Felix der Baumeister
Tagebuch einer unendlichen Geschichte
Mehr zu: Elementarbildung, Frühe Förderung, Kindergarten / Vorschule(von Friederike Helmbold/Stephanie Detert-Kunkel/Monika Zolg) Felix ist zu Jahresbeginn in die Kindergartengruppe gekommen. Er möchte bauen – von morgens bis abends. Für seine Leidenschaft findet er hervorragende Bedingungen: einen leeren Raum, ermutigende Erzieherinnen und einen Keller mit gesammelten Alltagsmaterialien wie Pappröhren unterschiedlicher Größe, Plastikbecher, Korken, Nägel, stabile Wellpappe, Pappstreifen, Klebeband, Tacker und selbstklebende Magnetplatten. Neben Felix gehören Arthur und Alkan zum festen Kern der Baugruppe, andere Kinder kommen gelegentlich hinzu, besonders wenn mit dem Bauwerk gespielt werden kann. Die Mädchen halten sich deutlich zurück. Vielleicht, weil alle Bauwerke für Autos gebaut werden? Wie die Kinder beim Bauen vorgehen, mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben und wie sie diese lösen, lässt sich anhand des Beobachtungstagebuchs der beiden Erzieherinnen am besten nachvollziehen.
17. Januar 2008
Alkan, Arthur und Felix bauen aus Pappe eine Rampe für ihre Autos, die durch Pappröhren gestützt wird. Sie beginnen mit der höchsten Röhre und befestigen die Pappstreifen mit Klebeband. Felix hat die Idee, eine Kurve zu bauen. Die Kinder bauen die Rampe nun um die Ecke. Als sie die Autos herunterfahren lassen, stürzen sie in der Kurve herunter. Wieder ist es Felix, der eine Idee hat: "Wir brauchen einen Zaun". Die Kinder kleben schmale Pappstreifen rechtwinklig an die Rampe. Weitere Pappbahnen werden angeklebt, bis die Rampe den Boden berührt.
18. Januar 2008
Die Jungen beschließen, die Strecke weiterzubauen, bis die Rampe geschlossen ist. Beim Aufräumen stößt ein Kind gegen eine der stützenden Pappröhren, und die ganze Bahn bricht zusammen. Die Trauer und Enttäuschung ist groß. Es wird entschieden, dass in der nächsten Woche eine neue Bahn gebaut wird.
Der zweite Anlauf
22. Januar 2008
Die Kinder suchen nach geeigneteren Materialien. Sie entscheiden sich u. a. für die feste Wellpappe und lassen sich von der Erzieherin Streifen an der Schneidemaschine schneiden. Felix ist der Meinung: "Wir brauchen an unseren Straßen unbedingt einen Rand, sonst fallen unsere Autos immer runter." Daher biegen die Kinder rechts und links einen 1,5 cm hohen Rand aus den Pappstreifen. Alkan gibt die Anregung: "Wir bauen die Bahn lieber kleiner, dann kann sie nicht so schnell umfallen."
24. Januar 2008
Um eine stabilere Rampe zu bauen, zersägen die Kinder mit Hilfe der Erzieherin dicke schwere Papprollen auf die von ihnen festgelegte Länge.
25. Januar 2008
Die kleinen Konstrukteure probieren und experimentieren, wie sie eine Kurve aus den Wellpappestreifen bauen können. Unter anderem werden die Streifen bis zum geknickten Rand eingeschnitten und mit Klebstoff überlappend zusammengeklebt. Die ersten Tests mit den Autos zeigen, dass es funktioniert.
30. Januar 2008
Die Teilstücke der Bahn werden zusammengeklebt. Im viel zu früh gestarteten Praxistest erweist sich die Rampe als nicht tauglich: Der Klebstoff ist noch nicht trocken, und die Teile halten nicht zusammen. Die Erzieherin stellt den Kindern einen Tacker zur Verfügung. In Teamwork entsteht eine stabile Rampe, auf der die Autos hinunterfahrenkönnen. "Jetzt müssen wir nur noch die Straße nach oben bauen", meint Arthur.
