Planung von Auslandsschuljahr nach G8 schwieriger
Dennoch steigt Nachfrage bei den Organisationen
Mehr zu: Auslandsschulen, Deutschland, G8, Gastschule, Gymnasium, Internationaler Austausch, Stipendien, Schule(dpa) – Die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre (G8) hat es Schülern deutlich schwerer gemacht, ein Jahr ins Ausland zu gehen. "Es ist komplizierter geworden, weil die Durchführungsbestimmungen der einzelnen Bundesländer für die Anerkennung von Auslandsaufenthalten völlig unterschiedlich sind", sagte der Leiter der Geschäftsstelle des Deutschen Fachverbands High School (DFH), Claus Kunze, der Deutschen Presse-Agentur dpa in Frankfurt. "Manche Schulen raten dann auch noch, weil es so kompliziert geworden ist, den Auslandsaufenthalt besser auf die Zeit nach dem Abi zu verschieben", bedauerte Kunze. "Das ist dann aber etwas völlig anderes." Im DFH sind nach eigenen Angaben zwölf Austausch-Organisationen zusammengeschlossen.
Mehr als 14 000 deutsche Schüler legen derzeit jedes Jahr ein Auslandsschuljahr ein, darunter etwas mehr Mädchen als Jungen. Mehr als 80 Prozent entscheiden sich laut DFH für ein englischsprachiges Land. Am beliebtesten ist nach wie vor die USA (60 Prozent). In den vergangenen fünf Jahren hätten allerdings Schulaufenthalte in Kanada, Australien und Neuseeland deutlich an Popularität gewonnen. Dennoch gehen nur etwa zehn Prozent nach Kanada, knapp acht Prozent nach Neuseeland und etwa sieben Prozent nach Australien. Für Großbritannien entschieden sich fast nur "echte Fans" (gut drei Prozent der Austauschschüler), das Gros wolle lieber weiter weg.
Die meisten Gymnasiasten gehen seit der Verkürzung der Schulzeit um ein Jahr bereits in der zehnten und nicht mehr in der elften Klasse ins Ausland. Die organisatorischen Schwierigkeiten, bei zwölf Schuljahren ein Auslandsjahr einzubauen, führten dazu, dass sich einige für die Verkürzung des USA- oder Kanada-Aufenthalts auf ein halbes Jahr und manche ganz dagegen entscheiden. "Ein halbes Jahr ist aber weniger sinnvoll und attraktiv, weil die großen Anfangsinvestitionen, sich in alles rein zu finden und einen Freundeskreis aufzubauen, die selben sind", gab Kunze zu Bedenken. "Im zweiten Halbjahr ist man dann voll drin und kann es richtig genießen." Manche Schüler gingen im zweiten Halbjahr der zehnten Klasse nach Neuseeland oder Australien, wo sie dann zum neuen Schuljahr einsteigen könnten.
Viele G8-Schüler nähmen auch von Anfang an in Kauf, dass ihnen das Auslandschuljahr in Deutschland nicht angerechnet werde. Denn: "Die Aufenthalte werden als großer persönlicher Gewinn erlebt, der den eventuellen Verlust eines Schuljahres mehr als aufwiegt", sagte Kunze. "Langzeitstudien haben zudem erwiesen, das sich dieses Plus nicht nur auf das Abitur, sondern auch entscheidend in Studium und Beruf auswirkt. Ohnehin haben auch schon früher etwa 50 Prozent das Jahr in Deutschland wiederholt." Die Nachfrage nach einem Schuljahr im Ausland sei mit G8 keineswegs gesunken, sondern steige eher.
Rund 6500 bis 7500 Euro koste ein Austausch-Jahr in den USA mit dem Besuch einer öffentlichen High School. Dabei müsse weder für die Schule noch für die Gastfamilie Geld bezahlt werden. Ein Jahr in Neuseeland oder Australien sei deutlich teurer.
Im Deutschen Fachverband High School (DFH) sind zwölf Austauschorganisationen zusammengeschlossen. Zweck ist die Qualitätssicherung. Er gibt eine Checkliste für Schüler heraus, mit Kriterien, auf die sie bei der Wahl einer Austauschorganisation achten sollen, sowie einen kostenlosen Ratgeber mit Infos zum Gastschuljahr. Ein DFH-Beirat kontrolliert regelmäßig die Kataloge und Aktivitäten der Mitgliedsorganisationen. Außerdem werden jedes Jahr von jeder Mitgliedsorganisation 75 Schüler ausführlich befragt, nachdem sie ein Jahr in den USA waren. Der DFH schreibt jedes Jahr pro Mitgliedsorganisation ein Stipendium für ein Schuljahr in den USA aus und finanziert sich über seine Mitglieder.
Ira Schaible (dpa-Dossier Kulturpolitik 41/05.10.2009)
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