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Theaterpädagogen bereiten Schüler auf Ausbildung und Beruf vor

"Spüren wie ich wirke"

Mehr zu: Berufsberatung, Berufsorientierung, Nordrhein-Westfalen, Stiftungen, Training, Schule, Berufliche Bildung
06.08.2009 -

(sl). Wenn junge Menschen erstmals nach ihrer Schulkarriere Kontakt zu Unternehmen suchen, stehen viele vor ihnen vor einer hohen Hürde. Wie kleide ich mich richtig? Was frage ich? Wie verhalte ich mich? Im theaterpädagogischen Berufswahltraining von Nordrhein-Westfalen erfahren sie es.

Die Arbeit mit Kindern stellt für die Wuppertaler Bühnen- und Kostümbildnerin Barbara Krott schon lange einen Schwerpunkt ihrer Arbeit dar. Seit zehn Jahren erarbeitet sie mit Karin Glowienka, Leiterin der RAA Wuppertal, Konzepte für Workshops mit Jugendlichen. Egal, um welche Schwerpunkte zum interkulturellen Zusammenleben und zur Berufsfindung es geht, stets werden die Seminare mit Mitteln der darstellenden Kunst durchgeführt.

"Auftritt Beruf" ist das Konzept überschrieben, das seit vergangenem Jahr die Angebotspalette der Initiative Zukunft fördern in NRW bereichert. Sie wird unter dem Dach der Stiftung Partner für Schule vom Schulministerium und der Bundesagentur für Arbeit (Regionaldirektion NRW) getragen und hat sich der Aufgabe verschrieben, Jugendliche besser auf die Berufswelt vorzubereiten.

Dass die Organisation der bislang über 100 Workshops bei der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) der Stadt Wuppertal angesiedelt ist, bedeutet nicht, dass nur Jugendliche mit Migrationshintergrund an den theaterpädagogischen Trainingseinheiten teilnehmen. Bewerbungstraining und Berufsorientierung sind ein allgemeines "Problem". Das weiß auch Stephan Derkum. Der Informationstechniker ist Mitglied im Prüfungsausschuss seiner Innung Bonn/Rhein-Sieg. Er erlebt Jugendliche, die "den Mund nicht aufbekommen, sobald sie vor uns oder einem Kunden stehen". Die Hand geben und in die Augen schauen, gelänge vielen nicht. Stephan Derkum beklagt einerseits das Fehlen selbstverständlichster Umgangsformen. "Andererseits fehlt vielen aber auch einfach das Selbstbewusstsein", hat er erfahren.

Selbsterfahrung als Lernstil

Barbara Krott nennt es die "Angst vor dem Unbekannten". In den zweitägigen Workshops mit jeweils zwölf Unterrichtsstunden werden die Jugendlichen ermuntert und angeleitet. Körpertraining, Wahrnehmungs- und Sprechübungen sowie szenische Arbeiten, die Vorstellungsgespräche, Praktika und schwierige Situationen aus dem Berufsalltag thematisieren, stehen auf dem Programm.

Die 16-jährige Realschülerin Martina hat an einem der Workshops teilgenommen. Sie ist begeistert. "Ehrlich, ich hatte vor meinem ersten Tag im Praktikum richtig Muffe. Ich wusste überhaupt nicht, wie ich mich verhalten sollte", gesteht sie freimütig. Zu ihrem Glück konnte sie zuvor an "Auftritt Beruf" teilnehmen. "Das hat mir total geholfen. Auf einmal wusste ich, dass der Rock, den ich eigentlich anziehen wollte, viel zu kurz gewesen wäre. Ich wusste jetzt auch, wie positiv es sich auswirken würde, wenn ich mich bei den Menschen im Betrieb direkt am ersten Tag vorstellen würde", erinnert sich die junge Frau. Im Kurs stellte sie sich in unterschiedlichen Kleidungsstücken vor. Sie spürte im Rollenspiel die Reaktion der Seminarteilnehmer, hörte, wie sie auf andere wirkte.

Es ist diese Selbsterfahrung, die hängen bleibt. Und noch einen wesentlichen Aspekt nennt Barbara Krott: "Die Kurse haben die wunderbare Wirkung, dass sich die Kinder öffnen." Manch einem nämlich falle es schon schwer, den eigenen Namen laut auszusprechen.

Theoretisches wird szenisch geübt

Knapp 1 500 Kinder von 61 Schulen aller Schulformen außer dem Gymnasium kamen 2008 in den Genuss dieser individuellen Förderung. Dass die Schulung nicht bei allen auf fruchtbaren Boden fiel, verschweigen die Initiatoren nicht. "In Klassen, in denen die Lehrer den Kindern sehr zugetan sind, ist unser Konzept meistens von Erfolg gekrönt", spürt Barbara Krott. Dort aber, wo Lehrer ihre Schülerinnen und Schülern mit den Worten "Geh da mal hin, du hast es nötig" zum Seminar entließen, gehe die Rechnung häufig nicht auf.

Der Ablauf der zwei Tage ist klar gegliedert. Der erste Teil dient dem Kennenlernen, dem Thematisieren der individuellen Aufgaben und Konzentrationsübungen. Am zweiten Tag wird die Theorie szenisch in die Praxis umgesetzt. Bewerbungsgespräche werden da ebenso nachgespielt und analysiert wie Konfliktsituationen oder Alltagsszenen (Mittagessen) im Betrieb. "Ziel ist es, das Selbstbewusstsein zu stärken, eigene Stärken und Schwächen zu erkennen und mit dem eigenen Berufswunsch abzuwägen sowie Ideen für berufliche Alternativen zu entwickeln", berichtet Karin Glowienka.

Barbara Krott und Karin Glowienka wissen, dass die Kurse, die von insgesamt 15 künstlerisch, sozial- oder heilpädagogisch vorgebildeten Trainern durchgeführt werden, den Jugendlichen "Sorgen und Ängste nehmen". Sie wissen aber auch, dass "das, was wir tun, nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist". Das bedauern die beiden Initiatorinnen. Und wünschen sich praxisnahe Berufsvorbereitung als unverzichtbaren Bestandteil schulischen Unterrichts.

Kompakt

An den zweitägigen Kursen "Auftritt Beruf" nehmen pro Gruppe jeweils maximal 15 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 teil. Die Workshops werden möglichst außerhalb der Schule angeboten, um eine eigene "Atmosphäre" ohne Schulrhythmus zu schaffen. Schwerpunkte der mit Mitteln der darstellenden Kunst organisierten Seminare sind Körpertraining, Wahrnehmungs- und Sprechübungen.

Erstveröffentlichung: Klett Themendienst

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