Weiterbilden mit Handy, Netbook oder "Navi"
Lernen beim Warten im Lkw oder in der Maschinenhalle
Mehr zu: E-Learning, Forschung, Weiterbildung(reaktion/idw) Weiterbilden statt sich langweilen: Wie z.B. ein Lkw-Fahrer eine Wartezeit sinnvoll für eine berufliche Qualifizierung nutzen kann, ist eine der zahlreichen Fragestellungen des Forschungsprojekts "Mobile-Learning - prozessorientiertes Informieren und Lernen in wechselnden Arbeitsumgebungen". "Mobiles Lernen" können zahlreiche Berufsgruppen wie z.B. Lkw-Fahrer oder Außendienst-Mitarbeiter nutzen, für die aufgrund ihrer Arbeitssituation konventionelle Qualifizierungsmethoden kaum infrage kommen. Für das Projekt erhält die FernUniversität in Hagen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fast 350.000 Euro. Insgesamt fördert das Ministerium das dreijährige Verbundprojekt, an dem u.a. auch die Daimler AG und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) beteiligt sind, mit über einer Million Euro.
Unter Leitung von Prof. Dr. Claudia de Witt, Lehrgebiet Bildungstheorie und Medienpädagogik der FernUniversität, übernimmt das Hagener Forscherteam das Projektmanagement, erarbeitet zusammen mit den Partnern die didaktischen Szenarien und evaluiert die Ergebnisse.
Dreh- und Angelpunkt sind die Weiterentwicklung des E- zum M-Learning und die sich daraus ergebenden didaktischen Herausforderungen in einem sich ständig ändernden Berufsalltag: Berufstätige, die selten am Schreibtisch sind, müssen unvorhersehbare und arbeitskontextbezogene Zeiten für Informationsbeschaffungen nutzen können. Für sie ist zeit- und ortsunabhängiges "Mobiles Lernen" (Mobile Learning/M-Learning) mit mobilen Endgeräten erste Wahl, wenn sie sich weiterbilden wollen. Daher sollen Szenarien für mobiles Lernen in beruflichen Umgebungen entwickelt werden, von denen keine wie die andere ist. Hierbei arbeiten die Hagener Wissenschaftler mit Praxispartnern zusammen, die im Arbeitsalltag umsetzen und erproben, was im FernUni-Institut für Bildungswissenschaft und Medienforschung grundlagenforschend entwickelt worden ist.
Mobile Learning können alle mobil arbeitenden Berufsgruppen wie z.B. Lkw-Fahrer und -Fahrerinnen nutzen, für die aufgrund ihrer Arbeitssituation konventionelle Qualifizierungsmethoden kaum infrage kommen. Ziel ist, ihnen ein Gefühl für ihre persönliche Beanspruchung durch die Arbeit zu vermitteln und sie auf Präventionsmaßnahmen hinzuweisen. Grundlage der Lerneinheiten sind daher typische berufsbezogene Belastungsfaktoren: Die Fahrer können durch das Mobile-Learning-System in der Fahrerkabine lernen, z. B. wie sie über längere Zeit entspannt sitzen, sich besser ernähren oder nicht so leicht ermüden. Nutzen sollen sie dafür "große Pausen" auf dem Rasthof bzw. in der Fahrerkabine oder die Wartezeiten bei Be- und Entladung.
Dafür müssen Didaktik und Technik stimmen: Können bereits vorinstallierte Geräte in den Fahrerkabinen für Weiterbildungen genutzt werden? Sind Navigations- oder Telematiksysteme für diese Art von Lernvideos geeignet? Oder doch besser Handys mit Mini-Displays? Lernen vielleicht Fahrer unterwegs interaktiv mit einem Mini-Notebook besser? Wichtig ist also, die richtigen Endgeräte auszuwählen und die Lerngewohnheiten zu analysieren. Und wie müssen Lerninhalte aufbereitet sein, damit die Fahrer motiviert lernen können?
Ein anderes mögliches Szenario dreht sich um das Recherchieren und Verarbeiten von Informationen vor Ort, weit vom PC des Service-Mechanikers entfernt: Ein Mechaniker muss eine weit entfernte Maschine in einer großen Fabrikationsanlage warten. Dort stellt er fest, dass ihm wichtige Unterlagen fehlen. Statt nun zurück zu seinem PC zu gehen sieht das Lernszenario vor, dass er mit seinem mobilen Endgerät die Informationen direkt vor Ort abruft. Der Lernprozess wird hier also sehr kleinteilig auf eine niedrige Ebene herunter gebrochen. Dass es sich tatsächlich um einen Lernprozess handelt, erläutert Prof. Dr. Claudia de Witt: "Der Mitarbeiter sucht situationsbezogen bestimmte Informationen, mit deren Hilfe er das Problem sofort lösen kann – das ist durchaus ein Lernprozess!" So kann höchst flexibles, situationsbezogenes mobiles Lernen durchaus Computersimulationen - und damit E-Learning - ersetzen.
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