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didacta 2009: Bildung hat Konjunktur

Fünf Tage lang wurde debattiert, berichtet und informiert

Mehr zu: Auszeichnungen, Bildungspaket, Deutschland, didacta - die Bildungsmesse, Interaktives Whiteboard, Konjunkturpaket, Menschenrechte, PISA (Studie), Schavan, Schulbuch, Schulstruktur, Stiftungen, Weiterbildung, Sonderthemen
15.02.2009 -

(redaktion) Macht Schule krank, wie steht es in Deutschland um die Weiterbildung, brauchen Hochschulen Sponsoren, wie kommen die Naturwissenschaften in den Kindergarten und das gesunde Essen in die Schule? Fünf Tage lang debattierten Wissenschaftler, Praktiker und Bildungspolitiker in Foren, Symposien und Podiumsdiskussionen auf der didacta in Hannover über aktuelle Bildungsthemen. Und rund 75 000 Besucher informierten sich nicht nur über die aktuellen Bildungsmedien, Materialien und Ausstattungen sondern sorgten auch für äußerst lebhafte Diskussionsrunden in den knapp 1400 Veranstaltungen.

Omnipräsent war allerdings auch das Thema Wirtschaftskrise. Den Ausstattern der Bildungseinrichtungen – also den Produzenten von Schulmöbeln, Whiteboards oder Laboreinrichtungen – konnte Niedersachsens Ministerpräsident Wulff gleich zur Eröffnung der Messe eine frohe Botschaft verkünden. Die in diesem und im nächsten Jahr für den Bereich Bildung vorgesehenen Mittel aus dem Konjunkturpaket II, so betonte Wulff, gingen zumindest in seinem Bundesland nicht allein in die Bausubstanz sondern auch in die Ausstattung von Unterrichts- und Fachräumen, in eine verbesserte Medienausstattung und modernste Technik wie etwa interaktive Schultafeln.

Von Investitionen in Bildungsmedien, wie Schulbücher oder Software, sprach der Ministerpräsident allerdings nicht. Bereits für das vergangene Jahr - also vor der Krise - hatte der Verband der Schulbuchverlage einen Rückgang beim Schulbuchkauf um sieben Prozent errechnet. Gleichwohl warteten die Aussteller mit brandaktuellen, modernen und innovativen Bildungspaketen auf. Und die Lehrer zeigten sich durchweg überzeugt vom Schulbuch als Leitmedium. Nicht nur, dass sie mit vollgepackten Taschen das Messegelände verließen, sie informierten sich auch in ausführlichen Gesprächen bei den verschiedenen Verlagen über die neuesten Angebote.

Wenig angetan mag der eine oder andere Lehrer allerdings von dem gewesen sein, was der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Prof. Dr. Christian Pfeiffer, zu berichten wusste. Er präsentierte auf der didacta die ersten Ergebnisse seiner bundesweiten Untersuchung zu der Frage, wie Schüler ihre Lehrer beurteilen. Pfeiffer verwies dabei auf die Praktiken in Neuseeland, wo die Beurteilung der Lehrer durch die Schüler längst zum Schulalltag gehört. Die Ergebnisse dieser Beurteilungen, so wusste er zu berichten, entscheiden dort mit darüber, ob ein Probelehrer auf Dauer eingestellt oder ein Lehrer höhergruppiert wird. Lehrerbeurteilung aus Schülersicht war auch Thema einer speziellen Preisverleihung: Der Negativpreis der "Nasse Schwamm" wurde dem Internetportal spickmich.de vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) verliehen. "Der VBE wendet sich entschieden gegen Aburteilungen von Lehrerinnen und Lehrern, die auf Stimmungslagen und Meinungsmache beruhen", hieß es in der Begründung.

In der Diskussionsrunde zum Thema Macht Schule krank? warnte Professor Dr. Klaus Hurrelmann davor, Kinder zu überfordern. Eltern und Lehrer müssten Kinder realistisch einschätzen. Dazu bräuchte das Schulsystem allerdings eine viel höhere Flexibilität, etwa was unterschiedliche Wege oder unterschiede Zeiten angehe. Das starre deutsche Schulsystem mit seinem Sortierprinzip, so der Wissenschaftler, trage dazu bei, Kinder krank zu machen.

