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Erziehen wie vor 50 Jahren

Gewalt wird immer noch als Erziehungshilfe akzeptiert

24.10.2008

(redaktion/bikl) Verbale Aggressionen, Verstöße gegen Gruppenregeln und die mutwillige Zerstörung von Sachen lassen sich Jugendliche in Heimen und betreuten Wohngruppen am häufigsten zuschulden kommen. Harte Strafen helfen da wenig. Mit Gesprächen, Wiedergutmachungs- und Arbeitsauflagen reagieren deshalb Pädagogen, wenn sich die jungen Menschen daneben benehmen. Irritierend allerdings: Über die Hälfte der pädagogischen Fachkräfte glaubt, dass körperliche Gewalt als Strafe gleichwohl auch noch vorkommt, so eine Studie der FH Dortmund. Dabei ist erwiesen, dass die Auswirkungen von Strafen sehr unterschiedlich sind und nicht selten auch negative Reaktionen wie weitere Aggressionen auslösen können.

Dies sind Ergebnisse einer empirischen Studie unter Leitung von Prof. Dr. Richard Günder und Prof. Dr. Eckart Reidegeld am Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften, bei der es um das Thema Strafen in der Stationären Erziehungshilfe ging. Die Ergebnisse waren Diskussionsgrundlage der Fachtagung "Strafe muss sein!?" in Dortmund am 21. Oktober.

Strafen sind ein heikles Thema in der Erziehungspraxis

Strafen - in der Fachsprache wird meist der Begriff "Reaktionen auf unerwünschtes Verhalten" benutzt - sind ein heikles Thema in der Praxis der Erziehungshilfe. Die heutige Heimerziehung habe selbstverständlich nichts mehr mit dem Kasernenhofton und der Prügelstrafe der 50er Jahre zu tun, so Prof. Dr. Eckart Reidegeld: "Strafe ist vielmehr eher verpönt bzw. wird sehr kritisch hinterfragt".

Etwa zwei Drittel der im Rahmen der Studie Befragten waren der Auffassung, dass die pädagogischen Fachkräfte allerdings oftmals überfordert seien. Zwar meint die übergroße Mehrheit (92 %), dass sie persönlich mit der Strafpraxis gut zurechtkomme. Jedoch fühlen sich 78 % der pädagogischen Kräfte im Zusammenhang mit Strafen gelegentlich alleingelassen, ohnmächtig und hilflos.

Jugendliche reagieren gar nicht oder negativ

Fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen reagiert auf Sanktionen entweder gar nicht oder wiederum mit negativem Verhalten. Haben Strafen dann überhaupt einen Sinn? "Wir gehen als Pädagogen nicht davon aus, dass man in einer straffreien Gesellschaft leben kann", so Prof. Dr. Richard Günder. Aber man müsse sich viele Gedanken darum machen, welche der Sanktionen positive Auswirkungen haben. Es gehe schließlich darum, den Kindern und Jugendlichen zu einer Einsicht zu verhelfen. Günders Fazit: "Strafe muss sein, aber sie muss sehr gut reflektiert sein".

Resümee des Forschungsprojektes "Reaktionen auf unerwünschtes Verhalten in der Stationären Erziehungshilfe":


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