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Evangelische Kirchen: Gemeinsames Lernen bis Klasse 10

In Baden-Württemberg Positionspapier zur Schulpolitik vorgelegt

Mehr zu: Baden-Württemberg, Frühe Förderung, Ganztagsschule, Gemeinschaftsschule, KITA, Schule
28.09.2008 -

(redaktion/pm) "Wir wollen längeres gemeinsames Lernen – möglichst bis zur 10. Klasse." Dies fordern die beiden evangelischen Kirchen in Württemberg und Baden in einem Positionspapier zur Schulpolitik in Baden-Württemberg, das sie am Freitag der Öffentlichkeit vorgestellt haben. Gemeinsames Ziel sei dabei eine bessere Qualifikation für alle.

So sollen möglichst viele Jugendliche zu einem mittleren Bildungsabschluss geführt werden. Darüber hinaus fordern die beiden Kirchen, dass das Lernen mit individuellen Lernplänen ermöglicht wird.

Auch regen die beiden Kirchen an, Kindertageseinrichtungen und Schulen zu "Bildungszentren" für Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiterzuentwickeln. Dazu gehöre auch, Kindertagesstätten zu Familienzentren umzugestalten. Weiter heißt es in dem Papier "Wir können uns ganztägige und frühzeitige Betreuungsangebote in Kooperation von Familie, Schule, Jugendarbeit und anderen Bildungsträgern vorstellen." Dazu gehöre auch, dass die Hausaufgaben in der Schulzeit erledigt werden, die Schule um 16 Uhr endet und der Mittwochnachmittag frei bleibe.

Die badische und die württembergische evangelische Kirche fordern, dass Akteure des Gemeinwesens in die Schule mit einbezogen werden. So sollen Wirtschaftsbetriebe, Vereine, Kirchengemeinden, Jugendarbeit u.v.m. die Schule mitgestalten.

3 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Manfred von Campenhausen, am 18.10.2008, 00:08

Liebe Kirchen in Württemberg und Baden! Ich gehöre der Kirche aus Überzeugung an und werde auch nicht austreten, wenn Sie weiter Unsinn reden, aber wenn Sie sich hier als Kirche festlegen, fühle ich mich als Gemeindeglied missbraucht. Woher haben Sie eigentlich das Mandat, in einer so strittigen, nicht religiösen Angelegenheit, in der man, auch als Christ, auf beiden Seiten mit guten Gründen stehen kann, als Kirche Position zu beziehen? Verstehen Sie sich als demokratisch gewählte Vertreter der Kirchenmitglieder? In Schulstrukturfragen? Oder verstehen Sie sich als obrigkeitliche Vertreter Gottes nach unten? Glauben Sie also meine Position zu vertreten oder die des Herrn? Als Christ bin ich zutiefst empört, dass Sie es wagen, sich als Kirche so zu äußern. Jeder Christ sollte politisch Position beziehen, aber die Kirche darf es in solchem Kleinkram nicht, denn sie tut es, wenn, dann in meinem Namen, und ich verbitte mir das mit allem Nachdruck. In einer Diktatur, in der ich nicht mehr für mich selbst sprechen könnte und auch nicht mehr wählen dürfte, wären Sie vielleicht die Einzigen, die noch offen zu reden wagten, und dafür waren schon viele dankbar, aber in dieser Demokratie gibt es weiß Gott berufenere und vor allem legitimiertere Diskussionsteilnehmer.

Stellen Sie sich doch nur einmal vor, das Kultusministerium würde ein Positionspapier veröffentlichen, in dem es darüber phantasiert, wie Kirche sich organisieren solle und was da alles möglich sein müsste, noch dazu unter Verwendung solcher Ausdrücke wie "fordern"! Wir würden das nicht eine Sekunde hinnehmen wollen, und zu recht. Kümmern Sie sich um Verkündigung und überlassen Sie die Tagespolitik den Politikern, die dafür auf saubere Weise das Mandat bekommen haben, und den Privatleuten, die befugt sind, für sich selbst zu sprechen.

Wir, die wir in der Kirche zusammengehören, sind verbunden im Glauben, aber deswegen noch lange nicht nicht in der politischen Meinung. Es gibt politische Positionen, die sich aus dem Evangelium ergeben, und wer sich hier nicht einig wäre, könnte nicht derselben Kirche angehören. Aber die Frage, wie lange Kinder gemeinsam unterrichtet werden sollten, gehört ganz gewiss nicht dazu. Und deshalb bringen Sie mit diesem Positionspapier viele Christen in die Lage, gegen ihre eigene Kirche auftreten zu müssen, nur weil dort irgendwelche Leute in irgendwelche Gremien geraten sind, in denen sie irgendwelche Meinungen formulieren, ohne sich dafür irgendwo das Mandat geholt zu haben. Kurzum: Die Legitimation als meine Kirche über Schulstruktur zu schwadronieren, spreche ich Ihnen rundweg ab.

von Bernd Dieng, am 21.10.2008, 13:14

Kommentar zum Kommentar: Herr von Campenhausen ist Gymnasiallehrer...

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

von C. Blumentopf, am 22.10.2008, 13:59

Lieber Herr von Camphausen,

gerade die Evangelische Kirche gilt meines Erachtens als verhältnismäßig Fortschrittlich und ist nicht zuletzt in religiösen Fragen (Ökomene), als auch in Religionen übergreifenden gesamtgesellschaftlichen Angelegenheiten stets dem Gedanken des Gemeinsamen wohlgesonnen. Sicherlich wird es aber für Lehrkräfte Ihrer Fasson auch in Zukunft genügend Privatschulen geben an denen Sie sich tummeln und ihre kreativen Auslegungen vermitteln können. Dort kann die Spaltung der Gesellschaft dann in all ihrer Herrlichkeit weiterhin praktiziert werden...


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