In der Schule von morgen wird IKT zur Standardausstattung gehören
Studie zur Zukunft der Informationsgesellschaft veröffentlicht
Mehr zu: Ausstattung, Deutschland, E-Learning, Europa, Informatik, Kulturelle Bildung, Lehrerbildung, Medienkompetenz, MINT-Fächer, Schulentwicklung, Sonderthemen(redaktion/PM) Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft haben heute in Berlin die internationale Delphistudie "Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien" vorgestellt. Rund 550 IKT-Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wurden zu wesentlichen Entwicklungen ihrer Branchen für die kommenden zwanzig Jahre befragt. Ihre Thesen zu "IKT in der Schule" wurden auf knapp vier der insgesamt mehr als 300 Seiten dicken Studie zusammengefasst.
Kernbotschaften der Delphistudie sind:
- Die zunehmende Digitalisierung geht mit einer weiteren Durchdringung aller Lebensbereiche mit Informations- und Kommunikationstechnologien einher und verändert unsere Informationsgesellschaft umfassend und nachhaltig.
- Akzeptanz und Vertrauen der Menschen im Umgang mit IKT sind die Grundlage der Entwicklung einer modernen und offenen Informationsgesellschaft.
- Leistungsfähige Kommunikationsnetze sind Voraussetzung für eine wettbewerbsfähige Informationsgesellschaft.
- Die mobile Nutzung des Internets verändert die Informationsgesellschaft und schafft neue, eigenständige Anwendungsfelder.
- Die dynamische Entwicklung der IKT-Basistechnologien hat umfassende Auswirkungen auf viele Schlüsselindustrien der deutschen Wirtschaft und auf die Mediennutzung.
Die Herausgeber der Studie – Münchner Kreis, EICT, Deutsche Telekom und TNS Infratest – wollen mit den Ergebnissen eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Bedeutung und zukünftige Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien und Medien anregen. Aus den Befragungsergebnissen leiten die Herausgeber zentrale Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft ab. Unterstützt wurde die Studie durch Siemens, Vodafone, Focus, VDE, SAP, Alcatel-Lucent Stiftung und IBM sowie im Rahmen des IT-Gipfel-Prozesses vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.
Medienkompetenz stärken – Digitale Spaltung überwinden
Spätestens in zehn Jahren werden über 95 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland, Europa und den USA das Internet regelmäßig nutzen. Der Überwindung der Digitalen Spaltung gilt in Deutschland besondere Aufmerksamkeit: Die Bundesbürger verfügen im internationalen Vergleich noch nicht über genügende Kompetenzen im Umgang mit den neuen Technologien und Medien.
Mobiles Internet gehört ab 2015 zum Alltag
Ab dem Jahr 2015 werden in Deutschland mehr Menschen das Internet regelmäßig über mobile Endgeräte als über stationäre Computer nutzen. Zukunftsweisende Applikationen sind vor allem Navigations-, Ortungs- und Lokalisierungssysteme, Communities, Assistenten sowie die visuelle Darstellung von umfeldbezogenen Informationen (Augmented Reality). Die Weiterentwicklung flächendeckender, mobiler Breitbandtechnologie werde eine stimulierende Wirkung auf alle Bereiche der Wirtschaft haben.
IKT – Treiber für die deutsche Wirtschaft
Die Delphistudie zeigt, dass IKT in den kommenden Jahren vor allem in den zentralen deutschen Branchen Automobil, Automatisierung und Maschinenbau, Energie, Medien und im Gesundheitssektor als Wachstumsbeschleuniger und Innovationstreiber wirken wird. Die Wirtschafts- und Technologiepolitik der kommenden Jahre müsse den Technologietransfer und die Technologieentwicklung in und zwischen den Wirtschaftssektoren gezielt stimulieren, so die Verfasser. Damit könnten neue, international wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle entstehen, Nachhaltigkeit wirksam unterstützt und der CO2-Ausstoß reduziert werden.
Veränderte Mediennutzung
Spätestens 2024 wird das Internet das Unterhaltungsmedium Nummer 1 in Deutschland sein. Dennoch wird die demokratische Meinungsbildung weiterhin durch die öffentlich-rechtliche Rundfunkversorgung sichergestellt werden. Ab dem Jahr 2020 sei es für die Mediennutzer in Deutschland normal, ein und denselben Medieninhalt über verschiedene Träger zu nutzen – so werden zum Beispiel Zeitungsartikel auf dem mobilen Endgerät, Fernsehsendungen auf dem PC oder Internetinhalte auf dem Fernseher genutzt. Zeitungen und Zeitschriften würden nach Expertenansicht durch neue Medien ergänzt und in ihrer Nutzung konvergent erweitert. Danach wird es auch in den kommenden Jahrzehnten Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland ganz klassisch auf Papier geben und nicht nur digital im Internet. Für über die Hälfte der Internetnutzer in Deutschland, Europa und den USA gehört es nach Expertenauffassung im Jahr 2015 zur Normalität, für den Abruf professionell erstellter Medieninhalte aus dem Internet, wie etwa Filme, elektronische Zeitungen und Zeitschriften oder Musik, zu bezahlen.
IKT in der Schule
Die Studie sieht das Internet als ein Instrument zur Unterstützung der schulischen Bildung, allerdings nur, wenn Schüler und Lehrkörper das "Digitale Einmaleins" beherrschen, ein schwieriges Unterfangen in Deutschland, weil sich hier immer noch elf Schüler einen PC teilen müssen. Dabei ist Verfügbarkeit der Technik nur die Voraussetzung für zielorientierten Einsatz und Medienkompetenz. Für den deutschen Raum erwarten 47 Prozent der befragten Experten, dass "in sechs bis zehn Jahren ein elektronisches Endgerät, wie z.B. Laptops, ein elementarer Bestandteil des Unterrrichts" sein wird, ähnlich sehen die Prognosen für den europäischen Raum aus (49 Prozent). Viel optimistischer sind die Erwartungen in den USA: Über 80 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, "dass spätestens 2019 ein elektronisches Endgerät elementarer Bestandteil des Unterrichts in den USA sein wird."
Einsatz von IKT im Unterricht erfordert angepasste Unterrichtskonzepte
Der alleinige Austausch der bisherigen Materialien durch elektronische Endgeräte wird den Anforderungen von Schule allerdings nicht gerecht. Schulen und Lehrkörper müssen sich mit den neuen Medien vor deren Einsatz intensiv auseinandersetzen. So bietet IKT zwar "die Chance, den Unterricht lebendiger, aktueller und interessanter zu gestalten, andererseits erfordert es auch ein neues kritisches Bewusstsein für die Qualität der Inhalte und die Risiken ihrer Verwendung."
Die Studie ressümiert, dass "vernatwortungsvolle und kompetente Teilhabe an der Informationsgesellschaft der Zukunft nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern auch in den Bildungseinrichtungen" beginne. "Sie sollten ein Bewusstsein für die Chancen sowie insbesondere für die Risiken, die mit der Nutzung moderner IKT einhergehn können, fordern und fördern. Hier gilt es, entsprechende finanzielle, infrastrukturelle und vor allem didaktische Mittel bereitzustellen."
Die vollständige Studie steht zum kostenfreien Download bereit unter:
www.zukunft-ikt.de
www.muenchner-kreis.de
www.eict.de
www.telekom.com/zukunftsstudie
www.tns-infratest.com/zukunftsstudie
www.siemens.de/muenchner-kreis-zukunftsstudie2009
www.bmwi.de.
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