Wie steht es um die Technikbildung in Europas Schulen?
Forschungsprojekt UPDATE nimmt schulische Curricula unter die Lupe
Mehr zu: Deutschland, Europa, Forschung, MINT-Fächer, Naturwissenschaften, Training, Schule, Hochschule(redaktion/pm) Kann der Schulunterricht in Europa mit der technischen Entwicklung der Informationsgesellschaft mithalten? Bereitet das Bildungswesen Schülerinnen und Schüler ausreichend auf das Leben vor? Die sechzehn Partnerorganisationen des Projekts UPDATE (Understanding and Providing a Developmental Approach to Technology Education) analysierten Inhalte schulischer und vorschulischer Curricula. In vielen der teilnehmenden Länder werden diese aktuell restrukturiert. Vor allem die in den einzelnen Bildungsstufen vorgesehene Technikbildung wurde untersucht.
Kindergarten und Vorschule: Technik lieben lernen
Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass Kinder durch tägliche Aktivitäten bereits im Kindergarten einen Bezug zu Technik erwerben. Gemeinsame Erfahrungen können möglicherweise Begeisterung, Kreativität und Chancengerechtigkeit fördern. Mädchen etwa zeigen im Kindergartenalter Interesse für Technik und daran wie sich Technik in konkreten Alltagssituationen anwenden lässt. Negativ bewerten Erzieherinnen und in einigen Fällen auch Erzieher ihre eigenen unzureichenden Kenntnisse im Bereich Technik, fehlende Materialien und eigene Vorurteile gegenüber Technik.
Grundschule: Mehr Ressourcen für aktive Technikbildung
Im Primarschulbereich fällt auf, dass Lehrkräfte einen großen Spielraum haben, technikbezogene Unterrichtsinhalte zu vermeiden. Bei nur vagen Richtlinien ohne spezifizierte Themen und Beispiele benötigen sie genügend Ressourcen, Training und konkrete Anregungen, um technikbezogene Unterrichtsstunden in ausreichendem Maße zu organisieren und neue Lehrmethoden anzuwenden. Materialien und adäquate Räumlichkeiten sind häufig zu knapp, um eine aktive Technikbildung zu gewährleisten.
Allgemeinbildende Schulen: Technik - Wahl oder Pflicht?
Die Befunde zeigen, dass dem Technikunterricht in den einzelnen Ländern ein unterschiedlicher Stellenwert zugemessen wird. Finnland hat seit 1970 den Anspruch an alle Schulen, auch Mädchen technisches Handwerk lernen zu lassen. Durch die Aufnahme des breitgefächerten Themenbereiches "Mensch und Technologie" in die Curricula seit 2004 wird Technikbildung noch stärker berücksichtigt. Kultur, Persönlichkeit, Umwelt und berufliche Eigenständigkeit kommen darin ebenso zum Tragen. In Deutschland ist Technik kein Pflichtfach an weiterführenden Schulen. In Österreich wird Technik als autonomes Fach bestenfalls nur bis zur 8. Klasse unterrichtet. Estland legt in den Curricula fest, dass der Praxisanteil von Technikbildung an allgemeinbildenden Schulen 2/3 der Unterrichtszeit betragen muss. Nach der 9. Klasse muss verpflichtend ein gewisses Bildungsniveau im Bereich Technik vorgewiesen werden. Estland betrachtet eine umfangreiche Technikbildung als wesentlichen Grundstein für die Weiterentwicklung des Landes und stellt sich darauf ein, dass durch den schnellen technologischen Fortschritt Curricula und Materialien immer wieder optimiert und aktualisiert werden müssen. Frankreich bietet die Möglichkeit, das technische Abitur zu erwerben. Das technische Abitur beginnt mit der 10. Klasse, in der Schülerinnen und Schüler sich für Technikkurse entscheiden können.
Das Forschungsprojekt UPDATE wird von der Europäischen Union gefördert und ist Teil des 6. Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Gemeinschaft.
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