(dpa) – Der Rotstift wird deutlich zu sehen sein, wenn Ende August in Kalifornien das neue Schuljahr beginnt. "Dies sind die schlimmsten Kürzungen, die ich in meinen 27 Jahren als Lehrer erlebt habe", klagt David Sanchez, Vorsitzender des kalifornischen Lehrerverbands CTA. Knapp 350 000 Lehrer und andere Angestellte öffentlicher Schulen sind in der California Teachers Association organisiert. "Rund 17 500 Lehrer verlieren ihren Job, die Klassengrößen werden als direkte Auswirkungen des Spar-Budgets drastisch ansteigen", sagte Sanchez am 30. Juli dem dpa-Dossier Kulturpolitik.
Der kürzlich von Gouverneur Arnold Schwarzenegger unterzeichnete Haushalt (bis Juni 2010) für den bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat sieht Kürzungen in Höhe von rund 16 Milliarden Dollar vor, neun Milliarden davon werden in dem Bereich Ausbildung eingespart (vgl. 31/2009, S. 26). Am schwersten trifft es die Schulen und Community Colleges, die auf Zuschüsse in Höhe von sechs Milliarden Dollar verzichten müssen. Das restliche Drittel wird den Universitäten vorenthalten.
Schüler, Lehrer und Professoren machen sich auf das Schlimmste gefasst. Klassengrößen könnten auf bis zu 50 Schüler anwachsen. Viele Klassen und Studienfächer werden einfach gestrichen, Studiengebühren angehoben, neue Schulbücher und andere Materialien fallen dem Rotstift zum Opfer. Die Abgeordneten in Sacramento überlassen es weitgehend den Schulbezirken, wie sie die knappen Mitteln einsetzen und wo gespart wird. So können sie etwa das Schuljahr um fünf Tage auf 175 Tage verkürzen. Ron Lebs, Leiter des Schulbezirks in Capistrano, dem 51 000 Schüler angehören, muss im kommenden Schuljahr 25 Millionen Dollar sparen. Er wird 140 Lehrer entlassen, die Grundschulklassen vergrößern und Sportkurse, Musik- und den Kunstunterricht auf ein Minimum reduzieren. Im nordkalifornischen Berkeley wird unter anderem bei der Anschaffung neuer Schulbücher gespart, in Los Angeles verlieren mehr als 2000 Lehrer ihren Job. "Schulen gehen schon so weit, dass sie bei 'Bake Sales' Kuchen und Krimskrams verkaufen, um auf diese Weise ihre leeren Kassen aufzufüllen", berichtet Sanchez.
Auch beim City College in San Francisco macht die Geldnot erfinderisch. So schlug Rektor Don Griffin kürzlich vor, im Gegenzug für eine Spende von 6000 Dollar einen Kurs nach dem privaten Geldgeber zu benennen. Dem College für Undergraduate-Studenten fehlen 20 Millionen Dollar. Rund 800 von insgesamt 9800 Kursen werden ab Herbst gestrichen. "Dies ist eine sehr düstere Zeit", sagte Griffin dem "San Francisco Chronicle". "Wir brauchen Privatspenden, um diese Krise zu überstehen."
An den 23 Hochschulen der "California State University" wird das Studieren vom Herbst an teurer. Um rund 1000 Dollar erhöhen sich die jährlichen Studiengebühren, ein Zuschlag von 20 Prozent. Erst im Frühjahr waren die Gebühren um 10 Prozent angestiegen. Das Graduierten-Programm kostet damit im Jahr knapp 5000 Dollar. Als Sparmaßnahme werden CSAMitarbeiter nun an zwei Tagen im Monat in den unbezahlten Urlaub geschickt. Die 220 000 Studenten an den zehn Hochschulen der "University of California" sind von einem Haushaltsloch in Höhe von 800 Millionen Dollar betroffen. Höhere Studiengebühren, weniger Angebote, so lautet die Spardevise. Neueinstellungen werden auf ein Minimum begrenzt. An der Universität in Berkeley wurde die Zahl der gewöhnlich 100 neuen Hochschullehrer auf zehn reduziert. Auf dem Campus in Santa Cruz wurden Allgemeinbildungs-Kurse mit weniger als 100 Teilnehmern eingestellt, ein geplanter Studiengang in Umwelt-Wissenschaften fallt dem Sparkurs zum Opfer. UCPräsident Mark Yudof bezeichnete die Folgen der Millionen-Kürzungen schlicht als "katastrophal".
Barbara Munker (dpa-Dossier Kulturpolitik 32/03.08.2009)