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Baden-Württemberg: Unmut über Beförderung von Hauptschullehrern

"Lehrer fühlen sich als solidarische Gruppe"

Mehr zu: Baden-Württemberg, Gleichstellung, Hauptschule, Lehrerbildung, Tarifvertrag, Schule
29.07.2009 -

(dpa) – Die geplante Beförderung von jedem fünften Hauptschullehrer in Baden-Württemberg stößt auf heftigen Widerstand. "Der Unmut in den Lehrerkollegien ist riesengroß. Die Maßnahme ist ein totaler Flop", sagte die Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Doro Moritz, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Lehrer fühlten sich als solidarische Gruppe und seien gegen eine Aufwertung weniger Kollegen, sagte Moritz. Bei einer Unterschriftenaktion hätten schon Zehntausende dagegen protestiert, dass 20 Prozent der Pädagogen an den Hauptschulen vom kommenden Schuljahr an um eine Besoldungsstufe angehoben werden.

Am 29. Juli soll das Gesetz zum Beförderungsamt im Landtag beschlossen werden. Die Unterschriften sollen zum Schuljahresanfang an Kultusminister Helmut Rau (CDU) übergeben werden.

Viele Lehrer verlangten eine Anhebung der Einkommen für alle und damit eine finanzielle Gleichstellung der Hauptschullehrer mit den Kollegen aus der Realschule. "Dafür gibt es auch den sachlichen Grund, dass der Unterricht in den Hauptschulen mit den vielfältigen Problemen der Schüler schwieriger ist als an den Realschulen und Gymnasien", sagte Moritz am 17. Juli. Auch Bernd Dieng, Fachleiter Lehrerausbildung an Haupt- und Grundschulen aus Meckenbeuren (Bodenseekreis), kritisierte, die Beförderung bringe Unruhe in die Kollegien.

Der SPD-Abgeordnete und Schulexperte Norbert Zeller bemängelte, dass ältere Kollegen ohne Leistungsbezug davon profitierten: "Das wird als ungerecht empfunden." Die Leistungsträger an den Schulen fühlten sich ausgebootet.

Das Kultusministerium wies die Kritik zurück: Die Hauptschulen gehörten dank des überdurchschnittlichen Engagements vieler Lehrkräfte zu den innovativsten Schulen im Land. Dies solle durch die Beförderungsmöglichkeiten honoriert werden.

Die Hauptschullehrer erhalten derzeit als Einstiegsgehalt 2867,65 Euro im Monat (A 12), die Realschul- und Sonderschullehrer 3222,63 Euro (A 13). Insgesamt werden laut Moritz von September an 2700 Beförderungsmöglichkeiten für die 1200 Hauptschulen im Südwesten geschaffen. In den Genuss kommen drei Gruppen unter den 13 500 Hauptschullehrern: 1100 derjenigen Lehrer, die vor 1982 verbeamtet und von ihrem Schulleiter mit der Note eins bewertet wurden, 1350 Lehrer mit speziellen Kenntnissen und 250 Lehrer, die in der Lehrerfortbildung oder in der Personalvertretung tätig sind. Sie alle sollen in die Besoldungsgruppe A 13 aufsteigen.

Die Kosten für die Aufwertung der Hauptschullehrer im Rahmen der Qualitätsoffensive Bildung beziffert das Kultusministerium auf 72,3 Millionen Euro zwischen 2009 und 2012. Für den einzelnen Lehrer könne sich das Gehaltsplus auf bis zu 427 Euro brutto belaufen. Die Lehrer bewerben sich beim Schulleiter um die Beförderung und werden dann von diesem bewertet, aber das letzte Wort über das höhere Gehalt liegt beim Regierungspräsidium. Moritz schlägt vor, die Einkommen schrittweise anzuheben: In den kommenden fünf Jahren sollten jeweils 20 Prozent der Pädagogen an den Hauptschulen in die nächst höhere Besoldungsgruppe aufsteigen.

Julia Giertz (dpa-Dossier Kulturpolitik 31/27.07.2009)


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