Berlin bekommt zweigliedriges Schulsystem
Senat beschließt Einführung der Sekundarschule
Mehr zu: Berlin, Elternwille, Gesamtschule, Gymnasium, Hauptschule, Individuelle Förderung, Realschule, Schulentwicklung, Schulstruktur, Sekundarschule, Schule(redaktion/pm) Künftig soll es in Berlin – als einem der ersten Bundesländer – nur noch zwei Schularten geben: die neue Integrierte Sekundarschule und das Gymnasium. In seiner heutigen Sitzung hat der Senat auf Vorlage des Senators für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner, dem Gesetzesentwurf für die Umwandlung des bisherigen dreigliedrigen in ein zweigliedriges System zugestimmt.
"Dies ist ein großer Fortschritt für das Berliner Schulsystem," erklärte Senator Zöllner. "Die Abschaffung der Hauptschule und der Schritt in die Zweigliedrigkeit werden vorbildhaft für die Bildungslandschaft in Deutschland werden."
Beide verbleibenden Schularten sind gleichwertig, wenn auch nicht gleichartig. Wird an Gymnasien das Abitur nach zwölf Jahren abgelegt, so ist für Sekundarschulen das Abitur nach zwölf oder 13 Jahren vorgesehen. Verstärkt wird in der Sekundarschule der leistungsdifferenzierte Unterricht und die individuelle Förderung. Alle Sekundarschulen werden zu Ganztagsschulen. Der Schulunterricht wird ergänzt um weitere Bildungsangebote bis in den Nachmittag. Zusätzlich soll die Ausstattung der bisherigen Haupt- und Realschulen erheblich verbessert werden. So erhalten Schulen Mittel für Erzieherinnen und Erzieher, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter und zusätzliche Lehrerstellen. Die Ausstattung orientiert sich an den Berliner Gesamtschulen, die bereits als Ganztagsschulen organisiert sind.
An Integrierten Sekundarschulen können künftig alle Schulabschlüsse bis zum Abitur abgelegt werden. Um allen Schülerinnen und Schülern einen guten Übergang in die Ausbildungswelt zu ermöglichen, bieten Sekundarschulen das "Duale Lernen" an. Das ist ein stark praxisorientierter Unterricht in Werkstätten und in Kooperation mit Unternehmen. Die Klassenstärke an Sekundarschulen orientiert sich an der pädagogischen Richtgröße von 25 Schülern, an Gymnasien sind es 29.
Der Senat regelt in dem Entwurf den Übergang von der Grundschule auf die Gymnasien und die Integrierten Sekundarschulen. Ausschlaggebend für die Wahl der Schulart ist der Wille der Eltern und des Kindes. Jedes Kind, das ein Gymnasium besuchen möchte und die schulischen Voraussetzungen besitzt, wird auf ein Gymnasium gehen können. Neu ist: In 70 Prozent der Fälle entscheiden die Schulleiter über die Aufnahme in einem Verfahren, das an Leistung, Schulprofil und Härtefallregelungen orientiert ist. Sollte in einzelnen Fällen die Nachfrage die Aufnahmekapazität übersteigen, können bis zu 30 Prozent der Schüler über ein Losentscheid einen Platz an der Schule ihrer Wahl finden. Für die Schulwahl entfällt das Wohnortprinzip.
Der Entwurf sieht eine Verlängerung der Probezeit in der 7. Klasse von einem halben Jahr auf ein Jahr für den Verbleib auf einem Gymnasium vor.
Berlin ist die Stadt des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB). Dessen Gründungsdirektor hieß Hellmut Becker. Seine Mitarbeiter berichten: "Hellmut Beckers zentrales politisches Motiv war die Zerstörung des Deutschen Gymnasiums, für dieses Ziel hat er alle wissenschaftlichen Argumente instrumentalisiert."
Berlin hat heute einen gewaltigen Schritt in die Richtung der Politik Beckers gemacht. Der Fanatismus der Gegner des Bildungsbürgertums kennt keine Grenzen. Letztere nehmen sogar die Entschulung der Gesellschaft dafür in kauf.
@ Herr Böhm: Bildungsbürgertum bezieht sich qua Definition eben auf "die Bürger", gleichsam ist es also als sämtliche BürgerInnen einbeziehend zu verstehen. So geht es folglich nicht um eine "Entschulung" der Gesellschaft, sondern um faire Bildungs- und Zukunftschancen für alle.
