"Schlaumäuse fördern die Sprachkompetenz von Kindern"
Interview mit Achim Berg, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland
Mehr zu: Deutsch, Deutschland, E-Learning, Frühkindliche Bildung, Hirnforschung, Interviews, KITA, Medienkompetenz, Sprachentwicklung, Sprachförderung, Sprachstand, Kindergarten / VorschuleComputer im Kindergarten – eine Frage, die immer noch genügend Zündstoff für Diskussionen bietet. Seit 2003 allerdings beweist die Bildungsinitiative "Schlaumäuse – Kinder entdecken Sprache", dass Kindergartenkinder mit Computer und ausgezeichneter Software in ihrer Sprachkompetenz gefördert werden können. Die Schlaumäuse wurden in einer Zusammenarbeit von Microsoft Deutschland, dem Cornelsen Verlag und der ComputerLernWerkstatt der TU Berlin konzipiert. Unterdessen beteiligen sich 3.000 Kindergärten mit mehr als 90.000 Kindern bundesweit an dem Projekt. Heute wurde das Ergebnis einer Befragung in mehr als 80 Kindergärten im Raum Darmstadt vorgestellt. Ergebnis: Die Erzieherinnen bescheinigen dem Projekt positive Auswirkungen auf die frühkindliche Entwicklung. bildungsklick.de sprach anlässlich dieser Veranstaltung mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Microsoft Deutschland GmbH, Achim Berg.
Herr Berg, die Schlaumäuse helfen seit 2003 mit einem digitalen Format bei der frühkindlichen Sprachförderung. Einer der angesehensten Hirnforscher in Deutschland, Professor Manfred Spitzer aber sagt: "Fernsehen, Computer und Konsole gehören nicht in den Kindergarten." Welche Vorteile einer 'elektronischen Erzieherin' oder eines 'elektronischen Lehrers' sehen Sie für die Kinder?
Achim Berg: Kinder sind wissbegierig und wollen lernen – besonders im Alter zwischen vier und sechs Jahren sollte der Entdeckergeist der Kleinen unterstützt werden. Mit unserer Bildungsinitiative "Schlaumäuse – Kinder entdecken Sprache" fördern wir die Sprachkompetenz von Kindern im Vorschulalter auf spielerische Weise. Sie lernen Buchstaben und Wörter mit der Schlaumäuse-Software selbstständig und unabhängig von Erwachsenen. Dies motiviert zusätzlich und ermöglicht ein kindgerechteres Lernen. Die Kinder können sich die Buchstaben und Wörter beliebig oft vorsprechen lassen, ohne Angst haben zu müssen, dass ihr Gegenüber die Geduld verliert. Genau hier zeigt sich ein großer Vorteil des Mediums Computer – er eröffnet den Kindern Möglichkeiten, die andere Medien wie beispielsweise Bücher nicht leisten können. Sie erfahren, dass der PC nicht nur zum "Daddeln", sondern auch zum Lernen eingesetzt werden kann.
Den Erzieherinnen und Erziehern ermöglicht die Schlaumäuse-Lernsoftware eine gezieltere und individuellere Förderung ihrer Schützlinge. Denn im Hintergrund wertet sie automatisch die Lernfortschritte jedes einzelnen Kindes aus und gibt den Pädagoginnen und Pädagogen entsprechende Förderhinweise. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, die Kinder mit Hilfe des Tools spielerisch auf die Situation rund um die Sprachstandsprüfung zur Einschulung in die Grundschule vorzubereiten. Software und IT sind hier also Mittel zum Zweck – den Umgang mit dem PC lernen die Kinder nebenbei.
Welche Reichweiten erzielen die Schlaumäuse inzwischen und von welchen Erfahrungen in dem Projekt können Sie berichten?
