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Hurrelmann: Viele Schulamokläufe können verhindert werden

Mehr zu: Deutschland, Gewalt in der Schule, Jugendhilfe und Sozialarbeit, Schule
12.10.2009 -

(dpa) - Viele Amokläufe an Schulen könnten nach Ansicht des Soziologen Klaus Hurrelmann verhindert werden. "Alle bisherigen Täter haben ihre Taten lange vorbereitet, manchmal über Jahre, meist über Monate", sagte Hurrelmann am 9. Oktober in Berlin anlässlich der Präsentation des Buches "Amok im Kopf - Warum Schüler töten" des US-Psychologen Peter Langman. "Dabei hinterlassen sie Spuren, die wir erkennen und richtig deuten müssen." Auch die Täter in Deutschland hätten Spuren hinterlassen. Es werde zwar noch dauern, bis ein Frühwarnsystem mit den Schulen, Familien und Therapeuten effektiv greife. "Amokläufe sind aber schon jetzt potenziell vorhersehbar."

In seinem Buch stützt sich Langman auf Ergebnisse von Amokläufen an Schulen in den USA. Diese Erkenntnisse seien aber grundsätzlich auch auf die Taten in Deutschland übertragbar, sagte Hurrelmann, der selber zum Thema Gewalt an Schulen forscht. Gerade die Bezüge zum Innenleben der meist männlichen Täter spiegelten sich bei uns wider.

"Wir müssen auf sensible Suche nach Frühwarnsignalen gehen", sagte Hurrelmann. Dazu könnten zum Beispiel Selbstmordgedanken, konkrete Morddrohungen oder ein übersteigertes Interesse an früheren Schulamokläufen gehören. "Eine einzelne Auffälligkeit reicht aber nicht für eine Gefährdung aus, bei einem Amoklauf kommen viele verschiedene Aspekte zusammen."

Es gehe auch nicht darum, jeden Schüler, der auf irgendeine Weise auffalle, als potenziellen Amokläufer abzustempeln. "Wir dürfen keine Verdächtigungskultur schaffen, sondern müssen im Gegenteil für bessere Kommunikation und mehr Vertrauen sorgen."

Experten sprechen laut Hurrelmann von rund 100 Schulamokläufen seit 1974 in den USA, Deutschland und anderen Ländern. Dabei sei die Zahl in den vergangenen fünf Jahren deutlich schneller gestiegen. Erst vor wenigen Wochen stürmte ein 18-Jähriger im mittelfränkischen Ansbach in sein Gymnasium und warf Molotow-Cocktails auf seine Mitschüler. Im März erschoss ein 17-Jähriger an seiner ehemaligen Schule in Winnenden (Baden-Württemberg) und auf seiner anschließenden Flucht 15 Menschen und sich selbst.

(dpa-Dossier Kulturpolitik 42/12.10.2009)


© 2009 dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH.
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Alle Rechte bleiben vorbehalten.

2 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Findeisen, Kinder- u. Jugendpsychotherapeut, am 12.10.2009, 17:59

Der GEW-Kreisverband Ansbach hat in seiner Zeitschrift Magazin-Auswege Anlässlich der Ereignisse in Ansbach einen grundlegenden Artikel veröffentlicht, der zeigt, dass Amokläufe, die in einem gesellschaftichen Kontext entstehen, zu kurz erklärt sind, wenn man sie als psychische Krankheit sieht. Auf diesen Beitrag mit dem Titel "Mit Gewalt zur Anerkennun des Ich" auf www.magazin-auswege.de/...gewalt_Sept-09.pdf möchte ich gerne verweisen.

von Redaktion Auswege, am 08.11.2009, 11:56

Änderung der Adresse des Artikels "Mit Gewalt zur Anerkennung des Ich"

www.magazin-auswege.de/...erkennung-des-ich/


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