Darüber hinaus vermittelt aber eben diese Zusammenlegung von Haupt - und Realschule keine Vision einer gemeinsamen (humanen) Schulzeit. Als Abbild unserer dual gespaltenen Gesellschaft allerdings stellt sie eine ideale Analogie für spätere Elite-Forschungen dar ...
Unsere Pisa Studien sprechen für sich. Wir haben ein Defizit an Lehrkörpern, Erzieher im Hort sind Mangelware und diese Menschen sind hoffnungslos überlastet. An unserer derzeitigen Schule sind die Zustände schon jetzt gespannt. Elternversammlungen werden nur noch schleppend besuch. Die meisten flüchten sich in Private Schulen, sofern es finanziell geht. Wie soll das denn enden? Es gibt starke und schwache Schüler. Wenn alle zusammen gefercht werden, hat das nichts mehr mit "Gerechtigkeit" zu tun. Es wird ein klaffendes Loch in den Klassen geben, weil der Lehrer ehemale Haupt und Realschüler lehren muss. Die Schwächeren werden hier auf der Strecke bleiben, da bin ich mir sicher. Wer bekommt denn einen Ausbildungsplatz? Schon mal in der Zeitung/Internet gesehen: wir nehmen auch Hauptschüler?? Wohl eher nicht, Abiturienten sind gefragt, am besten mit nem numerus Clausus! Dieses neue System ist eine volle Degradierung der Kinder / Schüler, die gerade noch in der Mittelschicht des Lernens waren. Aber es geht hier ja nur um die Zukunft unserer kinder. Da muss halt Geld eingespart werden, Gebäude brauchen nicht saniert zu werden, keine neuen Lehrkräfte eingestellt zu werden. Am besten ist es veilleicht, wenn die Schüler alle zusammenwürfeln, von der 1. bis zur 12. Klasse und einen Lehrer hinter das Pult stellen, so lieber Senat kann man viel Geld sparen, oder???
Ich begrüße diesen Schritt der Schulpolitik, denke aber, dass das verbliebene Gymnasium die
Gesellschaft noch weiter spalten wird, weil dort die familiär sozial und materiell bevorzugt sozialisierte Schülerschaft durchschnittlich blind und ohne ihr Zutun borniert gegenüber breiter Bevölkerungsschichten und gegenüber Erfordernissen einer gesellschaftl. Integration
bleibt, sondern sich mehrheitlich leider vielmehr zur Verteidigung ihrer bevorzugten Lebensbedingungen (auch unbewusst) aufgerufen
fühlen wird - d.h. die gesellschaftl. Spaltung noch Generationen lang perpetuieren wird.
Der ständige Streit um das praktizierende Schulsystem unserer Politiker und der sogenannten"Schulexperten" zeigt eigentlich das es in keinem Fall um die Schüler geht. Es geht immer um die "Expertensucht" sich selbst ins Gespräch zu bringen, keine Gelegenheit auszulassen sich zu profilieren. Unsere Schüler brauchen ein System in dem sie sich das zukünftig notwndiges Wissen aneignen können. Dabei darf die soziale Herhunft und der Wohnort überhaupt keine Bedeutung haben. Die Zukunft unserer Kd. muß doch durch sie selbst bestimmt werden und das ist bei Kindern sehr unterschiedlich, weil der Lernknoten manchmal später platzt. Und weil das bekannt ist haben wir die Möglichkeiten das zu organisieren. Dazu gehört das Wohnland, Wohnort und Schulsystem die allerkleinste Rolle im Entwicklungsstadion der Kinder spielen. Warum können Schüler nach der Grundschule nicht sagen,ich will einen Beruf lernen oder ich will die Realschule machen? und wenn er anschließend das Abitur machen will? WARUM NICHT??? Die Antwort darauf bleibt immer im "Expertengespräch" stecken und das seit Jahrzehnten. Schule ist immer nur eine Form der Allgemeinbildung, an die eine spezielle Ausbildung folgen sollte. Diese sehr abhängige und labile Entwichlungszeit unserer Kinder (weil sie von der Flexsibilität der Eltern und eigenen biologischen, sozialen und psychologischen Entwicklungsphasen atakiert werden) sollte von uns so einfach wie möglich strukturiert werden.
Schule
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