"Schülerwettbewerbe sind ein gutes Spielfeld für das spätere Berufsleben"
Interview mit DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde zum Finale von Jugend forscht
Mehr zu: Außerschulische Lernorte, Berufsorientierung, Interviews, Jugend forscht, MINT-Fächer, Naturwissenschaften, Stiftungen, Wettbewerbe, Sonderthemen(redaktion) Morgen beginnt in Osnabrück das Finale zum diesjährigen Bundeswettbewerb von Jugend forscht. Vier Tage lang werden 200 Jugendliche mit insgesamt 107 Projekten um den Sieg bei einem der bekanntesten Bundeswettbewerbe kämpfen. Diesjähriger Bundespate des Schülerwettbewerbs ist die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), die ihren Sitz in Osnabrück hat. DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde erläutert im Interview mit bildungsklick.de, welche Rolle Schülerwettbewerbe für die Teilnehmer haben, aber auch wie diejenigen gefördert werden können, die sich diesen Exzellenzwettbewerben nicht stellen.
Herr Dr. Brickwedde, die DBU, die Sie leiten, ist der diesjährige Bundespate von Jugend forscht, das heißt, die DBU ist mehr als ein Gastgeber?
Fritz Brickwedde: Der Bundeswettbewerb ist das große Finale eines insgesamt dreistufigen Wettbewerbs, der auf regionaler Ebene beginnt, sich dann über den Landeswettbewerb fortsetzt, um dann im Bundesfinale zu enden. Die DBU fördert in vielerlei Hinsicht junge Menschen in Hinblick auf eine Stärkung der Akzeptanz der sog. MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Mit diesem großen öffentlichkeitswirksamen Finale hoffen wir, viele Jungforscher, die sich bisher noch nicht zu Jugend forscht angemeldet haben, für diesen großartigen Wettbewerb zu gewinnen. Wir verstehen unsere Rolle als Gastgeber in dem Sinne, dass wir Osnabrück mit seinen vielen bunten Facetten gegenüber Jugend forscht gut vertreten wollen und zugleich für die Förderung des Nachwuchses in Naturwissenschaften und Technik sorgen.
Was verbindet Jugend forscht und die DBU?
Fritz Brickwedde: Jugend forscht und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt sind seit vielen Jahren eng miteinander verbunden. Das zeigt sich darin, dass wir in der Vergangenheit verschiedene Forschungscamps für Jugend forscht finanziert haben. Das zeigt sich aber auch darin, dass wir einen der Sonderpreise speziell für umwelttechnische Arbeiten auf allen drei Wettbewerbsebenen fördern. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt ist außerdem im Kuratorium von Jugend forscht vertreten. Auch der hiesige Regionalwettbewerb wird dadurch unterstützt, dass Mitarbeiter der DBU dort ehrenamtlich als Juroren tätig sind und wir in den vergangenen Jahren intensiv an einerverstärkten und tragfähigen Vernetzung verschiedener Akteure gearbeitet haben, damit Jugend forscht in unserer Region noch intensiver und dauerhafter verankert ist.
Die DBU – so heißt es - fördert innovative beispielhafte Projekte zum Umweltschutz. Sie unterstützen in diesem Rahmen auch Schul- und Kindergartenprojekte. Mit welcher Zielrichtung?
Fritz Brickwedde: Im Grundsatz geht es immer wieder darum, Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, dass Natur und Umwelt in jeglicher Hinsicht die Grundlage für ein vernünftiges und zukunftsträchtiges Miteinander und damit unbedingt schützenswert sind. Nur wenn die Belange der Natur im ausgewogenen Verhältnis zu den ökonomischen und sozialen Anforderungen stehen, werden langfristig tragfähige Perspektiven entstehen. Dieses muss früh gelernt und vermittelt werden. Das versuchen wir mit einer Vielzahl von Umweltbildungsprojekten, die auch mit ganz unterschiedlichen Projektpartnern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft durchgeführt werden.
