Mehr Professionalisierung in der Erzieherinnenausbildung
Studie "elementar + professionell" erschienen
Mehr zu: Berufsakademie, Deutschland, Erzieherinnenausbildung, Fachhochschule, Forschung, Kindergarten / Vorschule, Hochschule(redaktion/idw) In den vergangenen vier Jahren sind in Deutschland mehr als 60 Ausbildungsgänge für Erzieherinnen und Erzieher an Fachhochschulen, Universitäten und Berufsakademien neu entwickelt worden. Eine neue Studie dokumentiert jetzt diese Entwicklung und untersucht am Beispiel des frühpädagogischen Studiengangs an der Alice Salomon Hochschule Berlin, wie die angestrebte Professionalisierung gelingt.
In Deutschland werden Erzieherinnen und Erzieher traditionell an Fachschulen ausgebildet. Im Zuge der Diskussion um eine gezielte Förderung des frühpädagogischen Bereiches werden seit 2004 zugleich neue Studiengänge an Fachhochschulen, Berufsakademien und Universitäten entwickelt. Vier Vertiefungsstudiengängen im Jahr 2004 stehen jetzt über 60 Ausbildungsgänge an 51 unterschiedlichen Hochschulen gegenüber. Damit verbunden ist die Erwartung an eine stärker wissenschaftlich fundierte und im Ergebnis professionelle Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern. Außerdem kann damit auch die bisher in Deutschland nur rudimentär ausgeprägte Forschung über die frühkindliche Bildung gestärkt werden.
Das Institut für Hochschulforschung (HoF) hat diese Entwicklung dokumentiert und sowohl in einen professionstheoretischen Kontext als auch einen internationalen Vergleich eingeordnet. In der Studie "elementar + professionell" werden die Erwartungen an eine moderne Erzieherinnenausbildung diskutiert und daraus wesentliche Anforderungen an die Studiengänge abgeleitet. Am Beispiel des Studiengangs "Erziehung und Bildung im Kindesalter" an der Alice Salomon Hochschule Berlin (ASFH) wird die Umsetzung dieser Anforderungen in einem der zuerst gestarteten Bachelor-Studiengänge untersucht.
Schwerpunkte der Untersuchung sind die Ausprägung des professionellen Kerns in der Ausbildung, ein Vergleich der Erzieher -Ausbildungen an Fachschulen und Fachhochschulen sowie das Theorie-Praxis-Verhältnis im Studium. Hierfür wurden die Curricula bzw. Rahmenrichtlinien an Fachschulen und Fachhochschulen sowie Praktikumsberichte, Fachschulabschlussarbeiten und Bachelor-Arbeiten analysiert. Zudem wurden Studiengangs- bzw. Ausbildungsleiterinnen und Studierende sowohl an der ASFH als auch an drei Berliner Fachschulen befragt.
Den Studiengang "Erziehung und Bildung im Kindesalter" kennzeichnet eine starke Ausrichtung auf die Entwicklung eines professionellen Selbstverständnisses bei den Studierenden. Dies ist auch eines der zentralen Argumente bei der Abgrenzung zu den Fachschulausbildungen, an denen das für die Professionalisierung notwendige Reflexionsniveau nicht erreicht werden könne. Der hohe Anspruch, die kontinuierliche Reflexion von Praxiserfahrung in theoretischen Auseinandersetzungen in möglichst allen Modulen zu verankern, kommt sowohl in der Ausgestaltung einzelner Module als auch in den einzelnen Praxistagen in den ersten beiden Semestern und den beiden großen Praktika zum Ausdruck. Auch den Studierenden ist die Bedeutung der Verknüpfung von Theorie und Praxis bewusst.
Die Studie schließt mit Empfehlungen zur künftigen Gestaltung der Erzieherinnenausbildung an Fachschulen und Hochschulen; dabei wird einerseits eine wettbewerbliche Weiterentwicklung von Fachschulen zu Fachhochschul-Fachbereichen und andererseits eine Spezialisierung und Professionalisierung der verbleibenden Fachschulen empfohlen. Wörtlich heißt es: "Wenn akzeptiert wird, dass Bildung im Kindesalter ein pädagogisches Handlungsfeld ist, dann erscheint es nicht mehr einsichtig, das dort tätige Personal gänzlich anders als in sonstigen pädagogischen Handlungsfeldern zu qualifizieren."
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