"Philologenverband will nur seine Pfründe wahren"
Fachleute wehren sich gegen Kritik an Frühenglisch in Grundschulen
Mehr zu: Fremdsprachen, Grundschule, Muttersprache, Schule(redaktion/PM) Gegen einseitige Kritik am Englischunterricht in der Grundschule durch den Deutschen Philologenverband (Berlin) wehren sich Fachleute in der aktuellen Ausgabe des Kirchenboten. Die Interessensvertretung der Gymnasiallehrer hatte diesen als Fehlschlag bezeichnet. Durch den "systematischen Unterricht" an weiterführenden Schulen, so Verbandschef Hans-Peter Meidinger, seien bereits nach acht Wochen die Vorkenntnisse aus der Grundschule eingeholt.
"Der Verband will nur seine Pfründe wahren", entgegnet Prof. Manfred Pienemann von der Universität Paderborn. Grundschulkinder seien durch Fremdsprachenlernen keineswegs überfordert, wie umfangreiche Forschungen eindeutig bewiesen. "So wie Kleinkinder ihre Muttersprache intuitiv lernen, tun dies Grundschüler mit der Fremdsprache", sagt der Sprachwissenschaftler. Dabei entwickelten sie eine eigene Grammatik. Ein Grammatikunterricht sei in dem Alter unproduktiv. An Gymnasien bestehe zum Teil die Tendenz, Sprachunterricht könne nur durch bewusstes Lernen gelingen. Meidinger hatte auch bemängelt, dass durch den spielerischen Umgang mit Englisch der Wissensstand der Grundschüler extrem unterschiedlich sei. Pienemann: "Es ist doch unsinnig zu fordern, dass die Schüler im Gleichschritt durch die Schule gehen."
Der Englischunterricht an Grundschulen sei sehr viel besser als sein Ruf, erklärt Gabriele Langel-Carossa vom Bildungssenat Bremen. Die Hamburger KESS-Studie 2007/2008 belege, dass die Englischkenntnisse der Siebtklässler sich gegenüber früher merklich verbessert hätten. Das positive Ergebnis führten die Forscher auch auf das Grundschulenglisch zurück.
"Die Lehrer der Sekundarstufe I scheinen es nicht gern zu sehen, dass Kinder schon an der Grundschule Englisch haben," meint Horst Bartnitzky vom Grundschulverband (Frankfurt). Selbstverständlich gebe es unterschiedliche Lernkonzepte zwischen Grundschule und weiterführenden Schulen. Er fordert eine neue schulformübergreifende Didaktik (Lernmethodik) für den Englischunterricht von der dritten bis zur sechsten Klasse. Im übrigen müssten sich seines Erachtens nicht nur Grundschullehrer für Frühenglisch fortbilden, "sondern ebenso die Kollegen der weiterführenden Schulen."
Wir Mathematiklehrer am Gymnasium mussten in den letzten Jahren feststellen, dass unsere Schüler am Anfang der fünften Klasse nur über rudimentäre Rechenfertigkeiten verfügen. Multiplizieren können sie kaum und dividieren schon garnicht. Ob das daran liegt, dass an der Grundschule zu vieles gleichzeitig probiert wird? Es stellt sich auch die Frage, ob - wie in Bayern - in der dritten und vierten Klasse jeweils drei Wochenstunden Religion unbedingt notwendig sind.
Wenn die Kinder rudimentäre Kenntnisse in Fächer wie Mathematik haben, liegt das mit Sicherheit nicht an den Kindern oder vielfältigen neuen Konzepten, sondern schlicht an der überwiegend fehlenden fachlichen Qualifikation der Lehrkräft in den Grundschulen in Fragen der Diagnostik und Fachdidaktik (die anderen Schulformen sind davon im übrigen genauso betroffen). Die mir bekannten Lehrer (deutlich mehr als Hundert) können auch den Paradigmenwechsel von alten RLP's zu Kerncurricula inhaltlich nicht nachvollziehen. Von einer Umsetzung derselben im Unterricht ganz zu schweigen. Über mangelnde Bewertungsmaßstäbe bei den Lehrenden und sozialen Hintergründen der Kinder will ich erst gar nicht schreiben. Die Leiterin einer Grundschule auf die Frage (vor ein paar Tagen), warum sie noch keine schuleigenen LPs hätte: Die Kerncurricula gäbe es doch erst seit knapp 3 Jahren. Das sie aber regelmäßig an Vergleicharbeiten teilnimmt, die diese Pläne als Grundlage haben, scheint Ihr nicht bewußt zu sein oder sie läßt die Kinder absichtlich ins Messer laufen.
Genau, die Lehrer sind an der Bildungsmisere schuld, also könnten ja die hohen Löhne verringert werden, zum Wohle der Reichsten in diesem Lande.
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