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"Schulgesetz an die UN-Behindertenrechtskonvention anpassen"

NRW-Bündnis fordert "Eine Schule für alle"

Mehr zu: Deutschland, Förderschule, Gesamtschule, Handikap, Inklusion, Integration, Nordrhein-Westfalen, Schulgesetz, Schulstruktur, Schule
16.03.2009 -

(redaktion/pm) Der Sozialverband Deutschland, Landesverband NRW, der Kinderschutzbund, die Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen und das NRW-Bündnis "Eine Schule für alle" haben heute die nordrhein-westfälische Landesregierung zu einer umfangreichen Schulreform aufgefordert. Das gegliederte Schulsystem von der Förderschule bis zum Gymnasium soll durch eine Schule für alle Kinder bis zur 10. Klasse ersetzt werden.

"Im Interesse unserer Kinder können wir uns die Lebenslüge des angeblich begabungsgerechten Schulsystems nicht mehr länger leisten, schon gar nicht hier in Nordrhein-Westfalen", sagte der NRW-Vorsitzende des Kinderschutzbundes, Dieter Greese. "Unser Schulsystem verbaut armen Kindern ihre Lebenschancen, und wir haben viele arme Kinder in unserem Bundesland."

"Soziale Herkunft und Behinderung dürfen nicht länger über den Bildungsabschluss entscheiden", forderte auch die NRW-Vorsitzende des SoVD, Marianne Saarholz. "Unser Schulsystem grenzt sozial benachteiligte und behinderte Kinder systematisch von höheren Bildungschancen aus, in dem die Kinder von Anfang an in unterschiedliche Schulformen aufgeteilt werden".

Die Landesarbeitsgemeinschaft LAG "Gemeinsam leben - Gemeinsam lernen" betonte, dass auch Kinder mit Behinderung einen uneingeschränkten Anspruch auf Inklusion in die allgemeine Schule bekommen müssen. "Das verlangt die UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderung", so der LAG-Vorsitzende Bernd Kochanek. "Die UN-Behindertenrechtskonvention erzwingt eine Schulrechtsreform, die das vielgliedrige Schulsystem zugunsten einer "Schule für alle" überwindet. Diese Schule nimmt jeden Schüler auf, der angemeldet wird und hat insofern keine Barrieren - weder physikalisch noch mental. Bildungsziele sind die je individuell erreichbaren Kompetenzen, die den Einzelnen befähigen, als einzigartige Persönlichkeit in dieser Gesellschaft seinen Platz zu finden."

Die drei Organisationen sind dem NRW-Bündnis "Eine Schule für alle" beigetreten, das landesweit von Elternvereinen, sozialen Organisationen, Gewerkschaften und vielen Einzelpersonen unterstützt wird.

"Seit mehr als zwanzig Jahren zeigen Integrationsschulen, dass Kinder besser lernen, wenn sie in Gruppen von ganz unterschiedlichen Kindern zusammen sind und ihr Bildungsweg möglichst lange offen gehalten wird", erklärte die Sprecherin des NRW-Bündnisses, Uta Kumar. "In solchen Schulen werden die Kinder individuell gefördert, anstatt sie nach Leistung zu sortieren und damit viele für den Rest ihrer Schulzeit zu entmutigen."

Die Verbände fordern die Landesregierung auf, das Schulgesetz an die UN-Behindertenrechtskonvention anzupassen. Diese verlangt für alle Kinder und Jugendliche mit Behinderung freien Zugang zu einem "inklusiven Bildungssystem", das alle Menschen einbezieht. "Mit dieser Konvention", sagt Bündnis-Sprecherin Uta Kumar, "sind weder die Förderschulen noch das gegliederte Schulsystem insgesamt vereinbar".

1 Kommentar (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Annette Brillat, am 21.01.2010, 18:21

Ich halte sehr viel von einer Schule für alle Kinder. Es ist nicht schwer zu verstehen, dass eine Aussortierung der schwächeren Schüler deren Chancen minimiert. Von wem sollen sie lernen? Es reicht jedoch nicht, die schwächeren Kinder in die bestehenden Schulstrukturen reinzupacken.

Hier muss dann intensiv über kleinere Klassen nachgedacht werden. Ich hatte damals die Möglichkeit mein Kind mit 26 Kindern in die normale Schule gehen zu lassen. Mir war bewusst, dass dieses zuwenig für mein Kind war.

Leidvoll habe ich mich für die Förderschule mit kleinen Klassen entschieden.

Gute Schule bedeutet für mich: Alle Kinder, ob behindert oder nicht in einer Schulform. Es müssen jedoch kleine Lerngruppen entstehen, damit die individuelle Förderung geleistet werden kann. Im grossen Klassenverband ist das für einen Lehrer nicht zu leisten.

Ich finde es schade, dass es solange in Deutschland braucht, bis das was ich mir vor 8 Jahren gewünscht habe endlich angepackt wird. Ich hoffe, das es nun endlich los geht und möglichst viele Behinderte Kinder von einer Reform, die gut überdacht, neu strukturiert und große Änderungen in vielen Köpfen der Verwaltungsbeamten, Behörden und Schuldirektoren braucht, profitieren.

Diese Kinder gehören in die Mitte der Gesellschaft und nicht an den Rand gedrängt, weil es immer so war.

Annette Brillat


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