Schindler: Die Grundschulen sind verantwortlich
Interview mit dem Berliner LEA-Vorsitzenden in der taz
Mehr zu: Berlin, Bildungschancen, Gemeinschaftsschule, Grundschule, Hauptschule, Schulstruktur, Schule(redaktion) Kein Grundschüler dürfe die Schule mehr mit einem schlechteren Notenschnitt als 2,5 verlassen. Und Senator und Grundschulen müssten dies garantieren, erklärt der Vorsitzende des Landeselternausschusses Berlin André Schindler heute im Interview mit Christian Füller in der taz. Laut Schindler wäre dies ein probates Mittel, um die Hauptschulen abzuschaffen.
Schindler, der die vom rot-roten Senat geplanten Schulreformen und die Einführung von Gemeinschaftsschulen kritisch und pressewirksam begleitet, verwahrt sich in dem Interview gegen den Vorwurf, er würde lediglich den Willen der bildungsbürgerlichen Eltern vollziehen, die ihre eigenen Kinder nicht zusammen mit Hauptschülern in einer Schule wissen wollen.
Er vertrete alle Eltern, "egal, aus welcher sozialen Schicht sie kommen und egal, ob sie einen Migrationshintergrund haben", und könne sich, so erklärt er abschließend, "durchaus anfreunden mit dem Gedanken, dass Hauptschulen überflüssig werden".
Prinzipiell gebe ich Herrn Schindler mit seiner Aussage völlig Recht, sofern er mit seiner Aussage meint, dass kein Kind mit einem tatsächlichen Notenschnitt unter 2.5 aus der Grundschule kommen müsste. Leider wird eine solche Forderung jedoch eher dazu führen, dass der Notenschnitt künstlich angehoben wird, anstatt dass sich dadurch an der Förderung der Kinder etwas ändert. Problem ist auch hier wieder, dass die Lehrer i.d.R. gar nicht in der Lage sind, die Schüler individuell zu fördern um den gewünschten Schnitt zu erreichen. In der Lehrerausbildung fehlen massive Bausteine, um gerade den förderwürdigen SchülerInnen optimal zu begegnen. Bei entsprechender Schulung wären die Lehrräfte vielfach besser in der Lage, dieses Wunschziel zu erreichen. Ich selbst behaupte seit längerem, dass es mit ganz wenigen Ausnahmen kein Kind in der Grundschule geben müsste, dass den Übertritt auf das Gymnasium nicht schaffen kann. Wenn wir Lehrer aber weiterhin in unserer Ausbildung derart wissenschaftlich arbeiten müssen und als Grundschullehrer ein Hauptfach studieren (nachdem wir in der Schule dann doch alle Fächer gleichwertig unterrichten sollten), und z.B. in Mathematik Integrale berechnen und beweisen müssen, in Deutsch oder Englich Literaturwissenschaft studieren und dergleichen, anstatt ausreichend über Lernschwierigkeiten, Lernmethodik, Lernbehinderungen, Motivationstechniken, oder einfach nur fehlerfreies Deutsch informiert zu werden, wird sich an der Qualität von Grundschule nicht viel ändern.
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