EU-Bericht warnt vor Lehrermangel
Zahl der Studierenden gestiegen
Mehr zu: Europa, Lehrermangel, Muttersprache, Schulabbrecher, Schulpflicht, Statistik, Studierendenzahlen, Unterrichtsversorgung, Kindergarten / Vorschule, Schule, Hochschule, Sonderthemen(redaktion/pm) Immer mehr Vierjährige in Europa besuchen Vorschulen, die Studierendenzahlen an Hochschulen steigen und die Pflichtschulzeiten werden länger. Das sind einige der Schlüsselzahlen zum Bildungswesen in Europa, die jetzt von der EU vorgelegt wurden. Der Bericht warnt allerdings auch vor einem Lehrermangel.
Die vom Eurydice-Netzwerk verfasste Ausgabe der Schlüsselzahlen zum Bildungswesen in Europa 2009 liefert ein umfassendes Bild der jüngsten Entwicklungen hinsichtlich Organisation und Funktionsweise der Bildungssysteme in 31 europäischen Ländern (EU‑Mitgliedstaaten, Island, Liechtenstein, Norwegen und Türkei), basierend auf 121 Indikatoren.
"Unser Bericht aus der Reihe ´Schlüsselzahlen´ enthält die erfreuliche Feststellung, dass eine stetig wachsende Zahl von Kindern eine Vorschule besucht und dass sich auch an unseren Hochschulen immer mehr Studierende einschreiben, erklärte der EU-Kommissar für Bildung, Ján Figel'. "Dies zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind, lebenslanges Lernen zu einer Realität für alle zu machen, was für den sozialen Zusammenhalt in der EU und die Nachhaltigkeit des Wirtschaftsaufschwungs von entscheidender Bedeutung ist. Doch wir sehen uns nach wie vor auch mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert, die es zu bewältigen gilt: In einigen Bereichen ist mit einem Lehrkräftemangel und in der Pflichtschulbildung mit rückläufigen Schülerzahlen zu rechnen. "
Viele Lehrer gehen in den Ruhestand
Die Bevölkerungsprognosen in der EU deuten auf einen allgemeinen Rückgang der Zahl von Kindern im schulpflichtigen Alter hin, doch die Notwendigkeit, dass alle Bürgerinnen und Bürger ihre Qualifikationen und ihr Wissen ständig auf dem neuesten Stand halten, nimmt unablässig zu. Gleichzeitig ist die Altersgruppe der Lehrkräfte kurz vor dem Rentenalter überrepräsentiert, was in naher Zukunft dazu führen wird, dass in vielen Ländern Lehrkräfte in erheblichem Umfang aus dem Beruf ausscheiden; dies kann wiederum einen Lehrkräftemangel, vor allem in bestimmten Bereichen, nach sich ziehen. Die demografischen Veränderungen stellen die Bildungssysteme vor Herausforderungen, bieten aber zugleich auch eine Gelegenheit, diese zu modernisieren, an die neuen Bedürfnisse anzupassen, effektiver zu gestalten und qualitativ zu verbessern.
Längere Pflichtschulzeiten und mehr Studenten
In der überwiegenden Mehrheit der europäischen Länder beträgt die Schulpflicht neun oder zehn Jahre, doch ein heute 5-jähriges Kind hat eine Bildungs- und Ausbildungsdauer von durchschnittlich 17 Jahren zu erwarten, wobei die Tendenz insgesamt weiter steigend ist. Ein paar Länder haben Reformen eingeführt, die eine Senkung der Schulabbrecherquoten bewirken sollen. So müssen beispielsweise in Italien und den Niederlanden alle Schüler unter 18 Jahren bis zum Erwerb des Abschlusszeugnisses der Primarschule weiter die Schule besuchen. Die Zahl der Studierenden an Hochschulen ist seit 1998 kontinuierlich gestiegen und liegt bei über 18 Millionen (dies entspricht einer Zunahme von 25 % in acht Jahren). Derzeit ist ein Drittel aller 20-22-Jährigen an einer Hochschule eingeschrieben. Der Anteil von Frauen an der Zahl der Studierenden ist insgesamt höher als der Anteil der Männer (auf 123 Studentinnen kommen 100 Studenten), doch je nach Studienfach bestehen nach wie vor eklatante Missverhältnisse.
Wachsende Schulautonomie
Ein neuer allgemeiner Trend hin zu einer stärkeren Schulautonomie verlief zeitgleich mit der Entwicklung von Maßnahmen zur regelmäßigen, systematischen Bewertung von Bildungssystemen und ‑einrichtungen sowie Lehrkräften. Man kann im europäischen Bildungswesen, was die Qualitätssicherung seit dem Jahr 2000 betrifft, von einem Kulturwandel sprechen, der unter anderem bewirkte, dass zahlreiche Länder standardisierte Bewertungen eingeführt haben. Die Strategien zur Veröffentlichung der Ergebnisse variieren allerdings erheblich, wobei nur einige wenige Länder ihre Ergebnisse regelmäßig der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Studie liefert auf Basis der Daten aus den Jahren 2006 und 2007 Antworten auf eine Reihe weiterer Fragen, so zum Beispiel:
- In welchem Umfang können Eltern in den verschiedenen europäischen Ländern darüber entscheiden, welche Schule ihre Kinder besuchen?
- Welche Länder geben pro Schüler am meisten aus?
- Welche Länder bezahlen ihre Lehrkräfte – im Verhältnis zum BIP pro Kopf – am besten?
- Wie viele Stunden müssen die Lehrkräfte pro Woche unterrichten?
- Welche Länder verlangen Studiengebühren, und wie hoch sind diese? Wie gehen Schulen mit Schülern um, für die die Unterrichtssprache nicht ihre Muttersprache ist?
Das Eurydice-Netzwerk www.Eurydice.org bietet Informationen und Analysen zu den europäischen Bildungssystemen und ‑strategien. Es umfasst 35 nationale Teams in allen 31 Ländern, die am Programm für lebenslanges Lernen der EU teilnehmen (EU‑Mitgliedstaaten, EWR-Länder und die Türkei). Die Koordination und Verwaltung erfolgt durch die Exekutivagentur der EU für Bildung, audiovisuelle Medien und Kultur in Brüssel; sie ist unter anderem für Veröffentlichungen und Datenbanken zuständig.
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