Inklusion: eine Verpflichtung zum Systemwechsel
Deutsche Schulverhältnisse auf dem Prüfstand des Völkerrechts
Mehr zu: Auslese, Deutschland, Inklusion, Menschenrechte, Prävention, Schulträger, Schulverwaltung, Sonderschulen, Schule(von Dr. Brigitte Schumann) In der deutschen Öffentlichkeit ist der Begriff Inklusion noch weitgehend unbekannt und selbst in pädagogischen Kreisen herrscht erstaunlich viel Unsicherheit darüber, was eigentlich damit gemeint ist. Von Inklusion ist meistens im Zusammenhang mit der Integration von Behinderten die Rede. Die "Schrägstrich-Bezeichnung " Integration/Inklusion ist so verbreitet, dass der falsche Rückschluss gezogen werden könnte und tatsächlich auch gezogen wird, Inklusion sei mehr oder weniger dasselbe wie Integration und bezöge sich ausschließlich auf die Belange von Menschen mit Behinderungen.
Integration = Inklusion?
Die Integration unterscheidet zwischen Kindern mit und ohne "sonderpädagogischem Förderbedarf". Die Inklusion geht von der Besonderheit und den individuellen Bedürfnissen eines jeden Kindes aus. Während die integrative Pädagogik die Eingliederung der "aussortierten" Kinder mit Behinderungen anstrebt, erhebt die inklusive Pädagogik den Anspruch, eine Antwort auf die komplette Vielfalt aller Kinder zu sein.
Sie tritt ein für das Recht aller Schüler und Schülerinnen, unabhängig von ihren Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen sowie von ihrer ethnischen, kulturellen oder sozialen Herkunft miteinander und voneinander in "einer Schule für alle" zu lernen. Kein Kind soll ausgesondert werden, weil es den Anforderungen der Schule nicht entsprechen kann. Im Gegensatz zur Integration will die Inklusion nicht die Kinder den Bedingungen der Schule anpassen, sondern die Rahmenbedingungen an den Bedürfnissen und Besonderheiten der Schülerinnen und Schüler ausrichten.
Während in anderen Ländern die Inklusion längst auf der Agenda staatlicher Bildungspolitik steht und inklusive Bildung international als pädagogischer Auftrag von Schulen verstanden wird (s. UNESCO-Weltministerkonferenz in Genf), hat die deutsche Bildungspolitik maßgeblich für Unwissenheit gesorgt und sich selbst unwissend gestellt.
Inklusion – Auftrag der UNESCO
Spätestens nach der Erklärung von Salamanca, die auf der UNESCO-Weltkonferenz "Pädagogik für besondere Bedürfnisse: Zugang und Qualität" 1994 unter Beteiligung der Bundesregierung abgegeben wurde, hätte die deutsche Politik zumindest den Forderungsgehalt der Erklärung verbreiten und eine Debatte über die pädagogischen, bildungs- und gesellschaftspolitischen Implikationen des Inklusionskonzeptes initiieren müssen. In dem von der Bundesrepublik mit unterzeichneten UNESCO-Dokument wurden alle Regierungen aufgefordert, ihre Schulsysteme so zu verbessern, dass Bildung für alle in inklusiven Schulen verwirklicht wird, die niemanden ausschließen, sondern alle einbeziehen, und mit einer Pädagogik für besondere Bedürfnisse sowohl Kindern mit Behinderungen als auch allen anderen in Anerkennung ihrer Verschiedenheit gerecht werden.
In dem ebenfalls beschlossenen "Aktionsrahmen" wurden der menschenrechtsbasierte Ansatz und die gesellschaftspolitische Zielsetzung der "Pädagogik für besondere Bedürfnisse" eindeutig benannt. Sie " geht davon aus, daß menschliche Unterschiede normal sind, daß das Lernen daher an das Kind angepaßt werden muß und sich nicht umgekehrt das Kind nach vorbestimmten Annahmen über das Tempo und die Art des Lernprozesses richten soll. Eine kindzentrierte Pädagogik ist für alle Kinder und in der Folge für die gesamte Gesellschaft von Nutzen. Erfahrungen haben gezeigt, daß sie Drop-Out- und Wiederholungsraten, die ein wesentlicher Bestandteil vieler Schulsysteme sind, deutlich reduzieren kann und daß gleichzeitig ein höherer Leistungsdurchschnitt gesichert wird (…). Darüber hinaus sind kindgerechte Schulen der Übungsbereich für eine Gesellschaft, die sich am Menschen orientiert und sowohl die Unterschiede als auch die Würde aller Menschen respektiert."
In der deutschen Übersetzung des Dokuments durch die österreichische UNESCO-Kommission wurde der für den Gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen im deutschsprachigen Raum gebräuchliche Begriff "Integration" als Entsprechung für den englischen Begriff "inclusion" verwendet. Diese problematische Übersetzung ist allerdings keine hinreichende Erklärung dafür, dass bis heute die Philosophie der Inklusion in Deutschland bildungspolitisch ignoriert wird. Schließlich ließ nachfolgend die UNESCO in zahlreichen Zusatzveröffentlichungen nichts unversucht, um deutlich zu machen, dass mit dem Inklusionskonzept die Überwindung der in alten Strukturen und Mentalitäten verhafteten Integrationspraxis gemeint ist. Am besten wird dies auf den Punkt gebracht in der Feststellung: "Looking at education through an inclusive lens implies a shift from seeing the child as a problem to seeing the education system as a problem" (UNESCO 2006).
