspruch ruft die Aussage des Ministeriums hervor, Schüler könnten "weiterhin zwischen einem Abitur nach zwölf oder nach 13 Schuljahren wählen." Patrick Ziemke, Vorsitzender des Landesschülerrats Niedersachsens, urteilt: "Das ist gar keine Wahlmöglichkeit." Denn: An Gymnasien gibt es einzig und allein G8. Und die Kultusministerin, so die Befragten, wolle davon auch nicht abweichen. Lediglich an Gesamtschulen und für Schüler, die nach der zehnten Klasse an Haupt- oder Realschule zum Gymnasium wechseln, wird es weiterhin das Abitur nach 13 Jahren geben.
Die vom Kirchenboten befragten Experten waren selbst Teilnehmer des runden Tisches und bemängeln, dass die Ergebnisse des Aktionsplans im Wesentlichen bereits vor dem gemeinsamen Termin feststanden. Landeselternvertreter Matthias Kern: "Damit ist das Papier nicht das Ergebnis der Beratungen, auch wenn ein solcher Eindruck erweckt wird." Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann habe kaum Bereitschaft zu Ergänzungen und Änderungen einzelner Punkte gezeigt.
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