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Warum keine Abwrackprämie für veraltete Schulbücher?

Der VdS-Vorsitzende Wilmar Diepgrond über mangelnde Investitionen für Bildungsmedien

Mehr zu: Bildungsausgaben, Bildungsgipfel, Bildungsmessen, Bildungspaket, Deutschland, didacta - die Bildungsmesse, Interaktives Whiteboard, Interviews, Konjunkturpaket, Schavan, Schulbuch, Statistik, Unterrichtsmaterial, Weiterbildung, Sonderthemen
09.02.2009 -

(redaktion) Kurz vor Eröffnung der weltweit größten Bildungsmesse, der didacta, hat der Verband der Schulbuchverlage (VdS/Bildungsmedien) ernüchternde Zahlen präsentiert. Demnach sind die Umsätze mit Schulbüchern in Deutschland im vergangenen Jahr wiederum geschrumpft. Dabei lag Bayern mit 19 Prozent an der Spitze, aber auch Nordrhein-Westfalen und Hamburg sparten rund elf Prozent ein. bildungsklick.de sprach mit dem VdS-Vorsitzenden Wilmar Diepgrond über diese Entwicklung und über den Stellenwert der didacta.

Herr Diepgrond, wieder mehr Aussteller und mehr Ausstellungsfläche auf der didacta. Geht es den Bildungsverlagen gut – werden unterdessen mehr Schulbücher gekauft?

Wilmar Diepgrond: Nein es werden nicht mehr Schulbücher gekauft. Tatsächlich sind die Ausgaben im Bildungsmedienbereich und besonders im Bereich Schulbuch stark rückläufig. Im Jahr 2008 ging der Umsatz mit Schulbüchern und Bildungssoftware in den allgemeinen und berufsbildenden Schulen um sieben Prozent zurück, er fiel von 350 auf 325 Millionen Euro.

Wir erklären Sie sich diesen Rückgang? Immerhin ist das Thema Bildung doch in aller Munde.

Wilmar Diepgrond: Es ist einfach so, dass das Thema Schulbuch für die öffentliche Hand immer erst an relativ später Stelle steht. Unsere Produkte machen nur zwei Prozent der Gesamtausgaben aus. Trotzdem setzt man hier den Hebel an, um zu sparen, etwa indem man die Ausleihzeiten erhöht.

Glauben Sie, dass sich in absehbarer Zeit daran etwas ändern wird?

Wilmar Diepgrond: Das muss sich dringend ändern, denn das Schulbuch ist nach wie vor das Leitmedium im Unterricht. Wenn es Reformen gibt, wenn es neue Lehrpläne in den Schulen gibt, stellen wir immer wieder fest, wie wichtig es ist, dass die entsprechenden Schulbücher oder Bildungspakete von den Schulbuchverlagen geliefert werden. Man wird also von uns weiterhin ein hohes Innovationsengagement mit einer hohen Qualität erwarten. Denn man kann ohne moderne Bildungsmedien nicht zeitgemäß lernen. Nehmen Sie das Beispiel G8. Wir sind von verschiedenen Ministerien dazu angehalten worden, unsere Bücher zu verändern, mit dem Argument, dass die veränderten Bücher den Lehrern und den Schülern den Umstieg von G9 auf G8 erleichtern würden. Das macht doch den Stellenwert des Schulbuchs deutlich. Dennoch wird immer weniger Geld für neue Bücher ausgegeben. Das passt nicht zusammen.

Nun gibt es ja das Konjunkturpaket II, das auch den Schulen zugutekommen soll. Allerdings wird es in marode Gebäude gesteckt und nicht in Schulbücher.

Wilmar Diepgrond: Eine unserer zentralen Forderungen lautet, auch in die Modernisierung der Lehr- und Lernmittel zu investieren. Denn es ist im Moment so, wie Sie es beschreiben, es wird nicht in die Bildungsmedien investiert. Wir haben unsere Forderungen bei Frau Schavan artikuliert, diese Entscheidungen fallen aber eher auf Länderebene - auch da wir werden wir weiterhin aktiv sein.

Für die Verschrottung eines neun Autos gibt es derzeit einen Zuschuss. Es sind auch noch sehr viele Schulbücher im Einsatz, die älter sind als neun Jahre. Damit scheint die Politik kein Problem zu haben.

