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Expertin: Lehrer sollen Schüler für Politik öffnen

Mehr zu: Bundestagswahl, Jugendhilfe und Sozialarbeit, Lehrerbildung, Politische Bildung, Schule
21.09.2009 -

(dpa) - Lehrer sollten ihren Schülern angesichts zunehmender Politikmüdigkeit stärker als bisher "Kernkonzepte" der Demokratie vermitteln - das fordert die Professorin für politische Didaktik der Technischen Universität Dresden, Anja Besand. Die meisten Schüler hätten eine zu enge Vorstellung von Politik, sagte sie in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Die Jugendlichen meinen, dass Politik nur das ist, was Politiker machen. Dabei geht es um viel mehr, zum Beispiel darum, wie wir uns in der Gesellschaft über unser Zusammenleben verständigen." Doch die Vokabel Politik sei für Jugendliche "total negativ gefärbt".

Der Shell-Jugendstudie zufolge bezeichneten sich 1991 mehr als 55 Prozent der Befragten im Alter von 15 bis 24 Jahre als "politisch interessiert". 2006 waren es nur noch rund 39 Prozent. Aber Besand ist sich dennoch sicher: "Die meisten wissen ganz viel und bekommen ganz viel durch die Medien mit. Lehrer zum Beispiel können sie durchaus für Politik öffnen."

Das Thema Bundestagswahl wird standardmäßig in der 9. und 10. Klasse behandelt. "Da liegt der erste Wahlgang der Schüler aber noch in weiter Ferne. Ihnen zu diesem Zeitpunkt lediglich Details des Wahlverfahrens beizubringen und zu hoffen, dass sie das bei ihrem ersten Wahlgang noch wissen, ist naiv", kritisiert Besand. Wichtig sei es zu diesem Zeitpunkt vielmehr, Schülern zu vermitteln, warum es überhaupt Wahlen gibt, wie sich Mehrheiten durchsetzen und wie grundsätzlich festgestellt wird, was die Menschen in einem Staat wollen. Dies seien die "Kernkonzepte" von Demokratie, die Schüler verstehen müssten.

Nach Ansicht von Besand ist man bei der Zusammenstellung von Unterrichtsmaterialien zur Bundestagswahl immer in einem Dilemma: "Die Schulbehörden müssen das Thema in den Lehrplänen festlegen, ohne Wahltermine berücksichtigen zu können." Daher werde es meist im Kapitel zur "parlamentarischen Demokratie" oder zum "demokratischen Verfassungsstaat" eingebaut. Das spiegele sich anschließend nicht selten in den Schulbüchern wider, die zudem "manchmal seit 15 Jahren im Gebrauch sind". Allerdings gebe es zu fast keinem Thema so vielfältige und qualitativ hochwertige freie Materialen wie zum Komplex Wahlen, zum Beispiel von der Bundeszentrale für Politische Bildung. "Wenn wir den Bestellstatistiken glauben können, werden diese Materialien gerne und häufig eingesetzt".

Claudia Utermann
(dpa-Dossier Kulturpolitik 39/21.09.2009)


© 2009 dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH.
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