Konnte die UNESCO-Erklärung noch als ein unverbindliches Dokument angesehen werden, verpflichteten sich Bund und Länder mit der Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention im gleichen Jahr völkerrechtlich darauf, die Würde des Kindes und seine Subjektstellung in das Zentrum ihrer Politik zu rücken. Doch im Widerspruch dazu geht das Schulsystem bis heute mit seinen tiefgreifenden Selektionsmechanismen von den Interessen der Institutionen aus und verstößt damit fortgesetzt gegen den völkerrechtlichen Anspruch, vom Kind aus zu denken.
Deutsche Schulverhältnisse
Im angeblich begabungs- und leistungsgerechten System müssen sich Kinder und Jugendliche den bestehenden Schularten anpassen und dort jeweils ihre rechtmäßige Zugehörigkeit durch Erfüllung normativer Leistungsanforderungen unter Beweis stellen. Kinder mit Lernschwierigkeiten und Behinderungen werden durch ein Feststellungsverfahren zu Kindern mit "sonderpädagogischem Förderbedarf" deklariert und nach Förderschwerpunkten kategorisiert. Ihre Integration in das Regelschulsystem ist im Schulrecht der Bundesländer unterschiedlich verankert. In einigen Bundesländern hat die Integration in die Regelschule sogar Vorrang vor der Sonderschule. In der Umsetzung ist Integration jedoch immer noch die Ausnahme, um die Eltern vor Ort meistens noch kämpfen müssen.
Die in diesem Feld engagierten Schulen und Pädagogen werden wenig unterstützt und eher entmutigt. Betroffenen Eltern und Kindern werden ständig fast unüberwindbare Barrieren in den Weg gestellt. Integration hängt ab von der Bereitschaft der Länder, die finanziellen und personellen Ressourcen bereitzustellen. Sie ist in der Regel angewiesen auf die Zustimmung der Schulaufsicht, der Schulträger und der Schulen. Lernzieldifferente Integration stößt nach der Grundschule auf die Grenzen des selektiven weiterführenden Schulsystems. Wegen der zumeist kümmerlichen Ausstattung orientieren sich zunehmend auch Grundschulen an dem Grad der Behinderung und nehmen nur die "leichteren Fälle" auf. Die getrennte Ausbildung der Lehrer/innen und fehlende Fortbildungsangebote zementieren die defizitäre Situation.
Gegen den internationalen Trend werden in Deutschland laut KMK-Statistik 84,3 % der Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Erhebungsjahr 2006 getrennt unterrichtet. Während andere Länder Schülerinnen und Schüler mit Lernproblemen gemeinsam unterrichten, ist der Ausschluss aus dem Regelschulsystem für diese Gruppe in Deutschland so gut wie sicher. Fast 90 % dieser Schüler/innen gehören zur untersten sozialen Schicht. Unsere Schulstrukturen sorgen also perfekt dafür, dass die sozial randständigen Milieus von vornherein ausgegrenzt werden. Deutschland ist Spitzenreiter in der sozialen Exklusion von Kindern mit Behinderungen und sozialer Benachteiligung.
Im Übrigen belegt die KMK-Statistik, dass die Gesamtzahl der integrierten Schüler/innen mit Behinderungen bundesweit nur langsam angestiegen ist. Zudem ist problematisch, dass mit Ausnahme von Schleswig-Holstein trotz der sinkenden Schülerzahl im Regelschulsystem die Zahl der Schüler und Schülerinnen an Sonderschulen nicht gesunken, sondern angestiegen ist. Außerdem sorgt das föderale System dafür, dass die Segregations- bzw. Integrationsquoten höchst unterschiedlich sind. Das Sonderschulrisiko für Kinder mit Förderbedarf ist in Bremen, Berlin, Hamburg und Schleswig-Holstein ungleich geringer als z.B. in den gelobten deutschen "PISA-Ländern" Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg.
NRW: Stagnation und Rückschritt
NRW gehört zu den Bundesländern, in denen die Integration trotz der schulrechtlichen Verankerung des Gemeinsamen Unterrichts von Kindern mit und ohne Behinderungen stagniert. Aus Stillstand droht Rückschritt zu werden. Im ganzen Land werden lediglich 11 Prozent der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Regelschulen integriert unterrichtet. Aber auch im Bundesland selbst gibt es erhebliche Unterschiede. Im Münsterland gibt es "weiße Flecken", während Köln vergleichsweise eine Integrations-Hochburg darstellt. Aber überall werden Integrationskinder spätestens nach der Grundschule ausgebremst. Eltern müssen vor Ort um die Fortsetzung des gemeinsamen Lernens bangen und "Klinken putzen". Der Zwangscharakter der Sonderbeschulung wird dadurch verstärkt, dass unter der neuen Landesregierung den Eltern kein Beschwerderecht mehr gewährt wird. Sie müssen gleich gerichtlich klagen, wenn sie mit der Sonderschulüberweisung nicht einverstanden sind.
