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Zentral-Abi: Staatssekretär beeinflusst Aufgabenstellung

Prüfinglinge sollten durch Merkel-Aufgabe nicht "politisch beeinflusst werden"

Mehr zu: Nordrhein-Westfalen, Politische Bildung, Zentralabitur, Schule
09.05.2009 -

(redaktion) Während der Philologen-Verband noch den reibungslosen Ablauf des Zentralabiturs in Nordrhein-Westfalen lobte, lag bereits das nächste Problem auf dem Tisch. Diesmal ging es allerdings nicht um fehlerhafte Klausuraufgaben, vielmehr sah sich Günter Winands, Staatssekretär im Schulministerium, veranlasst, gegen eine Aufgabe im Grundkurs Sozialwissenschaften einzuschreiten. Dort sollten die Schüler einen Redetext von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) analysieren.

In der Rede, die die Kanzlerin Herbst 2007 vor der Uno-Generalversammlung gehalten hatte, ging es um Globalisierung, Klimaschutz und die zentrale Rolle, die Europa dabei spielen werde. Aber Günter Winands verhinderte, dass sich die Abiturienten mit dieser Rede auseinandersetzen konnten. Er ließ den Text durch die Aufgabenkommission kurzerhand durch einen anderen ersetzen. Nun durften die Schüler sich mit einen fünf Jahre alten Vortrag von Ex-Kanzler Helmut Schmidt (SPD) beschäftigen.

Klar, dass diese Entscheidung nicht ohne anschließenden Ärger verlief. Winands habe "in unsäglicher Weise Einfluss auf die Abiturfragen" genommen, werden die Grünen in der Rheinischen Post zitiert. Sie forderten außerdem den Rücktritt des Staatssekretärs. Und Ex-Schulministerin Ute Schäfer (SPD) verlangte eine schleunige Aufklärung des Vorfalls. Über die Motivation Winands gibt es unterschiedliche Darstellungen. Der Staatssekretär muss sich nun der Kritik aussetzen, er habe Merkels Text als "für den Wahlkampf der CDU schädlich" eingeordnet. Er erklärt aber genau das Gegenteil, nämlich, er wollte sich nicht vorwerfen lassen, das Ministerium habe im Wahlkampf die Prüflinge mit einer Rede der Kanzlerin politisch beeinflussen wollen.

Nach den Pannen aus dem Vorjahr, als unlösbare Fragestellungen zu Wiederholungen der Prüfungen führte, hatte Schulministerin Barbara Sommer (CDU) einen Abi-TÜV eingeführt. Die Aufgaben zum diesjährigen Zentralabitur wurden deswegen von einer Expertenkommission unter Dortmunder Schulforscher Wilfried Bos kontrolliert. Dafür hatte das Ministerium rund eine halbe Million Euro ausgegeben. Aus dem Umfeld der Expertenrunde kommt nun auch deutliche Kritik an Winands Vorgehnsweise. Eine derartige politisch motivierte Einflussnahme habe man sich vorstellen können, berichtet der WDR. Man durchleuchte nicht Hunderte von Aufgaben auf ihre Korrekt- und Angemessenheit, um dann aus derartigen Motiven "zurückgepfiffen zu werden", wird ein Kommissionsmitglied zitiert.

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