Wilmar Diepgrond: Richtig. Eine Abwrackprämie für veraltete Schulbücher wäre ein passender Vorschlag! Die Kultusministerkonferenz hat ja ermittelt, dass ein Schulbuch im Durchschnitt acht Jahre alt ist. Da kann man je nach Fach überlegen, wie alt manche Bücher sind. Und mit alten Büchern lässt sich kein moderner Unterricht gestalten und keine qualitativ hochwertige und zukunftsfähige Bildung vermitteln.

Apropos alt, die Neuen Medien kommen auch nicht richtig zum Zuge. Nach Untersuchungen ihres Verbands spielt Software so gut wie keine Rolle mehr. Woran liegt das: Allein am Geld oder wollen die Lehrer den Computer gar nicht im Unterricht einsetzen?

Wilmar Diepgrond: Ich glaube, dass die Lehrer gern mit Computern unterrichten und die Verlage wären auch bereit, vieles anzubieten, doch auch hier fehlt es an der Finanzierung und damit isoliert sich Deutschland europaweit. In Holland, England oder Schweden ist man wesentlich weiter. Da ist Software ein selbstverständlicher Bestandteil der Unterrichtsmaterialien und dort wird dafür auch viel mehr Geld ausgegeben. In Deutschland ist es so, dass die Verlage in der Vergangenheit sehr viel in Softwareentwicklungen investiert haben, aber der Markt für Softwarelösungen ist zusammengebrochen. Jetzt werden Paketlösungen angeboten. Es ist ja nicht mehr so, dass die Verlage nur das Schulbuch anbieten, sondern sie präsentieren ein ganzes Bildungspaket angefangen von der Lehrerfortbildung über Software, Testmaterialien und Materialien zur Unterrichtsvorbereitung bis zum Schulbuch.

Könnte die Entwicklung hin zu den interaktiven Whiteboards möglicherweise einen Entwicklungsschub auch für die Software, also die Inhalte, bringen?

Wilmar Diepgrond: Das könnte sein, aber zunächst einmal muss man mit der Lehrerfortbildung beginnen, weil sich mit den interaktiven Whiteboards auch die Art des Unterrichts ändert. Aber danach kommt möglicherweise das gleiche Problem wieder: Es werden Boards – also Hardware – angeschafft, aber für die Software steht dann wieder kein Geld mehr zur Verfügung.

Mit der didacta wird das Thema Bildung einige Tage im Vordergrund stehen. Erhoffen Sie sich auch einen nachhaltigen Effekt?

Wilmar Diepgrond: Generell bin ich der Meinung, dass die didacta eine Nachhaltigkeit hat, das hat sie bisher auch immer bewiesen. Wenn man sieht, wie viele Veranstaltungen und Foren stattfinden, wie viele Politiker, Minister und Wissenschaftler vor Ort sind, dann weiß man auch um die große Bedeutung dieser Messe. Zum Thema Finanzierung: Es ist natürlich unser Bestreben, dafür auf der didacta Aufmerksamkeit zu erhalten, um dann in Folgegesprächen zu einer besseren Finanzierung zu kommen. Dass aber spontan auf der Messe ein Politiker sagt, ´ok, wir investieren jetzt stärker in die Bildungsmedien`, glaube ich allerdings nicht.

didacta 2009 in Hannover – Bildungsgipfel im Flachland

Vom 10. bis 14. Februar 2009 findet zum zehnten Mal die "didacta - die Bildungsmesse" statt. Sie ist die zugleich die größte zentrale Weiterbildungsveranstaltung für Lehrer, Erzieherinnen, Ausbilder und Weiterbildner und deckt alle Bildungsbereiche ab. Die Aussteller warten mit neusten Lernmaterialien, Lernkonzepten und Lernumgebungen auf, in den Foren wird der Fokus auf aktuelle Entwicklungen und Visionen, aber auch auf strittige Themen, gelegt. Für Journalisten bietet die didacta die einmalige Chance, mit den führenden Bildungsexperten aus Wissenschaft, Praxis, Wirtschaft und Politik ins Gespräch zu kommen.
Mit den drei Ausgaben des didacta Themendiensts werden die Medien über die neuesten Themen und Entwicklungen rund um die didacta 2009 in Hannover informiert. Selbstverständlich können alle Texte kostenfrei für die Berichterstattung genutzt werden. didacta 2009 - die Bildungsmesse vom 10. bis 14. Februar 2009 in Hannover

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