Als Modellversuch sollen jetzt "Sonderpädagogische Kompetenzzentren" an den Start gehen. In ihnen werden die in Sonderschulen und im Gemeinsamen Unterricht an Regelschulen tätigen Sonderpädagogen zusammengefasst. In der Zusammenarbeit mit den allgemeinen Schulen sollen Kompetenzzentren darüber entscheiden, welches Kind mit welchem Förderbedarf an welchem Ort gefördert wird. Offenbar möchte die Landesregierung die bestehenden sonderpädagogischen Systeme, Sonderschule und Gemeinsamer Unterricht, in der Hand der Sonderschulen kostensparend zusammenführen. Es ist nicht daran gedacht, dass die Sonderschulen zu Schulen ohne Schüler werden könnten – so ist also für den Erhalt der Sonderschule gesorgt.
Prävention soll angeblich durch die Einrichtung von Kompetenzzentren großgeschrieben werden. Bei den spärlich veranschlagten zusätzlichen Mitteln wirkt die Absicht wenig überzeugend. Und wäre sie wirklich ernst gemeint, dann würde es darum gehen, als erstes die Schulen für besonders benachteiligte Kinder, nämlich die Sonderschulen mit den Förderschwerpunkten Lernen, soziale und emotionale Entwicklung und Sprache, auslaufen zu lassen und die Personalressourcen bedarfsgerecht auf die Grundschulen zu verteilen. So geschehen in Hamburg und ebenfalls geplant in Bremen und Sachsen-Anhalt.
Neue Perspektiven mit der UN-Behindertenrechtskonvention
In der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die am 13. Dezember 2006 von der UN-Vollversammlung beschlossen wurde, ist das Recht auf Bildung für Menschen mit Behinderungen in Artikel 24 im englischen Original eindeutig definiert. Danach sind die Vertragsstaaten völkerrechtlich verpflichtet, das Recht auf Bildung für Menschen mit Behinderungen ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit in einem inklusiven Bildungssystem zu gewährleisten.
Das Ratifizierungsdilemma für die Bundesregierung lag darin, die Zustimmung der KMK und der Bundesländer zu Artikel 24 zu bekommen. Dass die "eine Schule für alle" trotz nachgewiesener Bildungsungerechtigkeit und miserabler Leistungsergebnisse des selektiven Schulsystems nicht das gemeinsame Ziel der 16 Kultusminister in der KMK ist, ist hinlänglich bekannt. Das federführende Bundesministerium für Arbeit und Soziales musste also zu einem Übersetzungstrick greifen, um den Forderungsgehalt der Konvention zu verwässern. So wurde aus "inclusion" im englischen Original in der deutschen Übersetzung einfach "Integration". Der Integrationsbegriff sollte die Konvention anschlussfähig erscheinen lassen an die deutschen Schulverhältnisse.
In dem Vertragsgesetz der Bundesregierung zur Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, das zum 1. Januar 2009 in Kraft tritt, werden die bildungspolitischen Zielkonflikte mit Artikel 24 völlig verwischt durch die Behauptung, es gäbe schon "vielfältige Übereinstimmungen" zwischen den deutschen Schulverhältnissen und dem Menschenrecht auf Bildung der Vereinten Nationen. Politisch wird der irreführende Eindruck erweckt, als ginge es lediglich darum, die Integration von Behinderten in das bestehende Regelschulsystem zu optimieren. Die grundsätzliche Unvereinbarkeit unseres ausgrenzenden und aussondernden Regel- und Sonderschulsystems mit dem Anspruch der Konvention auf vollständige Inklusion oder Einbeziehung und wirksame Teilhabe von Menschen mit Behinderungen wird schlichtweg geleugnet.
Trotz aller Tricks der Politik: Völkerrechtlich gilt uneingeschränkt der englische Wortlaut der UN-Konvention. Behindertenverbände wie die Lebenshilfe und Elterninitiativen in der BAG Gemeinsam Leben – Gemeinsam Lernen fordern jetzt die vollständige Umsetzung der UN-Konvention ein. Sie können sich der Unterstützung all derer sicher sein, die "eine Schule für alle" wollen. 2009 ist die Chance, ein wirksames zivilgesellschaftliches Bündnis pro Inklusion zu schließen.
Zur Person
Brigitte Schumann war 16 Jahre Lehrerin an einem Gymnasium, zehn Jahre Bildungspolitikerin und Mitglied des Landtags von NRW. Der Titel ihrer Dissertation lautete: "Ich schäme mich ja so!" Die Sonderschule für Lernbehinderte als "Schonraumfalle", derzeit ist sie als Bildungsjournalistin tätig.
Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in der Zeitschrift PAEDAGOGIK, Heft 2/2009, S.51-53. Wir danken der Redaktion für die Abdruckgenehmigung. Kontakt:040/454595
Ich bin, als angehender Sonderpädagoge völlig für die Abschaffung der Sonder/Förderschule und stimme dem Artikel daher vollständig zu. Ich möchte darauf hinweisen, dass mittlerweile in einigen Bundesländern Bewegung in die Debatte gekommen ist und auch wirtschaftsfreundliche Stiftungen wie die Bertelsmann-Stiftung mit dem jakob-Muth-Preis für Inklusive Schulen (bei dessen erster Preisverleihung ich mit einer Schülergruppe teilnehmen durfte) anfangen die Grundsteine für ein moderneres Schulsystem zu legen. In der Hansestadt hamburg wird heute (23.02.2010) eine Diskussion stattfinden wie die Konvention umzusetzen ist. Ich möchte auch noch einmal auf meine Seite hinweisen, die sich auch mit diesem Thema auseinandersetzt. Zu finden unter: foerderguide.de/allgeme...vention-inklusion
MfG Fabian Piotrowski
Ich bin Mutter eines I-Dötchens und eines Kiga-Kindes. Inklusion bitte nicht um jeden Preis. Seit der freien Schulwahl können sich Eltern, die gerade finanziell besser gestellt sind die Rosinen an Schulen rauspicken und Ihre Kinder durch die halbe Stadt fahren. Diese Klientel an Eltern fehlt dann aber an den wohnortsnahen Schulen die auch viele Migrationskinder haben. Diese Schulen müßen mit weniger Elternhilfe auf jedem Gebiet rechnen. Die Lehrer werden mit immer mehr Aufgaben betreut, Inklusion, Migration, bitte aber nicht vergessen dass auch Regelkinder gefördert werden müssen und nicht zu kurz kommen sollen. Noch gibt es viel zu große Klassen von fast 30 Kindern und viel zu wenige Lehrer,oft sind die Lehrerstunden ganz knapp kalkuliert, bei Krankheit des Lehrers schon eine Katastrophe. Wenn jetzt noch Inklusion, dann muss sich aber bitte auch das ganze Grundschulsystem ändern,bessere Ausstattung, mehr Gelder für Schulausstattung, mehr Lehrer und bitte kleinere Klassen. Es wäre auch schön wenn die Kinder im Kindergarten besser vorbereitet werden, auch mal stillsitzen lernen und nicht immer nur pädagogisch Wertvoll. Es liegt leider vieles im Argen.Die Schulbetreuung ist auch nicht flexibel genug, entweder 8 - 13.20 Uhr aber ohne Ferienbetreuung, oder Ganztag die ganze Woche mit Ferien. Wo bleiben wir Teilzeitmütter?? Die sich Nachmittags selber kümmern wollen, aber auch eine geregelte Ferienbetreuung brauchen.
Die Abschaffung der Sonder/Förderschulen könnte nicht realitätsferner sein.
Meine Tochter ist 11J., geistig auf dem Stand ca. 2J. - wo könnte sie sich an einer "normalen" Schule einsortieren? Aktuell würde ich gerade mal einem einzigen Kind aus ihrer Klasse geringe Chancen einräumen, mit viel individueller Hilfe dort zurechtzukommen, alle anderen würden wohl daran kaputt gehen.
Inklusion- eine schöne und gute Idee, wenn erst ein Konzept, dann die personellen, baulichen und medialen Voraussetzungen geschaffen würden. Wie so oft wird eine politische Vorgabe in die Schulen gestreut, die dann innerhalb kürzester Zeit, ohne Rahmenvorgaben, ohne vernünftige Konzepte ohne rechtliche Absicherung der Sonderschullehrer, die zwecks Erfüllung der "Inklusion" oder Integration oft sehr weite Wege zurücklegen müssen, um die Kinder mit dem Sonderpädagogischen Förderbedarf zu unterrichten. Die Realität zeigt, dass die integrative Beschulung meist reine Augenwischrei ist. Weder personelle, räumliche und mediale Voraussetzungen für eine sinnvolle und erfolgreiche Förderung sind gegeben. Ein ganz wichter Aspekt sonderpädagogischer Betreuung in Förderschule findet überhaupt keine Beachtung. Ein Großteil der erfolgreichen Arbeit von Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen, ist Erziehungsarbeit. Diese kann in den wenigen Wochenstunden, die ein Förderschullehrer im integrativen Unterricht anwesend ist, überhaupt nicht statt finden. Viele Schüler mit diesem Förderschwerpunkt kommen aus bildungsfernen Schichten und haben aus diesem Grund im Regelschulsystem versagt. Guten Förderschulen gelingt es durch unermüdliche Erziehungsarbeit die Schüler an Bildung und demzufolge auch an bessere Schulleistungen heranzuführen, ihre Persönlichkeiten, ihr Selbstwertgefühl zu stärken, ihre Chancen durch hervorragende Berufsvorbereitung auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu erhöhen. Wie soll das alles im integrativen Unterricht vermittelt werden? Die hochqualifiierten, teuren Sonderschullehrer werden degradiert und je nach Schule in der sie arbeiten, wenn es gut läuft, akzeptiert, im anderen Falle misstrauisch beäugt( da kommen die Besserwisser), beneidet ( die verdienen ja mehr als ich), ignoriert oder im schlimmsten Fall abgelehnt. Auf Kosten der sich bereits im GU bereits befindlichen Schülerinnen und Schüler werden mehr oder weniger erfolgreich Konzepte verfasst, ausprobiert, wieder verworfen. Der Förderunterricht findet zum Teil auf dem Flur statt, weil keine Räumlichkeiten vorhanden sind. Die Medien werden aus den Förderschulen in die Privatfahrzeuge verfrachtet, um überhaupt geeignetes Material zur Verfügung zu haben. Der Wust an konzeptioneller Schreib-und Dokumentaionsarbeit ist so gross, dass kaum noch Zeit für eine vernünftige Unterrichtsvorbereitung bleibt, selbst ,wenn man bis spät in die Nacht am Schreibtisch verbringt. Den Rest der Zeit müssen die Kolleginnen Kollegen im Regelschulsystem mit den oft verhaltensauffälligen Schüler mit den verschiedensten Förderbadarfen alleine klar kommen; ohne entsprechende Ausbildung, Fortbildung oder personelle Unterstützung, in viel zu großen Klassen, mit den Richtlinien im Nacken und dem berechtigten Druck der Eltern von Schülerinnen und Schülern mit "normalem Lernverhalten" oder auch von Hochbegabten, die auch ein Anrecht auf eine entspreche Förderung haben.Erschwerend kommt hinzu, dass kaum noch Sonderschullehrer auf dem Markt sind. Warum machen wir immer den zweiten vor dem ersten Schritt?