Achim Berg: Aktuell beteiligen sich bundesweit mehr als 3.000 Kindergärten und insgesamt mehr als 90.000 Kinder an dem Schlaumäuse-Projekt. Im Raum Darmstadt-Dieburg, wo ich heute gemeinsam mit Bundesjustizministerin Brigitte Zypries die Ergebnisse einer Programm-Evaluation präsentierte, sind übrigens 120 Kitas an die Bildungsinitiative angeschlossen. Die Mehrheit der befragten Erzieherinnen und Erzieher bestätigt: Die Schlaumäuse-Software fördert die Sprachkompetenz von Kindern im Kindergartenalter.
Die Schlaumäuse-Initiative startete im Frühjahr 2003 mit einem Pilotprojekt in 200 Kindergärten im gesamten Bundesgebiet. Diese Bildungseinrichtungen wählten wir gemeinsam mit dem Modellprogramm des Bundesfamilienministeriums Entwicklung & Chancen (E&C) aus. Eine während der Pilotphase durchgeführte Befragung unter den Erzieherinnen, Erziehern und Eltern bescheinigte den 4.000 beteiligten Kindern über alle Altersstufen hinweg deutliche Erfolge im sprachlichen und sozialen Lernen. Basierend auf diesen Erkenntnissen entwickelten wir die Lernsoftware weiter. Seit Herbst 2006 gibt es die Version "Neues von den Schlaumäusen", die neben der gezielten Vermittlung von Sprachkompetenz noch stärker den Übergang von der Vorschule in die Grundschule erleichtern soll.
Bieten Sie eine einheitliche Lösung an oder ist das Projekt eingegliedert in die Bildungskonzepte der Träger, etwa der Kommunen, Landkreise oder der Freien?
Achim Berg: Die Schlaumäuse-Software kann problemlos in andere Sprachförderangebote und –kurse eingesetzt, aber auch als eigenständige Lösung angeboten werden. Bei der konkreten Umsetzung auf lokaler Ebene arbeiten wir mit ausgewählten Vertriebs- und Technologie-Partnern zusammen, die regional verankert sind und die Kindergärten aussuchen, ausstatten und betreuen.
Welche Rahmenbedingungen müssen - auch von der Politik - erfüllt werden, damit Unternehmen als Partner von Bildungseinrichtungen im Kindergarten- und Schulbereich fördernd tätig sein können?
Achim Berg: Als Unternehmen, das sich im Bildungsbereich engagiert, sind wir auf die Unterstützung durch die Politik angewiesen. Die Schlaumäuse-Initiative steht seit ihrem Start im Frühjahr 2003 unter der Schirmherrschaft des Bundesfamilienministeriums. Auf lokaler Ebene unterstützen uns politische Entscheidungsträger bei der Ansprache und Ausstattung von Kindergärten. Mit Bundesjustizministerin Brigitte Zypries arbeiten wir zum Beispiel in ihrem hessischen Wahlkreis eng zusammen. Das Engagement im Bildungsbereich muss eine gemeinsame Aufgabe von Politik und Wirtschaft sein.
Microsofts Word ist das mit Abstand meistverwendete Textverarbeitungsprogramm der Welt. Zeitweise haben Sie auch eine Textverarbeitung speziell für Kinder angeboten: Creative Writer. Angesichts der Forderung nach mehr Schreib- und Lesekompetenz bei Kindern und Jugendlichen: Wäre nicht eine Neuauflage dieses Programms angebracht?
Achim Berg: Das Programm Creative Writer wurde 1993 entwickelt. Mithilfe dieser Software konnten Kinder Briefe, Poster und andere Dokumente gestalten. Aber auch Microsoft Word bietet kreative Gestaltungsmöglichkeiten, die auch Kinder nutzen können. Vorschulkinder unterstützen wir seit einigen Jahren mit der Lernsoftware "Schlaumäuse – Kinder entdecken Sprache". Mit den Schlaumäusen können sie erste Lernerfahrungen mit Buchstaben und Wörtern machen. Das Thema Sprachentwicklung steht hier im Fokus.
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