"Großes Potenzial" bei Schulbüchern
Interview mit Ulrich Granseyer, Vorstandssprecher des Bibliographischen Instituts
Mehr zu: Interviews, Nachschlagewerke, Schulbuch, Unterrichtsmaterial, Weiterbildung, Sonderthemen, Schule(redaktion) Das Bibliographische Institut hat heute mitgeteilt, dass es zum 31.12.2008 die Rechte an der Marke Brockhaus und alle Brockhaus-Werke an die wissenmedia GmbH verkauft. Damit geht ein für diese Traditionsmarke turbulentes Jahr zu Ende. Nach der Ankündigung im Frühjahr, dass Brockhaus ein kostenloses Onlineportal starten wolle, hatten Medien bereits den Niedergang des gedruckten Lexikons befürchtet. Tatsächlich aber kam es nie zu dem angekündigten Onlineauftritt des Lexikons. bildungsklick.de sprach mit dem Vorstandssprecher des Bibliographischen Instituts, Ulrich Granseyer, über die zukünftige Entwicklung des Verlags und sein Engagement im Schulbuchmarkt.
Herr Granseyer, im Frühjahr noch sollte Brockhaus online starten. Nun verkaufen Sie die komplette Marke. Sind Nachschlagewerke – egal ob online oder print – nicht mehr lukrativ?
Ulrich Granseyer: Die Frage kann man natürlich stellen. Im Grunde sind wir aber anders vorgegangen. Das Presseecho auf die Ankündigung des kostenlosen Onlineportals von Brockhaus war ja immens. Anschließend haben wir sehr intensive Gespräche mit dem Direktvertrieb gehabt, also mit der inmediaOne Gruppe, die seit rund acht Jahren den Vertrieb für die Brockhausprodukte macht. Im Laufe dieser Gespräche ist man dann auf das Thema Kauf bzw. Verkauf gekommen.
Das heißt, das Presseecho war groß, der Erfolg aber nicht?
Ulrich Granseyer: Die Investitionen in ein solches Onlineportal einschließlich der redaktionellen Betreuung sind immens und wir mussten feststellen, dass die Refinanzierung dazu in einem krassen Missverhältnis steht. Die Werbeeinnahmen sind immer niedriger geworden und diese Refinanzierung verschob sich immer weiter in die Zukunft. Deswegen haben wir gesagt, wir investieren lieber in andere Geschäfte, die für uns viel lukrativer sind, wie zum Beispiel das Schulbuch, das Lernen am Nachmittag, die Frühpädagogik oder die Leseförderung. Und natürlich die Sprachtechnologie. Das sind noch große Baustellen, mit denen wir bei Weitem nicht fertig sind. Wir haben also entschieden, uns auf der einen Seite auf das Feld Duden zu konzentrieren und auf der anderen Seite auf das Segment Kalender.
Können Sie denn sagen, wie es mit den bisherigen Brockhausprodukten weitergehen wird?
Ulrich Granseyer: Da muss ich Sie im Grunde an wissenmedia verweisen: Aber wir können sicherlich sagen, dass sich für den Kunden im Buchhandel erst einmal nichts ändert, dort werden die Brockhausprodukte weiterhin vertrieben werden und dem Kunden ist es ja letztendlich egal, ob sie aus Mannheim oder aus Gütersloh kommen.
Das Brockhausportal haben Sie zwar nicht realisiert aber es existiert ja bereits ein anderes Onlinelexikon unter dem Bifab-Dach: Meyers. Wird dieses denn weiterhin existieren?
Ulrich Granseyer: Mit dem Verkauf von Brockhaus haben wir beschlossen, das komplette Geschäftsfeld lexikalisches Nachschlagen abzugeben und uns daraus zurückzuziehen. Hinzu kommt, dass die Inhalte von Meyers online natürlich mit den Brockhausinhalten verzahnt sind. Sie kommen ja aus einer Quelle - also auch diese Substanz geht an wissenmedia über. Aber ich gehe davon aus, dass das Portal nicht weiter betrieben wird. Momentan ist es noch online und wird auch noch bis zum Vollzug des Kaufvertrages – also etwa Ende Januar - online sein.
Der Schulbuchmarkt ist eines Ihrer Geschäftsfelder, die Sie ausbauen wollen. Müssen sich also die anderen Schulbuchverlage jetzt warm anziehen?
Ulrich Granseyer: Das hoffe ich doch. Da wir den Fokus darauf legen, zeigen wir, dass unsere Erwartungen hoch sind und dass sie bisher auch nicht enttäuscht worden sind. Auch wenn vielleicht das Wachstum nicht gleich sprunghaft gewesen ist, so sind die Erfolge doch beachtlich. Das werden auch die anderen Schulbuchverlage bestätigen, wenn sie ehrlich sind. Wir sehen in dem gesamten Zusammenspiel - angefangen vom Duden 1 über die Lernhilfen, die Leseförderung bis zu den Therapien, die wir anbieten - ein so großes Betätigungsfeld und soviel Potenzial, das wir das Geld dort sehr gut angelegt sehen.
Ihre Zielgruppe sind also zukünftig eher Kinder und nicht mehr die Erwachsenen?
Ulrich Granseyer: Als Zielgruppe haben wir die Erwachsenen natürlich weiterhin im Fokus, insbesondere beim Thema deutsche Sprache. Hier denke ich auch an Korrektursoftware. Wir werden diesen Bereich noch verstärken und auch marketingmäßig unterstützen. Außerdem wollen wir das Thema Ratgeber für berufliche Weiterbildung ausbauen. In diesem Segment sind wir im Moment nur rudimentär unterwegs, aber da stelle ich mir auch noch einiges vor.
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