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Aggressive Schüler und Eltern machen Lehrer krank

Freiburger Studie untersucht besondere gesundheitliche Belastungen bei Pädagogen

Mehr zu: Forschung, Gesundheit, Gewalt in der Schule, Hauptschule, Lehrerbildung, Schulstress, Training, Hochschule, Schule
10.07.2008 -

(redaktion/idw) Dass Lehrerinnen und Lehrern hierzulande einen Stressberuf ausüben, von dem - im Vergleich zu anderen Berufen - besondere gesundheitliche Belastungen ausgehen, ist eine bereits bekannte, durch mehrere Untersuchungen belegte Tatsache. Mediziner der Freiburger Universitätsklinik um Studienleiter Professor Joachim Bauer und Dr. Thomas Unterbrink haben jetzt aber erstmals analysiert, welche Faktoren es eigentlich sind, die schulische Lehrkräfte krankmachen. Die Ergebnisse der demnächst erscheinenden Untersuchung wurden jetzt vorab online bekanntgegeben.

Stärkste Stressfaktoren: Offene Feindseligkeiten und Beleidigungen

Das Ergebnis der von der Bundesregierung (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin) unterstützen Untersuchung an knapp 1.000 südbadischen Lehrkräften ist wenig beruhigend: Offene Feindseligkeit, schwere Beleidigungen und Aggressivität, denen Lehrkräfte im Klassenzimmer von Schülerseite ausgesetzt sind, erwies sich - unter vielen berücksichtigten Einflüssen - als der bei weitem stärkste die Lehrergesundheit belastende Einzelfaktoren. Auch von Elternseite erlebte Aggressivität und Unzufriedenheit hatte einen signifikanten negativen Einfluss. Besonders dramatisch scheint die Situation an Hauptschulen zu sein, wo - wie die Freiburger Forscher feststellten - allein innerhalb eines Jahres mehr als 53% der Lehrkräfte erleben, dass sie im Unterricht von Schülern schwer beleidigt oder aggressiv angegangen werden.

Gute Einflüsse durch positive Rückmeldungen und Unterstützung

Die Freiburger Mediziner um Bauer und Unterbrink interessierten sich jedoch nicht nur dafür, was die Lehrergesundheit gefährdet, sondern analysierten auch, welche Faktoren einen positiven Einfluss hatten. Einen solchen protektiven Effekt auf die Lehrergesundheit haben, wie die Daten der Studie zeigen, vor allem positive Rückmeldungen von Schülern oder Eltern, aber auch die gegenseitige Unterstützung, die sich Lehrkräfte innerhalb des Kollegiums einer Schule geben. Vor allem weibliche Lehrkräfte bleiben gesund, wenn das kollegiale Klima gut ist. Männliche Lehrkräfte profitieren vor allem davon, dass sie vonseiten ihrer Schulleitung Unterstützung erleben.

Studienleiter Bauer kritisierte, dass alle derzeit von einigen Kultusministerien durchgeführte Untersuchungen zur gesundheitlichen Situation von Lehrerinnen und Lehrern das Thema der von Lehrkräften im Unterricht erlebten Aggressivität und Gewalt ausklammern. "Alle Standard-Fragebögen, mit denen derzeit an vielen Orten die gesundheitlichen Belastungen im Lehrerberuf erfasst werden, machen um das Thema eine große Kurve", so Bauer. "Unsere Untersuchung zeigt, dass Initiativen in Sachen Lehrergesundheit, die das Aggressions- und Gewaltpotential an Schulen nicht berücksichtigen, den wichtigsten Punkt außer Acht lassen, der Lehrer krank macht".

Beziehungskompetenz ist Kernkompetenz

Die Freiburger Mediziner weisen darauf hin, dass die Fähigkeit, auch mit schwierigen Schülerinnen und Schülern gelingende Beziehungen zu gestalten, mittlerweile zu einer Kernkompetenz des Lehrerberufs zu zählen ist. "Die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern wird den hohen Anforderungen an die Beziehungskompetenz in diesem Beruf jedoch nicht gerecht", so Bauer. "Lehrkräfte, die zwar fachlich gut sind, aber nicht gelernt haben, gegenüber Schülern wirksam aufzutreten, sind nicht nur ineffiziente Ausbilder, sie verschleißen sich auch selbst und werden schneller krank". Die Freiburger Mediziner haben daher ein Manual für ein Training entwickelt, welches Lehrerinnen und Lehrern, aber auch Lehramtsstudenten und Referendaren helfen kann, ihre Fähigkeiten im Bereich Beziehungsgestaltung am Arbeitsplatz zu verbessern und so ihre Gesundheit zu schützen.

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