Inklusion ja aber unter anderen Bedingungen.
1. Sie ist nicht zum Nulltarif zu haben.
2. In jede Klasse einen Sonderschullehrer zusätzlich, damit alle Kinder davon profitieren können und man als Team eine Klasse leiten kann.
3. Kleinere Klassen
4. Räumliche Voraussetzungen schaffen.
5. Therapieräume schaffen.
6. Erst die konzeptionellen, verbindlichen Rahmenbedingungen schaffen, dann erst die Kinder im Regelschulsystem beschulen.
7.Geeignete Arbeitsmaterialien zur Verfügung stellen.
8. An jede Schule einen Sozialarbeiter.
Wieder einmal ein Beispiel dafür, wie "politisch korrekte" Ideen mit aller Gewalt in die Praxis umgesetzt werden sollen, ohne zu bedenken, welche Auswirkungen so etwas auf die Kinder hat, die als Versuchskaninchen die daraus resultierenden Probleme bewältigen müssen !
Selbstverständlich gehören Kinder mit einer leichten körperlichen Beeinträchtigung auf eine normale Schule - wieso auch nicht ?
Selbst für Rollstuhlfahrer, Seh- , oder Hörbehinderte kann man mit ausreichend finazieller Ausstattung die meisten Schulen so einrichten, dass auch für sie ein nahezu reibungsloser Unterricht möglich ist. Dabei wird es natürlich immer in einzelnen Bereichen Schwierigkeiten geben - so wird es einem von Geburt an Blinden sicherlich schwerfallen, im Fach Kunst seinen Mitschülern zu folgen, einem Tauben, zu musizieren, oder einem Rollstuhlfahrer einen Ausflug in einen Klettergarten zu unternehmen.
Dies sind natürlich keine unüberbrückbaren Hindernisse. Schwieriger ist schon die Frage, ob bei der Mehrzahl an Kindern die soziale Kompetenz groß genug ist, den "Außenseiter" nicht als solchen zu behandeln, ihn/sie zu ignorieren, hänseln, oder sogar intensiv zu mobben. Möge nun bitte keiner behaupten Kinder würden dies nicht tun - eine solche Behäuptung wäre gelinde gesagt Blödsinn !
Krasser wird es, wenn das "Kind mit sonderpädagogischem Lernbedarf" gewalttätig, sexuell schwierig oder anderweitig sehr verhaltensauffällig ist. Damit wird ein normaler Grundschullehrer nicht fertig werden - er ist auch gar nicht dafürm ausgebildet ! Eine Pädagogik mit dem Motto "das ist aber nicht nett von Dir" dürfte wohl nur in wenigen Fällen Wirkung zeigen.
Interessant dürfte auch sein, was ein Lehrer tut, der seiner 3. Klasse das große 1*1 beibringen möchte, wenn einige seiner Schüler nicht in der Lage sind, zweistellige Zahlen überhaupt zu erfassen. Lässt er diese einfach zurück ? Verzichtet er auf das große 1*1 ?
Hat er Zeit und Möglichkeiten, auf jedes einzelne Kind so intensiv einzugehen, dass er es jeweils genau seinen Bedürfnissen gerecht unterrichten kann ?
Das düfte bei mehr als 2 Schülern pro Lehrer nahezu unmöglich sein - zumindest wenn sie in ihren intellektuellen Fähigkeiten weit auseinander liegen !
Ich könnte noch seitenweise weitere Probleme aufzeigen - was passiert, wenn es zu Streit zwischen Behinderten und nicht Behinderten kommt ? Wer bekommt die Schuldzuweisung ? Wie reagieren Kinder, die sich anderen gegenüber stets als weniger beachtet fühlen müssen ?
Und, und, und ......
Doch das würde den Rahmen eines normalen Kommentars sprengen.
