"Thema Berufsausbildung wird nicht konsequent genug behandelt"
Aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung passend zum Bildungsgipfel
Mehr zu: Bildungsgipfel, Demografische Entwicklung, Duale Ausbildung, Durchlässigkeit, Fachkräftebedarf, Hauptschule, Schulabschluss, Schulverweigerer, Stiftungen, Übergang zur Berufsausbildung, Vergütung, Berufliche Bildung(redaktion/PM) Die mangelhafte Integration junger Menschen in die Arbeitswelt verursacht ganz erhebliche gesellschaftliche Folgekosten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln erstellt wurde. "Mit unserer Untersuchung wollen wir wenige Tage vor dem Bildungsgipfel in Dresden nachdrücklich auf die Probleme junger Menschen beim Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt aufmerksam machen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Dr. Gunter Thielen, bei der Vorstellung der Ergebnisse. "Aus unserer Sicht wird das wichtige Thema der Berufsausbildung immer noch nicht konsequent genug behandelt."
Durch grundlegende bildungspolitische Weichenstellungen könnten laut Studie für die Jahre 2007 bis 2015 insgesamt 13,4 Milliarden Euro an direkten und 15,9 Milliarden Euro an indirekten Kosten bei der Integration von Jugendlichen in Ausbildung und Beschäftigung eingespart werden. Hinzu kämen Wertschöpfungspotenziale durch den nachträglichen Erwerb von Berufsabschlüssen von gering qualifizierten Arbeitnehmern in Höhe von 21,5 Milliarden Euro.
Um das riesige Einspar- und Wertschöpfungspotenzial schon bis zum Jahr 2015 zu erreichen, werden in der Studie drei zentrale bildungspolitische Reformziele entwickelt. Dazu gehören eine Reduzierung der Zahl der Schulabgänger mit mangelnder Ausbildungsreife sowie der langen Verweildauer im so genannten Übergangssystem um jeweils ein Drittel. Zusätzlich müssten fünf Prozent der heute Geringqualifizierten im Rahmen umfassender Nachqualifizierungen nachträglich einen Berufsabschluss erwerben. Neben diesen aufgezeigten Einspar- und Wertschöpfungspotenzialen ließe sich aufgerechnet bis 2015, begründet durch die sinkende Zahl der Schulabgänger, noch eine "demografische Rendite" in Höhe von 7,5 Mrd. Euro erzielen.
Die Berechnungen der direkten Kosten für die Integration Jugendlicher in die Arbeitswelt basieren auf den Zahlen des Jahres 2006. In diesem Jahr haben Bund, Länder, Kommunen und die Bundesagentur für Arbeit (BA) 5,6 Milliarden Euro für Integrationsmaßnahmen ausgegeben. An den identifizierten Unterstützungsangeboten im Bereich der Berufsvorbereitung nahmen im Jahr 2006 insgesamt 437.584 Jugendliche teil. Rechnerisch verbringt damit jeder Schulabgänger mit maximal Hauptschulabschluss rund 1,4 Jahre im Übergangssystem. Im Bereich der indirekten Kosten ergeben sich Einsparpotenziale beim Arbeitslosengeld und der sozialen Mindestsicherung durch die bessere Integration von Jugendlichen in Ausbildung und Beschäftigung. Zudem resultieren Wertschöpfungspotenziale aus der beruflichen Nachqualifizierung von An- und Ungelernten, die den Einstieg in Arbeit erleichtern und ein höheres Einkommen (Aufstieg durch Bildung)ermöglichen.
"Wenn wir die in der Studie vorgeschlagenen bildungspolitischen Reformziele erreichen, können wir nicht nur die gesellschaftlichen Folgekosten mangelhafter Integration erheblich reduzieren", sagte Thielen. "Wir verbessern damit das System der beruflichen Bildung insgesamt und beugen dem dramatischen Problem des Fachkräftemangels vor."
Die Ergebnisse der Studie werden als Gesamtbericht sowie als Teilberichte für die Länder, den Bund und die Bundesagentur für Arbeit zum Download auf den Seiten der Bertelsmann Stiftung zur Verfügung gestellt.
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