12.Februar 2008
Nach einer längeren Baupause beschließen Arthur und Felix, aus der Rampe eine geschlossene Bahn zu bauen. Eine zweite Rampe wird mit der ersten verbunden. Nun werden die Autos die steile Rampe hinaufgeschoben, um anschließend allein wieder hinunterzufahren.
13. Februar 2008
Alkan stören die braunen Papprollen, die als Stützen der Bahn dienen. Die Kinder beschließen, weiße Wellpappe um die Rollen zu kleben.
Die Rampe runter und rauf
14. Februar 2008
Die Erzieherin fragt die Kinder, wie die Autos die Bahn ohne fremde Hilfe hochfahren könnten. Es werden Ideen gesammelt. Felix will die Autos mit einem Fahrstuhl nach oben ziehen. Arthur sagt: "Wir ziehen sie mit einem Faden und einem Haken hoch." Alkan holt einen Magneten. Er hält ihn unter die Bahn und will die Autos so nach oben befördern. Leider funktioniert das nicht. Die Kinder schauen sich die Autos genauer an und stellen fest, dass die Fahrzeuge aus Plastik sind. Alkan gibt noch nicht auf: "Wir kleben den Magnet auf das Auto drauf!" Die Idee wird umgesetzt und funktioniert: Mit einem zweiten Magneten werden die Autos die Rampe hinaufgeführt.
18. Februar 2008
Die Erzieherin regt die Kinder an, Alkans Idee auszubauen. Sie stellt ihnen flache selbstklebende Magnetplatten zur Verfügung, die mit der Schere zugeschnitten werden können. Felix hat die Idee, aus einem Korken eine Spule zu bauen. Mit dieser soll ein Faden, an dessen Ende ein Magnet ist, die Rampe herabgelassen werden. Dort soll der Magnet das Auto dann anziehen. Indem der Faden auf die Spule aufgerollt wird, gelangt das Auto über die Rampe nach oben. Felix bohrt mit einem Kastanienbohrer ein Loch in einen Korken und steckt ihn auf einen Holzspieß. Die Spule wird an der Rampe angebracht, ein Baumwollfaden mit Magnet angeknotet und auf den Korken gewickelt. Dabei merken die Kinder, dass der Faden vom Korken rutscht und sich auf den Holzspieß wickelt. Felix bemerkt, dass der Magnet an dem Faden nicht mit dem Magneten auf dem Autodach in Kontakt tritt. "Wir brauchen unten auch noch eine Rolle." Eine zweite Spule wird vorbereitet. Beide Korken werden zusätzlich mit Wellpappe beklebt und seitlich mit Pappscheiben versehen. Damit die Spule später als Zahnrad dient, muss die wellige Seite der Wellpappe nach außen. Der Rand ist wichtig, damit das Band nicht von der Spule rutschen kann.
20. Februar 2008
Die Spulen werden an den steilen Rampen angebracht.