Das mangelnde Interesse an den sogenannten MINT-Fächern wird allenthalben beklagt. Meinen Sie, dass Aktionen wie Jugend forscht oder DBU-Schülerwettbewerbe das Interesse der Schüler und Schulen an Mathematik und Naturwissenschaften nachhaltig wecken und fördern können?
Fritz Brickwedde: Die Teilnehmerzahlen für sich sprechen eine deutliche Sprache. In diesem Jahr waren über 10.000 Schülerinnen und Schüler bei Jugend forscht angemeldet. Auch der DBU-Schülerwettbewerb "Entdecke die Vielfalt" wird erfreulicherweise gut angenommen. Dennoch können natürlich Wettbewerbe alleine den beklagenswerten Interessen-Mangel an "MINT-Fächer" nicht ausgleichen. Es bedarf hier vieler Anstrengungen und Angebote. Vielleicht hat das auch etwas damit zu tun, dass wir in unserer Gesellschaft in den letzten 20 bis 25 Jahren vergleichsweise technikfeindlich eingestellt waren, stets die Risiken zuerst gesehen und uns dann erst mit den Chancen auseinander gesetzt haben. Wenn in einer Gesellschaft ein vernünftiges Klima für Innovationen herrscht, dann wirkt sich das auch auf die nächste Generation aus. Als rohstoffarmes Land müssen wir in Köpfe investieren.Alle Aktivitäten, die zu einem verstärkten Interesse an den sogenannten MINT-Fächern führen, sind daher herzlich willkommen. Die DBU wird bei der Unterstützung dieser Projekte ihren Beitrag leisten.
Welche Erfahrungen hat die DBU mit Schülerwettbewerben gemacht?
Fritz Brickwedde: Schülerwettbewerbe sind ein bewährtes Instrument, wenn es darum geht, junge Menschen eigenverantwortlich an ein Thema heranzuführen, das sie nach Möglichkeit im Team bearbeiten und anschließend vor einer Fachöffentlichkeit präsentieren müssen. Durch das eigenständige Erarbeiten und Erfahren, wie man selber Wissen generiert, wird die Neugier wach gehalten. Durch die Zusammenarbeit im Team lernt man sich auf seine Stärken zu fokussieren und bei Bedarf auch einmal zurückzunehmen. Teamfähigkeit ist heute eine ganz besonders wichtige Eigenschaft im Berufsleben. Die Präsentation von Ergebnissen wird ebenfalls zunehmend wichtiger, denn man muss die Ergebnisse und die daraus abgeleiteten Botschaften für Zielgruppen, die erreicht werden sollen, verständlich und nachvollziehbar aufbereiten. Von daher sind Schülerwettbewerbe für Jugendliche ein gutes "Spielfeld", um wichtige Eigenschaften für das spätere Berufsleben auszuprobieren und zu testen.
Wird die DBU ihr Engagement in Sachen Schule und Bildung in den kommenden Jahren ausbauen?
Fritz Brickwedde: Ich verwies vorhin bereits auf das Engagement der DBU für Jugend forscht in der Region. Hier steht unser Angebot für eine weitere Kooperation. Aber man muss stets bedenken, dass Jugend forscht und auch viele andere Jugend- und Schülerwettbewerbe "Exzellenzwettbewerbe" sind. Dort werden Jugendliche angesprochen bzw. betreut, um deren spätere berufliche Entwicklung man sich keine zu großen Sorgen machen muss. Auffallend ist, dass wir in den letzten Jahren aber eine steigende Anzahl von jungen Menschen haben, die aus dem "gesamten Bildungsbetrieb" aussteigen bzw. herausfallen und den künftigen Anforderungen des Arbeitsmarktes nicht gewachsen sein werden. Hier muss eine deutliche Verstärkung und Unterstützung erfolgen. Wir dürfen diese Jugendlichen nicht aufgeben, sondern müssen versuchen, ihnen einen für sie gangbaren Weg zurück in das Bildungssystem zu zeigen. Auch hier ist die DBU engagiert und wird es in den kommenden Jahren auch bleiben.
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