Bildung: Eltern gegen Föderalismus und für längeres Lernen
Eltern wählen bei Umfrage etwas linker als gesamtdeutsche Bevölkerung
Mehr zu: Bundestagswahl, Föderalismus, Frühe Förderung, Politische Bildung, Privatschulen, Schulstruktur, Sonderthemen(redaktion/pm) Bildung ist für Deutschlands Eltern wichtiger als alles andere: Mit 81 Prozent ist Bildung das Top-Thema. Auf dem 2. Platz rangiert die Familienförderung (77 Prozent), mit 75 Prozent gefolgt von der besseren Vereinbarkeit von Job und Familie. Die Kinderbetreuung ist für 67 Prozent ein relevantes Thema. Das hat die Zeitschrift ELTERN in einer repräsentativen forsa-Umfrage bei 1.000 Mütter und Väter von Kindern unter 18 Jahren ermittelt.
Ausweg Privatschule?
Fast alle Befragten (91 Prozent) lehnen den Föderalismus in der Bildungspolitik ab und fordern eine bundesweite Vereinheitlichung des Schulsystems. 68 Prozent der befragten Mütter und Väter finden das Schulsystem veraltet, besonders die Norddeutschen (79 Prozent). Eine längere gemeinsame Grundschulzeit wünschen sich rund zwei Drittel (64 Prozent), und 57 Prozent sind der Meinung, dass in der Bildung zu viel auf die Eltern abgewälzt wird. Über die Hälfte (54 Prozent) hadern mit dem Bildungssystem so sehr, dass sie ihre Kinder am liebsten auf eine Privatschule schicken würden - wenn sie es sich leisten könnten. Das trifft besonders auf Eltern mit Hauptschulabschluss zu (60 Prozent).
Mehr Geld für Bildung statt privater Finanzhilfen
Der Staat verfügt über viele unterschiedliche, teils neue Fördertöpfe für Familien. Doch 81 Prozent der befragten Eltern haben das Gefühl: Davon kommt bei uns nichts an. Rund drei Viertel (74 Prozent) kritisieren, dass Finanzhilfen über Abgaben und Steuern wieder verloren gehen. Mit diesem Problem sehen sich besonders Familien mit mittlerem Einkommen (82 Prozent) konfrontiert. Um Familien tatsächlich finanziell zu entlasten, favorisiert jeder dritte Befragte (35 Prozent) eine Kindergrundsicherung von 300 bis 400 Euro. Bei den Alleinerziehenden befürwortet das sogar fast jeder Zweite (46 Prozent). Mehr Kindergeld wünschen sich 31 Prozent der Befragten und höhere steuerliche Freibeträge für jedes Kind 25 Prozent. Die Wünsche zur finanziellen Entlastung der Familien unterscheiden sich stark nach Einkommen und Alter der Kinder. Damit das Geld bei allen ankommt, fordern zwei Drittel (66 Prozent) bessere Bildung und Betreuung anstatt direkte Zahlungen an Familien. Dieses Investitionsmodell ist für Ostdeutsche mit 75 Prozent sogar noch wichtiger als für Westdeutsche (64 Prozent).
Noch nicht angekommen: die Betreuungsoffensive
72 Prozent sagen, sie hätten kaum etwas von der Betreuungsoffensive der Bundesregierung gemerkt. Nur sechs Prozent sehen sich aktuell als "Nutznießer". 39 Prozent halten das Angebot an Kinderbetreuungsplätzen in Deutschland für generell unzureichend. Diese Einschätzung unterscheidet sich deutlich zwischen den alten und neuen Bundesländern: Während nur 30 Prozent der ostdeutschen Mütter und Väter das Angebot an Betreuungsplätzen monieren, sind 41 Prozent in Westdeutschland unzufrieden. Die Mehrheit von 62 Prozent der Eltern, die die Versorgungssituation in bestimmten Altersgruppen für nicht ausreichend halten, meinen, es gebe zu wenig Betreuungsplätze für Kinder bis zwei Jahre. Ein Viertel von ihnen sieht einen Mangel bei den Grundschulkindern.
"Rabenmütter" versus "Herdprämie"
Was kann der Staat tun, damit Eltern wirklich frei entscheiden können, wie sie die Rollen in der Familie aufteilen wollen? 85 Prozent der befragten Mütter und Väter sind der Meinung, dass die unterschiedlichen Gehälter von Männern und Frauen angeglichen werden müssen. Sonst bleibt das traditionelle Alleinverdienermodell aus rein finanziellen Gründen die beste Wahl. Für insgesamt 88 Prozent gehört zu einer echten Wahlfreiheit des Lebensmodells, dass Familienarbeit gesellschaftlich besser anerkannt und wie Erwerbsarbeit ein selbstverständlicher Teil der Biografie wird - bei Frauen und Männern. Das kann für 67 Prozent der befragten Mütter und Väter in Form eines Betreuungsgeldes passieren. Aber für 77 Prozent spielt eine noch größere Rolle: eine Gesellschaft, die Lebensmodelle mit Schlagwörtern wie "Rabenmütter" oder "Herdprämie" belegt, verhindert eine freie Entscheidung der Familien für ihre Rollenaufteilung.
Für welche Partei machen sie ihr Kreuz?
Wäre der Bundestag bereits im Sommer gewählt worden, hätten sich 35 Prozent der Eltern für die CDU entschieden, 26 Prozent für die SPD, 14 für die FDP. 13 Prozent hätten für die Grünen gestimmt und acht Prozent der Eltern mit Kindern unter 18 Jahren für Die Linke. Verglichen mit aktuellen Wahlumfragen der Gesamtbevölkerung, wählen Deutschlands Eltern damit tendenziell etwas häufiger SPD und Grüne. Allerdings: Jeder vierte Befragte (23 Prozent) wäre gar nicht zur Wahl gegangen. Damit sind Eltern größere Wahlmuffel als der Durchschnitt der bundesdeutschen Wahlberechtigten (rund 20 Prozent). Das trifft besonders auf jüngere Mütter und Väter zu: Von den 18- bis 34-Jährigen will ein Drittel (33 Prozent) nicht an der Bundestagswahl teilnehmen.
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