Von der Spule zum Zahnrad
21. Februar 2008
Alkan und Felix berichten einem Gast aus der Universität von ihren bisherigen Bauwerken und den gemachten Erfahrungen. Arthur hört gut zu und ergänzt ihre Erläuterungen. Die Kinder demonstrieren ihre Bahn und schildern, dass die Autos die Rampe runterfahren, jedoch nicht alleine hochfahren können. Sie möchten das vervollständigen, was sie an den Tagen zuvor schon begonnen haben. Die Erzieherin hat den Kindern schmale Streifen aus Wellpappe zugeschnitten. Nun wird gemeinsam überlegt, wie man den Beförderungsmechanismus für die Auffahrt fertig stellen kann. Da den Kindern dieses Mal kein Faden zur Verfügung steht, kommt Felix auf eine Idee: "Wir können doch die Wellpappestreifen nehmen." Arthur versucht sogleich, einen Streifen auf die Spule zu "fädeln". Da er die glatte Seite auf die Spule legt, rutscht der Streifen gleich wieder hinunter. Nun legt er den Streifen mit der welligen Seite auf die Spule. Die Kinder stellen fest, dass der Streifen so mehr Halt hat. Aus der Spule ist ein Zahnrad geworden. Alkan und Felix widmen sich nun dem "Fließband". Sie überlegen und experimentieren, nehmen das Band immer wieder in die Hand und versuchen, es um beide Zahnräder laufen zu lassen. Mit etwas Unterstützung durch die Erzieherin erkennen die Kinder, dass das Band im Kreis und um beide Rollen laufen muss und dafür zu kurz ist. "Wir verlängern es!", platzt es aus Alkan und Felix heraus. Mehrere Streifen werden zu einem Band zusammengetackert. Dieses wird straff gezogen, damit es gleichmäßig um die Rollen läuft. "Wie ein Fließband!", kommentiert Alkan seine Idee.
... und zum Fließband
Nun greifen die Kinder wieder die Idee der Magneten auf. Sie überlegen, wie die Magnete auf das Fließband geklebt werden müssen, damit der Streifen beweglich bleibt. Sie schneiden die Magnetplatten in schmale Streifen und kleben sie in kleinen Abständen auf die glatte Seite des Fließbandes. Die Dächer der Autos werden ebenso mit Magnetstreifen versehen. Durch Ausprobieren stellen sie fest, dass die Streifen auf dem Band nicht zu weit voneinander entfernt liegen dürfen, da sonst das Band die Autos nicht gut fassen kann. Arthur stellt die Autos in einer Reihe hintereinander auf das untere Stück der Bahn. Alkan und Felix drehen die Zahnräder in die gleiche Richtung und setzten somit das Fließband in Bewegungen. Alkan fällt auf, dass manche Autos leichter von den Magneten erfasst werden und andere fast gar nicht. Felix und Arthur sind sich einig, dass es mit der Höhe der Autos zusammenhängt. "Das Auto (Cabrio) ist zu niedrig und der Jeep ist zu hoch. Der passt kaum unter dem Zahnrad drunter her." Sie machen die Erfahrung, dass höchstens zwei Autos gleichzeitig am Band transportiert werden können. Das Material hält nicht mehr als das Gewicht von zwei Autos. Häufig wechseln sich die Kinder beim Drehen der Zahnräder ab. Auch die Erzieher müssen aushelfen. Immer wieder werden die Autos nach oben transportiert, um sie dann nach unten sausen lassen zu können.
Ein Fließband
2 Korken
2 Holzspieße
4 Pappscheiben
Wellpappe-Streifen
Tacker
Aus einem Korken, Holzspieß und zwei Pappscheiben wird eine Spule gebaut. Mit Wellpappe umklebt – die wellige Seite nach außen – wird diese zum Zahnrad. Der Holzspieß muss fest im Bauwerk verankert werden. Ein langer Wellpappe-Streifen wird als Fließband zwischen zwei Zahnrädern eingespannt.
Die Autorinnen
Friederike Helmbold ist Erzieherin in der evangelischen Matthäus-Kindertagesstätte Niederzwehren. Stephanie Detert-Kunkel ist Integrationskraft in der evangelischen Matthäus-Kindertagesstätte Niederzwehren. Monika Zolg leitet das Fachgebiet "Technische Elementarbildung" an der Universität Kassel und ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Weltwissen Sachunterricht.
Der Beitrag "Die Lebenswelt Schule zum Thema machen" ist erschienen in Weltwissen Sachunterricht Ausgabe 3/2008 mit dem Schwerpunkt "Bauen". Dazu gehört die Lernsoftware "Ein Haus wird gebaut". Hier dreht sich alles um den Hausbau – von der Planung bis zum Einzug.
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