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"Die kritische Reflexion von Unterricht ist für jeden Lehrer notwendig"

VBE-Vorsitzender Ludwig Eckinger über den "Nassen Schwamm" für spickmich.de

12.02.2009

(redaktion) Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hat heute auf der didacta die Internetplattform spickmich.de mit dem Negativpreis "Nasser Schwamm" ausgezeichnet. Der VBE sieht in dieser Website den lehrerpolitischen Dauer-Tiefschläger des Jahres 2008". bildungsklick.de sprach mit dem Bundesvorsitzenden des Verbands, Ludwig Eckinger, über die Beweggründe für diese Entscheidung.

Herr Eckinger, warum hat spickmich.de heute den Nassen Schwamm erhalten?

Ludwig Eckinger: Wir sind der Meinung, dass diese Initiative zwar auf den ersten Blick durchaus positiv gewürdigt werden könnte, aber wenn man genauer hinschaut, ist es so, dass sie Schülern die Möglichkeit bietet, Lehrer abzuurteilen und nicht nur zu bewerten. Wir wollen deshalb, dass wir in einen konstruktiven Dialog kommen und dass an dieser Stelle nachgebessert wird.

Wollen sich Lehrer möglicherweise gar nicht der Kritik stellen?

Ludwig Eckinger: Nein, dieser Meinung bin ich nicht. Allerdings muss dieses Angebot wirklich optimiert werden, damit es zum Beispiel nicht möglich ist, dass sich alle Menschen weltweit in dieses Portal einloggen können. Es muss schon möglich sein, dass die Information auf die Community, auf die direkt Betroffenen, begrenzt und auch eingegrenzt wird. Wenn es darüber hinaus gelingt, so etwas wie einen Verhaltenskodex zu entwerfen, dass man also miteinander so anständig umgeht, dass dies auch der Entwicklung der Schule dient, dann wäre ganz viel erreicht. Denn die kritische Reflexion von Unterricht ist natürlich für jeden Lehrer notwendig und da können Schüler wertvolle Hinweise geben

Sie haben den "Nassem Schwamm" zum fünften Mal, haben Sie mit dieser "Auszeichnung" in den vergangenen Jahren auch etwas bewirkt?

Ludwig Eckinger: Wenn ich mit Dieter Bohlen anfange: Er wird seine Person mit Sicherheit nicht verändert haben. Sehr konkret aber waren die Veränderungen bei EU-Kommissarin Viviane Reding. Sie hatte den Preis wegen der Öffnung der Fernsehgrenzen bekommen, das heißt für völlig uferloses Fernsehen europaweit. Wenn man jetzt die Fernsehrichtlinien anschaut, dann sieht man, dass an dieser Stelle deutlich verbessert worden ist. Oder der ehemalige Bildungssenator Böger, der arbeitslose Lehrer als Ein-Euro-Jobber einstellen wollte, hat sehr schnell eingesehen, dass er hier ein Eigentor geschossen hatte und hat diesen Vorschlag zurückgenommen.

Glauben sie, dass es auch bei spickmich.de Veränderungen geben wird?

Ludwig Eckinger: Ich kann mir das vorstellen. Ich halte nichts davon, dass sich die Fronten verhärten. Die Kriterien der Bewertung müssen allerdings transparenter gemacht werden, ebenso muss an der Zugänglichkeit gearbeitet werden und an dem Problem der Diskriminierung. Ich würde es sogar als Diskriminierung empfinden, wenn ich die Note 1,3 oder 1,0 bekäme, denn was geht das Menschen an, die außerhalb dieser Polis Schule leben. Ich denke, das ist eine Angelegenheit, die konkret an der einzelnen Schule abgehandelt werden muss und wenn das gelingt, wenn man sich darauf einigt, dann ist schon viel erreicht.


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