Daher noch meine abschließende Frage:
Sollen die Paralympics auch abgeschafft werden, damit niemand diskriminiert wird und starten dann einbeinige Läufer neben dem aktuellen 100-Meter Weltrekordler ?
Wer dagegen ist, muss eigentlich auch gegen eine Inklusion um jeden Preis, bzw. ohne jegliche Grenzen sein !
Ich bin dafür das die Förderschulen abgeschafft werden, es ist nur ein abschieben von benachteiligten Kindern in die Sonderschulen! Wir sind zu einer Gesellschaft geworden die nur noch funktionieren muß und dazu gleichzeitig mehrfache Leistungen erbringen soll. Unsere Kinder die in anführungsstrichen nicht so normal sind wie die anderen Kinder fallen da automatisch raus, passen nicht ins System.
"Schwache Kinder lernen von starken Kindern, und starke Kinder können auch von schwachen Kindern lernen."
Inklusion ist ideologische Augenwischerei - "animal farm". Behinderungen ab einem bestimmten Grad sind nicht mehr inklusionsfähig.
Ich bin Erzieherin in einer Förderschule für "Geistige Entwicklung". Ich erlebe durch den hervorragenden individuellen Unterricht jeden Tag, wie toll unsere Schüler sich entwickeln. Ja, tatsächlich. Das ist an einer Förderschule möglich!
Ich gebe zu bedenken,dass sogar bei uns in einer Klasse mit 8 unterschiedlich schwer behinderten Schülern auch kein (Frontal-)Unterricht für alle Schüler möglich ist. Sogar an unserer Schule werden die Schüler innerhalb einer Klasse nochmal individuell gefördert! Es gibt Schüler, die können mittlerweile einigermaßen schreiben, lesen und auch rechnen. Es gibt aber auch - viel mehr! - Schüler, die können es nicht und sie können es aufgrund ihrer geistigen Behinderung auch nicht lernen. Und hier beginnt meiner Ansicht nach die Akzeptanz der "Gesellschaft"!Es ist okay, etwas nicht können zu können und es aufgrund genetischer Veranlagungen o.ä. auch nicht ändern zu können!
Ich bekomme Bauchweh bei dem Gedanken, das "meine" Schüler die Inklusion auf ihrem Rücken austragen sollen.
Inklusion wird begründet mit dem Argument, "die Gesellschaft sondere Schüler mit Handicaps aus". Es ist an der Zeit zu erkennen und anzuerkennen, dass wir NICHT alle gleich sind. Jeder hat ein Recht darauf, ANDERS zu sein und dieses Andersein leben zu dürfen.
Die behinderten Schüler sondern sich nicht selber aus, sie werden ausgesondert. Aber ganz sicher nicht, weil sie statt einer Regelschule eine Sonderschule besuchen, die ihren individuellen Lernmöglichkeiten gerecht wird!
Wie wäre es denn, wenn die "Gesellschaft" dieses Bild in sich einmal gerade rückt und aufhört, Andersein zu NEGATIVIERN und zu BEWERTEN? Ausgrenzung beginnt in vielen anderen Bereichen! Wer glaubt denn ernsthaft daran, dass dieses Denken aufhört, nur weil es mal wieder einen neuen Erlass gibt? Die Gesellschaft müsste mal ganz tief in sich gehen.
Unsere Schüler sind so wie sie sind und sie sind wunderbar - mit all ihren individuellen Schwächen und Stärken. Sie haben ein RECHT darauf, in dem Maß gefördert zu werden, wie sie es brauchen! Und sie haben ein RECHT darauf, sich in einem Umfeld, in dem sie an 5 Tagen in der Woche mit täglich 8 Stunden lernen und sich bewegen, wohl und sicher zu fühlen.
Mal ehrlich: Jeder Mensch, der alleine entscheiden kann, welchen Gruppen er sich anschließen möchte, wird jene wählen, in denen er sich "gleich" fühlt - auf welche Weise auch immer. Seien es gleiche Interessen, eine ähnliche Art zu denken, zu empfinden etc. Wer hat das Recht, den Schülern mit Behinderungen den Raum zu nehmen, in dem sie sich in ihrem Tempo entfalten dürfen? Einen Raum, in dem sie "richtig" und vollkommen sind so wie sie sind?
Wer sorgt denn bitte dafür, dass die Schüler an den Regelschulen entsprechend vorbereitet und "geimpft" werden in Bezug auf das, was in Folge der Inklusion von ihnen abverlangt wird? Wer sorgt dafür, das in den Regelschulen plötzlich keine Ausgrenzung, kein Verspotten, kein Mobbing etc. mehr stattfindet, wenn in mitten der sogenannten Regelschüler 5 oder mehr Schüler mit unterschiedlichen geistigen Behinderungen sitzen?! Es haben doch in der heutigen Zeit an Regelschulen schon Schüler zu leiden, die nun gerade mal nicht die angesagte Klamotte, den angesagten Haarschnitt oder das angesagte Handy haben?
Wer glaubt, dass da nun Rücksichtnahme zum obersten Gebot wird, nur weil plötzlich Inklusion passiert, irrt sich gewaltig.
