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"Philologenverband will nur seine Pfründe wahren"

Fachleute wehren sich gegen Kritik an Frühenglisch in Grundschulen

03.02.2009

(redaktion/PM) Gegen einseitige Kritik am Englischunterricht in der Grundschule durch den Deutschen Philologenverband (Berlin) wehren sich Fachleute in der aktuellen Ausgabe des Kirchenboten. Die Interessensvertretung der Gymnasiallehrer hatte diesen als Fehlschlag bezeichnet. Durch den "systematischen Unterricht" an weiterführenden Schulen, so Verbandschef Hans-Peter Meidinger, seien bereits nach acht Wochen die Vorkenntnisse aus der Grundschule eingeholt.

"Der Verband will nur seine Pfründe wahren", entgegnet Prof. Manfred Pienemann von der Universität Paderborn. Grundschulkinder seien durch Fremdsprachenlernen keineswegs überfordert, wie umfangreiche Forschungen eindeutig bewiesen. "So wie Kleinkinder ihre Muttersprache intuitiv lernen, tun dies Grundschüler mit der Fremdsprache", sagt der Sprachwissenschaftler. Dabei entwickelten sie eine eigene Grammatik. Ein Grammatikunterricht sei in dem Alter unproduktiv. An Gymnasien bestehe zum Teil die Tendenz, Sprachunterricht könne nur durch bewusstes Lernen gelingen. Meidinger hatte auch bemängelt, dass durch den spielerischen Umgang mit Englisch der Wissensstand der Grundschüler extrem unterschiedlich sei. Pienemann: "Es ist doch unsinnig zu fordern, dass die Schüler im Gleichschritt durch die Schule gehen."

Der Englischunterricht an Grundschulen sei sehr viel besser als sein Ruf, erklärt Gabriele Langel-Carossa vom Bildungssenat Bremen. Die Hamburger KESS-Studie 2007/2008 belege, dass die Englischkenntnisse der Siebtklässler sich gegenüber früher merklich verbessert hätten. Das positive Ergebnis führten die Forscher auch auf das Grundschulenglisch zurück.

"Die Lehrer der Sekundarstufe I scheinen es nicht gern zu sehen, dass Kinder schon an der Grundschule Englisch haben," meint Horst Bartnitzky vom Grundschulverband (Frankfurt). Selbstverständlich gebe es unterschiedliche Lernkonzepte zwischen Grundschule und weiterführenden Schulen. Er fordert eine neue schulformübergreifende Didaktik (Lernmethodik) für den Englischunterricht von der dritten bis zur sechsten Klasse. Im übrigen müssten sich seines Erachtens nicht nur Grundschullehrer für Frühenglisch fortbilden, "sondern ebenso die Kollegen der weiterführenden Schulen."


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