Keine Vergleichstests für Hauptschüler
Erwartete Ergebnisse zu schlecht
Mehr zu: Ausbildungsreife, Deutschland, Europa, Föderalismus, Hauptschule, PISA (Studie), Qualitätsstandards, VERA (Studie), Vergleichsarbeiten, Schule(redaktion) Eigentlich sollten ab dem kommenden Jahr die Leistungen und Erfolge der deutschen Schüler und somit auch der Schulen stärker ins Visier genommen werden, und zwar mit zusätzlichen Vergleichsarbeiten in der Grundschule und in der Sekundarstufe I. Jetzt plant die KMK offensichtlich einen – zumindest teilweisen – Rückzug: Die Hauptschüler sollen von diesem Verfahren ausgenommen werden. Damit würde die KMK abrücken von ihrer Gesamtstrategie "der umfassenden Konzeption zur Weiterentwicklung des gesamten Bildungswesens", wie sie selbst ihren im Juni 2006 gefassten Beschluss bezeichnet hatte.
Die Kultusministerkonferenz (KMK) will die bundesweiten Tests für die Hauptschulen in den Fächern Mathematik und Englisch, wie es scheint, zunächst bis 2012 aussetzen. Grund: Ein Großteil der Schüler schafft das vereinbarte Mindestniveau nicht. Dies soll aus einer Beschlussvorlage der Länder-Staatssekretäre hervorgehen. Argumentiert wird dabei mit den Ergebnissen der Pisa-Tests und anderer Untersuchungen. So hatte das Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) bereits beim ersten Probelauf für die Qualitätsüberprüfung des Hauptschulabschlusses gravierende Probleme ermittelt. Danach erreichen in Mathematik 50 Prozent der Hauptschülerinnen und -schüler die Mindestanforderungen ("Mindeststandards") nicht. Ein Viertel dieser Schüler bewegt sich auf Grundschulniveau. Im schriftlichen Englisch sind es sogar 75 Prozent, die das geforderte Niveau des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Fremdsprachen (GER) nicht erreichen. Für Deutsch und die Naturwissenschaften erwarten die IQB-Forscher ähnliche Probleme.
Angesichts dieser Ergebnisse sei die "vollmundige KMK-Erklärung, die Quote der Schüler ohne Hauptschulabschluss bis 2012 zu halbieren, ein Witz", sagte Marianne Demmer vom Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Bereits heute sei die Qualität des Abschlusses nicht in allen Fällen gegeben. Mit einer Niveauabsenkung sei aber niemandem gedient. Wissenschaftler wie auch die GEW hätten immer davor gewarnt, Bildungsstandards als Maßstab für zentrale Abschlussprüfungen vorzusehen. Dafür seien die Leistungsunterschiede in der föderalen Bundesrepublik zu groß.
Die GEW verlangt nun die Auflösung der Hauptschulen. Dieser Bildungsgang sei überholt, sagte Demmer. Die Absicht der Kultusminister, die groß angekündigten länderübergreifenden Qualitätsüberprüfungen für die Hauptschulen jetzt "auf die lange Bank zu schieben", mache das Scheitern der nunmehr seit 30 Jahren erfolglos betriebenen Reparaturmaßnahmen an dieser Schulform deutlich.
Allerdings ist die Hauptschule längst nicht mehr in allen Bundesländern präsent. In den fünf neuen Bundesländern gibt es keine Hauptschule, ebenso im Saarland und in Bremen. Hamburg, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein haben die Abschaffung beschlossen bzw. mit der Umsetzung begonnen. In Berlin startet im kommenden Jahr der Modellversuch "Gemeinschaftsschule". Nun scheint die KMK insgesamt die Hauptschule nicht mehr für tragfähig zu halten, können doch die selbst definierten Qualitätsanforderungen nicht erfüllt werden.
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