(Redaktion/PM) Das Institut für Ernährungspsychologie (IfE) an der Universitätsmedizin Göttingen hat zusammen mit der Göttinger Bürgerstiftung und dem Göttinger Köcheclub unter dem Namen "Entdeckungsreise Essen" ein innovatives Schulkonzept für die 6. Klasse entwickelt. Ziel des Projektes ist es, Schülerinnen und Schüler über Entdecken, Schmecken, Genießen, Experimentieren und Mitmachen für gutes Essen zu begeistern. Wissensvermittlung über "gesunde Ernährung" hingegen findet nicht statt.
"Wenn allein Wissensvermittlung im Vordergrund steht, sind Ernährungskonzepte nicht wirksam. Sie häufen theoretisches Wissen an, das von den Kindern nicht - oder gerade deshalb nicht - in entsprechendes praktisches Handeln übersetzt wird", erläutert Dr. Thomas Ellrott das Projekt. Der Privatdozent ist Leiter des Institutes für Ernährungspsychologie an der Universitätsmedizin Göttingen. Unterstützt wird das Institut dabei für zwei Jahre von der AOK Niedersachsen.
Die Schülerinnen und Schüler kochen zusammen mit den Köchinnen und Köchen des Göttinger Köcheclubs, z.B. exotisches Hähnchencurry, Tomatensuppe à la Gauss oder auch mal ganz traditionelle Kohlrouladen und Weihnachtsplätzchen. Statt Ernährungsunterricht wird ein Lebensmittelquiz gemacht. Hier dürfen die Kinder alle zu erratenden Produkte auch gleich selbst praktisch probieren. Ein Besuch auf dem Käsehof wird durch einen selbstgemachten Käse gekrönt. In einem Sandwich-Wettbewerb gewinnt das am leckersten aussehende Sandwich. "Die Kinder bekommen durch das Ausprobieren und Selbermachen eine viel positivere Beziehung zu Lebensmitteln und zum Essen", so Thomas Ellrott. "Das Essen erfährt eine höhere Wertschätzung und Wichtigkeit. Praktische Kochkompetenz, die Kinder mit viel Spaß und Freude erworben haben, dürfte im Jugend- und Erwachsenenalter eine bessere Lebensmittelauswahl bahnen."
In der Personn-Realschule Weende wird "Entdeckungsreise Essen" derzeit als Pilotprojekt außerhalb des klassischen Unterrichts eingeführt und in Zusammenarbeit mit der Schule stetig weiterentwickelt. Dorothea Ratke, Biologie-Lehrerin an der Persson-Schule, sagt: "Wir bekommen von unseren Schülern hervorragende Rückmeldungen zum neuen Konzept. Das liegt sicher daran, dass wir keine Belehrung in gesunder Ernährung machen. Das Entdecken und Selbermachen steht im Vordergrund." 86 Prozent der Schülerinnen und Schüler hat das Projekt "Entdeckungsreise Essen" Spaß gemacht. 57 Prozent haben sogar Rezepte zuhause nachgekocht, ergab eine erste Auswertung.
Dorothea Ratke und das Team der Personn-Schule haben mit dem Pilotprojekt "Entdeckungsreise Essen" im Schulwettbewerb "O.k. statt K.o." des Bundesministeriums für Gesundheit bereits einen Preis gewonnen. Die Urkunde wurde am 16. September 2009 von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt in Berlin persönlich überreicht.
Der Göttinger SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann (MdB) bewertet das Projekt "Entdeckungsreise Essen" ebenfalls als sehr positiv: "Ich bin glücklich, dass solche innovativen Ansätze aus Göttingen kommen und unterstütze die Weiterentwicklung in unserer Modellregion". Durch Vermittlung von Thomas Oppermann kooperiert die AOK Niedersachsen nun mit dem Institut für Ernährungspsychologie. "Die AOK unterstützt im Rahmen ihres Förderkonzepts ´die initiative' qualitätsgesicherte Konzepte für gesundheitsfördernde Maßnahmen im Bildungskontext", sagt Thomas Held, Projektleiter bei der AOK (www.dieinitiative.de).
"Wir würden uns freuen, wenn ein derart positives Konzept später auch in anderen Städten Schule machen würde", sagt Dirk Oelkers vom Vorstand der Göttinger Bürgerstiftung. "Die Kooperation mit der AOK gestattet es uns nun, durch die Fortentwicklung in Göttingen die Grundlage dafür zu schaffen.
"Mit Bevormundung und erhobenem Zeigefinder bekommt man Kinder und Jugendliche sicher nicht zu einem besseren und gesünderen Essverhalten", resümiert Ellrott. "Die ´Entdeckungsreise Essen' zeigt, wie so etwas durch Beobachtungslernen und Partizipation viel besser gelingen kann."