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PISA-Ländervergleich: Wahrscheinlich wenig Neues

Studie wird am Dienstag vorgestellt

15.11.2008

(redaktion) Von der nunmehr dritten PISA-Bundesländerstudie (PISA-E), die am kommenden Dienstag veröffentlicht wird, erwarten Experten keine allzu großen Überraschungen. Die nationale Ergänzungsstichprobe aus 1.500 Schulen mit rund 57.000 Schülerinnen und Schülern wurde im Zusammenhang mit PISA 2006 erhoben. Der Schwerpunkt von PISA 2006 lag auf der Untersuchung des naturwissenschaftlichen Verständnisses. Wie immer wurden außerdem die Kategorien Lesen und Mathematik getestet.

Im Interview mit Zeit online erklärt jetzt der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm, er erwarte keine gravierenden Veränderungen. Maßnahmen im vorschulischen Bereich zum Beispiel seien erst nach der ersten PISA-Studie im Jahr 2002 eingeleitet worden. Diese Veränderungen könnten die getesteten 15-jährigen Schüler also noch gar nicht erreicht haben. Und auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus schreibt in der Kolumne der Nachrichtenagentur ddp, Spannendes und Überraschendes sei kaum zu erwarten.

Klemm hat statistische Daten der einzelnen Bundesländer ausgewertet, um zu sehen, unter welchen Rahmenbedingungen Bildung stattfindet. "Sie sind in den Ländern gut, in denen die Schüler familiär wenig belastet sind, wo es zum Beispiel wenige Arbeitslose und wenige schwierige Milieus gibt. Auch Wohlstand schafft gute Bildungs-Bedingungen. Und es sind die Länder erfolgreich, die den Schulen viele Ressourcen zur Verfügung stellen, wo beispielsweise viele Unterrichtsstunden abgehalten werden können", erklärt er im Interview mit ZEIT online. Und das gelte nicht nur für Bayern sondern auch für einige neue Bundesländer. "Durch den demografischen Zusammenbruch nach der Wende kommt pro Schüler mehr zusammen." Dies erkläre vielleicht einen Teil der Leistungen. "Zumindest die Schüler in Thüringen und Sachsen lagen in den früheren Studien im oberen Bereich der PISA-Tabellen - trotz hoher Arbeitslosigkeit der Eltern", so Klemm.

Wer allerdings wolle, dass Deutschlands Schulen insgesamt international besser abschnitten, der sollte sich auf die schwierigen Gruppen konzentrieren. Etwa durch mehr Sozialarbeiter in den Brennpunktschulen, wie es auf dem Bildungsgipfel erfolglos gefordert worden sei, oder auch durch eine konsequente Sprachförderung vor dem Schuleintritt.

Gleichzeitig betont Klemm, dass Schule mehr als Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften sei. "Mir läge viel daran, dass die Schulen sich infolge der PISA-Studien nicht nur auf die Fächer konzentrieren, die getestet werden. Ich befürchte, dass Fächer wie Musik, Kunst und Geschichte zu kurz kommen."

Ähnlich argumentiert auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Die PISA-Messerei dürfe nicht zum Selbstzweck werden, schreibt Kraus. "Andernfalls droht uns ein verarmtes, erbärmliches Verständnis von Bildung. ´Bildung statt PISA` sollte das Motto heißen. Bildung ist schließlich erheblich mehr als das, was PISA misst. PISA hat nämlich überhaupt nichts zu tun mit (fremd-)sprachlicher, literarischer, historischer, politischer, geografischer, religionskundlicher, ethischer und ästhetischer Grundbildung."


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