Jeder vierte Lehramtsstudent nicht für den Beruf geeignet
Bildungsforscher fordert Eignungsfeststellung für angehende Lehrer
Mehr zu: Lehrerbildung, Lehrermangel, Unterrichtsversorgung, Schule, Hochschule(redaktion/ots) "Angehende Lehramtsstudenten müssen fachlich versiert, motiviert, belastbar, sozial kompetent und kooperationsfähig sein. Darüber hinaus sollten sie Erfahrungen in der praktischen Arbeit mit Kindern mitbringen, zum Beispiel aus dem Kindergarten oder der Jugendarbeit", referierte Prof. Dr. Udo Rauin, Bildungsforscher an der Universität Frankfurt, anlässlich des 13. Bildungsforums der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e. V. (VhU) "Selbstständige Schule 2015".
Rauin machte deutlich, dass rund 25 Prozent der Studenten schon bei Aufnahme des Studiums nicht für den Beruf des Lehrers geeignet seien. Folge sei, dass zu viele Lehrer bereits von Beginn an im Beruf überfordert seien. Der aktuelle Lehrermangel verschärfe dieses Problem. Langfristig müsse man über eine "Eignungsfeststellung" vor dem Studium nachdenken.
"Um mehr junge Menschen für den Lehrerberuf zu begeistern, müssen Arbeitsplatz und Studium attraktiver werden. Wir müssen die Interessen der Lehramtsstudenten ernst nehmen, um sie optimal auf ihren Beruf vorzubereiten", sagte Rauin. Die Lehrerausbildung müsse daher in allen Fachbereichen der ausbildenden Universitäten gestärkt werden.
In seinem Schlusswort erneuerte der Geschäftsführer für Gesellschafts- und Bildungspolitik der VhU, Jörg E. Feuchthofen, seine Kritik an der Lehrerausbildung an den hessischen Universitäten. Kultusministerium, GEW und VhU seien sich einig, dass die Lehrerausbildung in Hessen unzureichend ist. Statt das Gegenteil zu behaupten, sollten die Universitäten die Kritik ernst nehmen. "Die Universitäten verweisen mit Recht auf ihre Autonomie und die Freiheit von Forschung und Lehre. Die Lehrerausbildung ist aber ein Sonderfall. Die Universität bildet hier in staatlichem Auftrag aus. Damit hat der Staat als Geldgeber die Pflicht darauf zu drängen, dass die Qualität stimmt. Stimmt die Qualität nicht, muss das Konsequenzen haben, und zwar auch finanzielle", forderte Feuchthofen. Die VhU halte an ihrer Forderung nach einer "Pädagogischen Universität" fest.
Dass es in der Ausbildung künftiger Lehrerinnen und Lehrer Probleme gibt, mag stimmen. Mit dem Ruf nach Eignungsfeststellungsverfahren und außerhalb des Studiums - in dem Fall vor diesem - durch Praktika und dergleichen nachzuweisender Erfahrungen scheint man sich jedoch eher noch aus der Verantwortung zu stehlen, als die Situation positiv zu ändern.
Im Rahmen von Eignungsfeststellungsverfahren wird eine - wie auch immer geartete "Eignung" - die das Studium wenn nicht gar leisten könnte oder zumindest sollte, vor diesem bereits getestet. Das Potential menschlichen Lernens wird damit gleichsam dementiert. In dem die - sehr wohl vorhandenen - Probleme als "Eignung" in die Person gekehrt werden (eben dies ist die ideologische Funktion des Eignungsbegriffs) dienen Eignungsfeststellungsverfahren erfahrungsgemäß an den Hochschule eher dazu, keine Reformen durchführen zu müssen, als das Angehen bestehender Problemlagen zu fördern.
Auch die hier geäußerte Forderung nach bereits vorzuweisender Praxis wie etwa durch Praktika vorm Studium hat ihre Tücken: Eine Praxis, die nicht theoretisch reflektiert wird die, die darin agieren nicht unbedingt besonders weit bringen. Die Verknüpfung guter Vorbereitung und gemeinsamer Nachbesprechung ermöglicht es, aus einem Praktikum eigene Lernfortschritte zu entwickeln. Praktika vor das Studium zu stellen verunmöglicht nun genau das. Zur These schließlich, dass ein hoher Prozentsatz an Leuten zum Lehrberuf - obgleich sie oder er diesen ansteuert - völlig ungeeignet sei und dies merken sollte, muss (so denn die Logik ist, die sich hinter dem Geäußerten vergibt) nicht viel gesagt werden: Das dahinter steckende Menschenbild wie die darin entwickelten Ideen haben mit Pädagogik allenfalls insofern zu tun, als dass sie deren Ansätze negieren.
Es ist schon wahr, dass ein Praktikum kein Garant für eine Qualität im späteren Beruf darstellt.
Wenn ich aber unter meinen Kommilitonen im Lehramtsstudium höre, dass es da Leute gibt, die im 5. Semester studieren und noch nie (!) in irgendeiner Art Nachhilfe gegeben haben, oder sonst irgendwie mit Kindern gearbeitet haben (die Pflichtpraktika im Studium mal ausgenommen), dann frage ich mich doch, was diese Personen dazu bewegt zu sagen, dass der Lehrerberuf das Richtige sei.
Problematisch ist es, dass scheinbar die Ministerien eine Eignungsprüfung vor Studienbeginn blockieren zu scheinen. Da die Zahlen der Lehramtsstudenten ohnehin zu niedrig sind um den Bedarf dauerhaft zu sichern, würde eine Eignungsfeststellung die Situation unnötig verschlimmern. Lieber nimmt man, was man kriegt und hält die Klappe. Ob das besser ist, wage ich allerdings ernsthft zu bezweifeln.
Ich bin zwar auch der Meinung, dass es durchaus Studenten gibt, die sich falsch entschieden haben, dennnoch, entscheidet man ja nicht völlig gleichgültig, was man studiert.
Die Lehramtsstudenten, die später im Beruf merken, dass es doch nicht das Richtige ist, haben eventuell nicht gut genug beobachtet worauf es wirklich ankommt.
Viele haben nun mal die Meinung, dass Lehrer sein, der einfachste job der Welt ist "Die heben immer um 13 Uhr aus und ganz viel Urlaub!",kennt man ja alles.
Von daher sind diese Studenten eigentlich gestraft genug, wenn sie bemwerken, dass es eben nicht so ist!
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