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Mehr gut ausgebildete Physiklehrer gefordert

Deutsche Physikalische Gesellschaft will rund 20.000 Lehrkräfte fortbilden

Mehr zu: Fachkräftebedarf, MINT-Fächer, Naturwissenschaften, Schülerlabor, Stiftungen, Studienwahl, Sonderthemen, Schule, Hochschule
16.12.2008 -

(redaktion/PM) Physikerinnen und Physiker haben auf dem Arbeitsmarkt weiterhin sehr gute Chancen. Die Zahl der Arbeitslosen ist im fünften Jahr in Folge gesunken, die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei rund zwei Prozent. Fachleuten mit physikalischer Expertise bieten sich nach Schätzung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) derzeit rund 5.000 freie Stellen. Dies meldet die DPG in der Erstausgabe des Informationsblatts "Physik konkret". Angesichts des Fachkräftemangels sieht DPG-Präsident Gerd Litfin in der Verbesserung des naturwissenschaftlichen Unterrichts eine gesellschaftspolitische Aufgabe ersten Ranges: "Der Grundstein für Interesse oder eben auch Abneigung gegenüber den Naturwissenschaften wird maßgeblich in der Schule gelegt. Deshalb brauchen wir unbedingt mehr motivierte und gut ausgebildete Lehrkräfte."

"Auch in Zeiten der Konjunkturkrise sind Physikerinnen und Physiker gefragte Fachleute", unterstreicht Gerd Litfin, der als Aufsichtsratsvorsitzender im Bereich der optischen Technologien tätig ist. "Der Mangel an physikalisch versierten Fachkräften kostet die Unternehmen Umsatz und Innovationskraft. Schließlich hängen an einem Job im naturwissenschaftlich-technischen Bereich bis zu zehn gewerbliche Arbeitsplätze." Die Industrie sei auf physikalische Expertise ebenso angewiesen wie auf Ingenieurinnen und Ingenieure. Dies gelte besonders für Wachstumsbranchen wie die Mikroelektronik, die optischen Technologien und die Energietechnik.

Nach Schätzung der DPG gibt es auf dem Arbeitsmarkt zurzeit rund 5.000 freie Stellen für Physikerinnen und Physiker. "Dies entspricht zwei kompletten Jahrgängen an Diplomabsolventen", konstatiert Litfin. Auf dem Arbeitsmarkt gebe es momentan nicht genug Fachleute, um diesen Bedarf zu decken. Die Zahl der freien Stellen beruht auf einer Hochrechnung der von der Bundesagentur für Arbeit erfassten Stellenangebote. Bei ihrer Abschätzung orientiert sich die DPG an einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft über den Arbeitsmarkt für Ingenieure. Demnach wird der Bundesagentur für Arbeit nur etwa jede siebte offene Ingenieursstelle gemeldet. Bei den Physikerstellen geht die DPG von ähnlichen Verhältnissen aus, da Physiker und Ingenieure meist ähnliche Tätigkeiten ausüben und sie dementsprechend von denselben Unternehmen gesucht werden.

Arbeitslosenquote von etwa zwei Prozent

Die neueste Statistik zum Arbeitsmarkt für Physikerinnen und Physiker beruht im Wesentlichen auf Daten der Bundesagentur für Arbeit. Demnach ist die Zahl der arbeitslosen Physikerinnen und Physiker im fünften Jahr in Folge gesunken, wenngleich der Rückgang geringer ausfiel als in den Vorjahren.

Gemäß der jüngsten Erhebung hatten sich im Herbst 1.257 Physikerinnen und Physiker arbeitslos gemeldet. "In Anbetracht von rund 70.000 Akademikern mit physikalischer Ausbildung, von denen wir hierzulande ausgehen, entspricht dies einer Arbeitslosenquote von etwa zwei Prozent. Damit liegt sie weiter signifikant unter der Durchschnittsquote von zirka sieben Prozent", so Litfin. "Aus Sicht der Volkswirtschaft heißt dies Vollbeschäftigung." Für junge Physiker und Physikerinnen sei es daher nach wie vor vergleichsweise einfach, eine Anstellung zu finden, besonders wenn sie regional mobil und in Bezug auf ihren Berufswunsch flexibel sind. Dies gelte aber auch für ältere, berufserfahrene Fachleute. "Wichtigste Stellenanbieter sind nach wie vor die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Industrie", stellt Litfin fest.

Anzahl der Studienanfänger stagniert

Damit habe sich die positive Entwicklung für Physikerinnen und Physiker fortgesetzt, obwohl inzwischen mehr Bewerber auf den Arbeitsmarkt drängen würden. Denn zuletzt gab es immer mehr Diplomabschlüsse im Fach Physik: Ihre Zahl hat sich seit 2004 auf jährlich über 2.300 Absolventen fast verdoppelt. Nach Einschätzung der DPG wird dieser Trend allerdings nicht fortbestehen, denn inzwischen stagniert die Anzahl der Studienanfänger. "Mittelfristig wird sich die Anzahl der Studienabschlüsse auf recht hohem Niveau einpendeln", meint Litfin. "Das ist aus aktueller Sicht aber immer noch zu wenig, um die Nachfrage der Industrie abzudecken. Deshalb muss es uns gelingen, dass sich mehr junge Menschen für Naturwissenschaften interessieren."

Lehrer qualifizieren

Mittlerweile gebe es zahlreiche Initiativen, um bei Jugendlichen das Interesse an den Naturwissenschaften zu fördern, bekennt der DPG-Präsident. "Vorlesungen für Schülerinnen und Schüler, Schülerlabors und Wissenschaftsfestivals sind ausgesprochen sinnvolle Maßnahmen. Allerdings sind wir der Meinung, dass auch die Ausbildung der Lehrkräfte verbessert werden muss. Deren Leistung wird in der Öffentlichkeit oft zu Unrecht verkannt. Guter Physikunterricht ist die beste Werbung das Fach. Deshalb müssen wir Sorge dafür tragen, dass Lehrerinnen und Lehrer hervorragend qualifiziert sind." Im Rahmen eines bundesweiten Fortbildungsnetzwerks, das von der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung gefördert wird, will die DPG deshalb in den nächsten drei Jahren rund 20.000 Lehrkräfte fachlich und didaktisch fortbilden. "Dieses Programm richtet sich an Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten. Ausdrücklich auch an jene, die an Kindergärten und Grundschulen beschäftigt sind", sagt Gerd Litfin. "Kinder sind von Natur aus neugierig. Diese Freude am Entdecken und Hinterfragen müssen wir schon im Vorschulalter unterstützen. Und zwar viel stärker als bisher."

1 Kommentar (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Rainer N. aus B., am 14.12.2009, 10:42

Bei den von der DPG veröffentlichten Zahlen muß berücksichtigt werden, daß darin regelmäßig Promotionsstellen zu einem recht hohen Anteil enthalten sind.

Für einen promovierten Physiker sind diese Stellen nicht mehr interessant. Der tatsächliche Anteil relevanter Stellen ist deutlich geringer. Im Besonderen müssen oft Stellen angenommen werden, die nichts mit Physik zu tun haben, also fachfremd sind.


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