Inklusive Bildung - die meisten Bundesländern sind noch weit davon entfernt
"Bildungsbarometer Inklusion" des Sozialverbands Deutschland
Mehr zu: Bildung in Zahlen, Bildungschancen, Inklusion, Integration, Schule(redaktion/pm) Die Bundesländer machen zu wenig Fortschritte bei der Integration behinderter Schüler an allgemeinen Schulen. Bislang erfüllen die meisten Bundesländer nicht ansatzweise ihre Verpflichtung, behinderte und nicht behinderte Kinder in der Regel gemeinsam zu unterrichten. Das ist das Ergebnis des "Bildungsbarometers Inklusion", das der Sozialverband Deutcshland (SoVD) jetzt erstmals vorgelegt hat. Deutschland hat sich mit dem In-Kraft-Treten der UN-Behindertenrechtskonvention zur Schaffung eines inklusiven Bildungswesens verpflichtet.
Eine erste Bestandsaufnahme ist allerdings ernüchternd: Die einzigen Bundesländer, in denen nennenswerte konkrete Fortschritte gemacht worden sind, sind Schleswig-Holstein und Bremen. Schon bisher belegen beide Länder einen Spitzenplatz bei den Integrationsquoten behinderter Schüler und haben seit dem In-Kraft-Treten der UN-Konvention einiges unternommen, um die inklusive Bildung voranzubringen.
Es fehlt der plotische Wille
In drei Bundesländern - Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz - wurde immerhin der Handlungsbedarf erkannt. In vier Bundesländern beginnt die politische Debatte nur zögerlich und sogar sieben Bundesländer nehmen eine reservierte bis ablehnende Haltung gegenüber der inklusiven Bildung ein. Hier fehlt es bislang am politischen Willen zur Veränderung.
Für Eltern behinderter Kinder ist die Situation zu Beginn des neuen Schuljahres nach wie vor unbefriedigend. Konkrete Verbesserungen sind kaum greifbar. Selbst in Bundesländern, die bereits jetzt hohe Integrationsquoten aufweisen, sind die Bedingungen für den integrativen Unterricht noch keineswegs zufriedenstellend. Ermutigend ist, dass in vielen Bundesländern Behindertenverbände und Elterninitiativen aktiv geworden sind. Der SoVD setzt sich in den Bundesländern für eine zügige Umsetzung der inklusiven Bildung ein und hat die Bundesländer aufgefordert, die Umsetzung der inklusiven Bildung entschiedener voranzubringen. Dies sei eine zentrale bildungspolitische Aufgabe und es dürfe keine weiteren Verzögerungen geben. Behinderte Kinder bräuchten endlich bessere Bildungschancen und damit auch bessere berufliche Perspektiven, so der Verband.
Die sozialen Vorteile einer Inklusion liegen auf der Hand - doch sind damit auch wirklich "bessere Bildungschancen" verbunden? Bis eine Regelschule mit den sehr spezialisierten Fördermöglichkeiten einer Förderschule mithalten kann, ist es vielerorts wohl noch ein weiter Weg....
"Bis eine Regelschule mit den sehr spezialisierten Fördermöglichkeiten einer Förderschule mithalten kann, ist es vielerorts wohl noch ein weiter Weg...." schreibt Julia Tannert.
Dieser Weg ist um so weiter, wenn man betrachtet, dass selbst der Unterricht an Regelschulen vielerorts nicht durchgängig gesichert ist. Wie soll dann eine Integration behinderter Kinder möglich sein, die beiden - Behinderten und Nichtbehindertern - gleichermaßen gerecht werden soll?
Die Integration von behinderten Kindern und Jugendlichen ist wünschenswert. Der politische Wille hierzu fehlt aber, weil das Geld kostet. Beispiel: In NRW werden im Grundschulbereich Sonderpädagogen bei der Berechnung des Lehrerschlüssels für eine Grundschule nicht additiv hinzugerechnet. Sonderpädagogen im Grundschulbereich ersetzen RegelschullehrerInnen. Zudem gibt es schon seit Jahren viel zuwenige Sonderpädagogen, um den Förderbedarfen nach den Richtlinien decken zu können - trotzdem gibt einen NC auf dem Studienfach !?!
Mit den Forderungen nach mehr Integration lässt sich in der Öffentlichkeit allerdings parteipolitisches Kapital schlagen.
Nicht nur der politische Wille fehlt, sondern auch die Bereitschaft, unser bestehendes Schulsystem völlig neu zu denken (siehe die beiden vorangegangenen Kommentare). Gerade das "spezialisierte Förderschulwesen" trägt wesentlich zus Aussonderung bei, weil die "Regel-"Schule (worin besteht die Regel? Wer definiert sie?) immer Gelegenheit findet, Kinder, die >auffällig< sind, an den so genannten geeigneten Förderort zu verschieben anstatt über ihren eigenen Bildungsbegriff und dessen Realisierung nachzudenken. Warum steht Deutschland mit seinem Förderschulwesen so allein da? Warum ist der Anteil der abgehängten Kinder und Jugendlichen im deutschen Schulwesen trotz Förderschule so groß?
Inklusion meint eben nicht nur das stark (evtl. mehrfach) behinderte Kind, sondern auch jene mit den ganz alltäglichen Einschränkung ("Lernbehinderung", Migrationsprobleme etc.). Es geht um die Realisierung der Menschenrechte für Kinder.
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