Man muss sich auch Folgendes überlegen: Was geschieht mit all den behinderten Schülern - und ich rede NICHT von einer (leichten) Lernbehinderung! - , die dann jahrelang in einer Regelschule gesessen haben und aus der Schule entlassen werden? Wo ist dann der entsprechende Arbeitsmarkt? Regelschule kann auch keine Wunder vollbringen!Es würde lediglich bedeuten, die sogenannte "Aussonderung" wurde lediglich um paar Jahre nach hinten verschoben. Und dann???
Der Großteil unserer Schüler geht irgendwann in die Werkstatt für behinderte Menschen, denn alles andere ist in aller Regel UNREALISTISCH - auch, wenn es immer wieder tolle Ausnahmen einer Vermittlung auf den öffentlcihen Arbeitsmarkt gibt.
Es werden immer wieder Beispiele gebracht, wie wunderbar es in anderen Ländern wie z.B.Italien funktioniert. Ja, da werden Kinder mit LEICHTER Lernschwäche gemeinsam mit anderen nicht behinderten Kindern unterrichtet. Das ist auch hier zu Lande kein Problem und wird - Gott sei Dank - bereits umgesetzt. Aber was ist mit all den anderen, die wesentlich mehr gehandicapt sind? Diese Kinder werden dort gar nicht unterrichtet - die werden nämlich zu Hause "verwahrt". Da klappt Inklusion wirklich ganz hervorragend!
Noch ein weiterer Punkt ist interessant: In den letzten Jahren hat sich unser Schülerklientel stark verändert. Es kommen im Laufe eines Schuljahres immer wieder sogenannte "Quereinsteiger" zu uns, die bereits auf einer Regelschule waren und dort für die Lehrer nicht mehr tragbar und unterrichtbar waren. Warum? Ja, nicht weil sie die Diagnose irgendeiner geistigen Behinderung hatten, sondern weil sie in ihrem Sozialverhalten außerordentlich auffällig und gestört waren oder für die Regelschule nicht auffangbare emotional - soziale Defizite aufwiesen...
Also,in diesem Sinne: Demnächst keine Förderschulen für Kinder mit (schweren) geistigen Behinderungen mehr, dafür aber welche für sozial und emotional auffällige, zerrüttete, verstörte und gewaltätige Kinder und Jugendliche!
Ich bin Heilpädagogin und denke, es ist Zeit,daß aufgrund der UNKonvention endlich Bewegung in diese festgefahrenen Systeme kommt!
Es wird Zeit, daß Kinder mit Behinderungen in die Regelschule kommen. Viel zu oft erlebe ich, daß die Kinder , die eine Sonderschule besuchen in ihrem Wohngebiet keinerlei Spielmöglichkeiten haben, einfach weil sie keine anderen Kinder kennen, sie sind der permanenten Ausgrenzung ausgesetzt, die sich durch ihr gesamtes Leben zieht, eingeschlossen der Berufsausbildung usw.
Allerdings denke ich auch, daß sich die Schullandschaft dadurch verändern muß.
Leider haben sich das einige Parteien zwar auf die Fahnen geschrieben, aber an einer tragfähigen Konzeption dafür mangelt es. Ich sehe bei der Umsetzung an verschiedenen Schulen immer nur Stückwerk, höchst mangelhaft umgesetzt.
Betroffene Eltern und Kinder sind überhaupt nicht informiert und jede/r Schulleiter/in hofft, daß bei ihm/ihr kein Kind mit Behinderungen angemeldet wird. Wenn ja, läuft alles als "Modellversuch" um sich juristisch abzusichern. Wie ich finde ein politischer Skandal, vor allem wenn man sich vor Augen führt, wann dies Konvention von Deutschland ratifiziert wurde!
Die Schule der Zukunft soll/darf/muß völlig andere Strukturen und Unterrichtsmöglichkeiten haben, mit den heute vorhandenen Schulen nicht zu vergleichen.
Und vielleicht/hoffentlich öffnet sich dieses geschlossene System endlich auch nach außen.
Ich denke dann wären wirklich gute Voraussetzungen für ALLE Kinder gegeben.
Ich schließe mich meiner Vorrednerin/-schreiberin an! Es wird allerdings höchste Zeit, endlich eine Schule für alle zu gestalten. Ich verstehe den Unmut, der von einigen von euch geäußert wurde, allerdings steckt dahinter meiner Meinung nach auch eine Verkürzung des Verständnisses von Inklusion, wie es eigentlich angelegt sein sollte: Da geht es nämlich darum, eben gerade die Verschiedenheit der Menschen anzuerkennen und wertzuschätzen und das impliziert, wenn man es mal bis zur einzelnen Grundschule durchdenkt, dass der herkömmliche Unterricht (im Sinne von "Frontalunterricht") und die in den Schulen vorherrschenden Strukturen dazu nicht gerade die besten Voraussetzungen mitbringen. Inklusion bedeutet hier nicht "Jetzt setz ich mal Lernbehinderte, "Regelkinder", Verhaltensauffällige etc. in eine Klasse und lasse alles beim Alten" --> Das würde zwangsläufig für alle einen Schuss in den Ofen bedeuten. Inklusion kann also nur gelingen, wenn man sie gleichzeitig als Veränderung unseres zementierten Schulsystems versteht. Das bedeutet:
1. Individualisierung und Differenzierung des Unterrichts. Jedes Kind kann und soll aufgrund der Voraussetzungen, die es mitbringt, gefördert werden. Pädagogisch gesagt "Die Kinder dort abholen, wo sie stehen".