Ein großes Thema der didacta: Die frühkindliche Bildung. Passend zu den institutionsübergreifenden Bildungsplänen forderte der renommierte Frühpädagoge Professor Dr.mult. Wassilios Fthenakis auch eine institutiosnübergreifende Ausbildung, bei der Elementar- und Primarpädagogen gemeinsam lernen.

Dass auch die didacta 2009 nicht ohne die Diskussion über die Schulstruktur auskommen würde, war klar. Eine gemeinsame Schule für alle Kinder in einem System in dem Kinder nicht mehr mit neun oder zehn Jahren auf verschiedene Bildungswege aufgeteilt werden, sei nicht nur eine Frage des Menschenrechtes und der Achtung der Kinder sondern tue der ganzen Gesellschaft gut, erklärte Rainer Domisch, Unterrichtsrat in der obersten Schulbehörde Finnlands. Der bisherige Pisa-Koordinator Professor Dr. Manfred Prenzel sorgte sich hingegen darum, dass die Schulstrukturdebatte eher eine große Entlastungsdebatte sei, die verhindere, dass mehr Ressourcen in die Verbesserung von Unterrichtsqualität gesteckt würden.

Doch die didacta war auch in diesem Jahr nicht nur Ausstellung, Diskussionsforum und Weiterbildungsveranstaltung. Hier wurden außerdem hervorragende Bildungsprojekte und herausragendes Engagement für Bildung ausgezeichnet. So erhielten der ehemalige Boxweltmeister Henry Maske und der Fernsehmoderator Jörg Pilawa den offiziellen Titel "Bildungsbotschafter". Henry Maske für seinen Einsatz für Kinder sozial schwacher Familien mit seiner "Henry Maske A Place for Kids Stiftung" und Jörg Pilawa für sein Engagement beim Bethanien-Kinderdorf Schwalmtal.

Die Arbeitsgemeinschaft "Chemie in der Grundschule? Na klar!" der Friedrich-Ludwig-Jahn Grundschule in Leuna erhielt den diesjährigen Deutschen Innovationspreis für nachhaltige Bildung aus den Händen des ARD-Moderators Dennis. Schirmherr des Preises ist Peter Maffay.

Mit dem "Weiterbildungs-Innovations-Preis" (WIP) wurden auch in diesem Jahr innovative und zukunftsweisende Konzepte und Projekte in der beruflichen und betrieblichen Weiterbildung ausgezeichnet. Insgesamt fünf Institutionen durften sich über diesen Preis freuen, der von der Niedersächsischen Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann und dem Präsidenten des Bundesinstituts für Berufsbildung, Manfred Kremer, überreicht wurde. Gleich zwölf Lernsysteme, Medienpakete, Computerprogramme und Online-Angebote wurden in Hannover mit dem Deutschen Bildungsmedienpreis "digital 2009" ausgezeichnet.

Aussteller, Besucher und Veranstalter waren sich nach fünf Messetagen über die große Bedeutung der didacta und über den Stellenwert der Bildung einig. Bei den Lehrern jedenfalls spielte das Nörgeln über die Wirtschaftskrise fast keine Rolle, wie ein Verlagsvertreter von Duden Paetec berichtete. "Das stärkt unseren Optimus." Den hatte auch Messechef Stephan Philipp Kühne am Ende der didacta 2009, denn Bildung sei nach wie vor ein großes Messethema, und "wir stehen bereit, wenn die didacta 2012 in Hannover sein sollte, alle in Bildung Tätigen sind dann herzlich eingeladen, sich wieder in Hannover zur didacta zu treffen."

"Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist eine Weiterentwicklung des Bildungssystems eine zentrale Zukunftsaufgabe", hatte Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan in ihrer Eröffnungsrede erklärt. Nun ist es wohl in erster Linie Sache der Politik, diese Aufgabe auch anzupacken. Über die Ergebnisse kann dann auf der nächsten didacta, vom 16. bis 20. März 2010 in Köln, diskutiert werden.

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