2. Dies gelingt natürlich nicht, wenn ein einzelner Lehrer für eine Klasse von 25 und mehr Schülern verantwortlich ist. Team-Teaching von Sonderpädagogen und GS-Pädagogen, sowie der Einbezug von Hilfen von außen wären also angezeigt.
3. Auch die Lernumwelten, die Leistungsbewertung etc. sind von diesen Umbrüchen notwendigerweise betroffen: Auch hier heißt es, die Schule muss so gestaltet werden, dass sie allen Schülern optimale Lernvoraussetzungen bietet. Wenn das bedeutet, dass viel Geld und Aufwand in Materialbeschaffung etc.pp. gesteckt werden müsste, dann ist definitiv die Bildungspolitik gefragt. Es kann ja nicht angehen, dass "tolle" Schulen zwangsläufig nur für privilegiertere Menschen bezahlbar sind und wir somit die Schere noch weiter öffnen.
Noch etwas, denn ich denke, dass ich hier ein paar grundlegende Gedanken angedeutet habe, die ich mit Inklusion verbinde: In der Diskussion um "Inklusion-ja oder nein?" drängt sich mir oft der Eindruck auf, dass es hier auch viel darum geht, dass
1. die Beteiligten eine kleinbürgerliche Angst davor zu haben scheinen, dass durch GU die Guten nur schlechter werden können (ich weiß, dass alle nur das beste für ihr Kind wollen!). Es gibt allerdings Studien, die das genaue Gegenteil beweisen: Schwächere Kinder aus heterogenen Lerngruppen zeigen bessere Leistungen, stärkere Kinder bleiben stark und ihre soziale Kompetenz ist besser, als wenn sie in einer "homogenen" Lerngruppe sind.
2. Der Diskurs zwischen Sonderpädagogen, Erziehern etc. und Regel(Grund)schullehrern scheint auch ein wenig von der Sorge geprägt zu sein, dass sich keiner die Butter vom Brot nehmen lassen will.... Dabei geht es doch in allererster Linie um die Kinder! Und wem das zu ideologisch erscheint: Bereits oben habe ich ja geschrieben, dass meiner Ansicht nach INklusion nur funktioniert, wenn die bisher in ganz verschiedenen Schulen tätigen Lehrer sich zusammentun und ihre Kompetenzen teilen. Als positives Beispiel könnte man gerade in diesem Zusammenhang Schweden nennen, bei denen dieses Vorgehen seit Jahren gang und gäbe ist....
Danke für diesen interessanten Beitrag und eure weiteren Kommentare - sehr spannend, die Sache aus verschiedenen Blickwinkeln kennenzulernen (auch das ist übrigens ein Anliegen inklusiver Schulen: Verschiedenheit sichtbar machen, Kinder durch Perspektiverweiterung lernen lassen und nicht EINE "richtige" Meinung von oben vorgeben!).
Viele Grüße,
Alibi
Ich studiere Rehapädagogik und bin sehr wohl der Meinung das Inklusion möglich ist. Bei mir in den Vorlesungen sitzen zum Beispiel ein Rollifahrer und zwei Hörgeschädigte und keiner hat erstens ein Problem damit udn zweitens haben wir zwei gehörlosen Dolmetscherinnen bei uns in den Vorlesungen.
Das einzige Problem meiner Meinung nach, sind die Eltern von gesunden Kindern, die null tolerant sind und sich gegen alles weigern, wobei die meisten Kinder vielmehr von Inklusion profetieren, und die Leute die sich strikt an die deutsche Bürokratie halten halten wollen und nicht nachdenken.
Viele
Karie
Gut dass hier eine Diskussion zum Thema geführt wird, die ist absolut notwendig! Im Bezug auf die Anmerkung etwas weiter oben, dass Regelkinder ja auch noch Förderung brauchen: Ja, absolut richtig. Aber genau das meint der Inklusionsgedanke ja auch! Inklusion ist nicht nur für Menschen mit Behinderung! Und Inklusion ist auch kein anderes Wort für Integration! Hinter dem Begriff und dem Anspruch steckt sehr viel mehr. Nachzulesen bei Andreas Hinz, Ines Boban, Hans Wocken,etc.
Inklusion bedeutet, dass jeder Einzelne (nicht nur Schüler) da abgeholt wird, wo er steht. Und das erfordert zu aller erst gravierende Änderungen der Systeme durch die Systeme. Z.B. müssen Schulen sich für zieldifferentes Lernen öffnen und die Illusion der Aussortierung aufgeben - und zwar alle. Halbherzige "Auch-" Inklusionsangebote, wie sie sich momentan anbahnen sind definitiv nicht im Sinne der UN Behindertenrechtskonvention.
Hier noch ein sehr hilfreicher Link für Interessierte:
Gruß Joe
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