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SH: Landesrechnungshof fordert zweigliedriges Schulsystem

"Besoldungsstruktur und Lehrerausbildung anpassen"

Mehr zu: Besoldung, Gemeinschaftsschule, Gesamtschule, Grundschule, Gymnasium, Jugendhilfe und Sozialarbeit, Lehrerbildung, Schleswig-Holstein, Schulstruktur, Schulträger, Schule
13.11.2009 -

(redaktion/pm) Die eingeleitete Schulreform sollte konsequent zu Ende geführt werden. Stillstand oder Rückschritt, wie etwa die Wiedereinführung der Realschulen, kosteten das Land zusätzliches Geld und würden die Leistungsfähigkeit des Bildungssystems schwächen, heißt es im heute veröffentlichten Schulbericht des Landesrechnungshofs Schleswig-Holstein.

"Die reformierte Schullandschaft ist weder wirtschaftlich noch zukunftsfähig. Eine Planung oder Koordinierung durch das Bildungsministerium hat kaum stattgefunden. Haupt- und Realschulen sind nicht konsequent zu Regional- oder Gemeinschaftsschulen zusammengeführt, stattdessen ist das Bildungsangebot an zahlreichen Standorten erweitert worden. Aufgrund des Schülerrückgangs führt dies zu einem ruinösen Wettbewerb um Schülerinnen und Schüler", betonte der Präsident des Landesrechnungshofs, Dr. Aloys Altmann, auf der heutigen Pressekonferenz.

Trotz aller pädagogischen Erklärungen - in erster Linie argumentiert der Landesrechnungshof natürlich mit den Kosten. So könnten bis 2020 4.200 Lehrerstellen bzw. jährlich 261 Millionen Euro eingespart werden. "Das ist unerlässlich für die Haushaltssanierung und schafft Spielräume für die Finanzierung neuer Aufgaben wie der Schulsozialarbeit. Wenn Regierung und Parlament hier nicht unverzüglich handeln, wird Schleswig-Holstein in eine extreme Haushaltsnotlage geraten. Die Fähigkeit des Landes zur Erfüllung seiner verfassungsrechtlich zugewiesenen Aufgaben würde infrage gestellt", so Altmann.

Das entstandene Schulsystem koste mehr als vorgesehen, heißt es weiter. Denn erhebliche Teile des Demografiegewinns durch zurückgehende Schülerzahlen versickerten in der unwirtschaftlichen Schulstruktur - und zwar ohne jeden pädagogischen Mehrwert. Die Mindestgröße von 80 Schülern an Grundschulen reiche für eine Ressourcen sparende Schulentwicklungsplanung nicht aus. Die Bildung von Außenstellen sei unwirtschaftlich und grundsätzlich nicht erforderlich.

Die Schulreform habe das bisherige dreigliedrige System gestrafft und damit Voraussetzungen für eine effizientere Schule geschaffen. Die Umsetzung erfolge aber nicht konsequent genug. Es entstünden Parallelstrukturen mit einem ruinösen Wettbewerb um zurückgehende Schülerzahlen.

Konkret sei das Nebeneinander von Regionalschulen, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien unwirtschaftlich und erweitere das Schulangebot an vielen Standorten um ein oder zwei Bildungsgänge. Die in der vergangenen Legislaturperiode versäumte konsequente Zusammenführung der Schulen habe bereits zu einem Mehrbedarf von 650 Stellen geführt. Nun sehe der Koalitionsvertrag sogar eine weitere Zerstückelung der Schullandschaft vor. Den Schulen werde eine größere organisatorische Freiheit eingeräumt und Realschulen sollten als Angebotsschule fortbestehen. Mittelfristig sei die Bildung der Schulart "Regional- und Gemeinschaftsschule" mit mehr Eigenverantwortung geplant. Die Gymnasien sollen zwischen G8, G9 oder einer Mischform wählen können. Schließlich soll es Hochbegabtenklassen geben.

Eine konsequent wirtschaftliche Lösung aber, so der Landesrechnungshof, sei die Schaffung einer Schule für alle Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I und die Bildung von Oberstufenzentren. Zumindest sollte es neben dem Gymnasium nur eine weitere Schulform geben.

Gleichzeitig fordert der Landesrechnungshof angesichts sinkender Schülerzahlen auch eine Reduzierung von Schulstandorten. Dafür seien klare Vorgaben des Bildungsministeriums notwendig, Schulen und Schulträger dürften nicht allein gelassen werden. Wer fordere, die sinkenden Schülerzahlen dazu zu nutzen, die Schüler-Lehrer-Relation zu verbessern und kleinere Klassen zu schaffen, verkenne, dass die Schulen in Schleswig-Holstein schon die kleinsten Klassen in den "alten" Bundesländern, hätten. Andererseits sei aber Stellenausstattung der Schulen mit Schulsozialarbeitern mangelhaft. Hier sieht der Landesrechnungshof dringenden Nachholbedarf

Kritik äußerte er auch an der derzeitigen Besoldungsstruktur und der Lehrerausbildung. Beide seien mit der neuen Schulstruktur nicht kompatibel und müssten angepasst werden.

3 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Helene Hausmann, am 13.11.2009, 14:07

Es ist schon erstaunlich, dass der Landesrechnungshof SH nunmehr in die Schulstrukturdebatte eingreift. Seine Argumente sind vorgeblich rein ökonomischer Natur. Es sind Zweifel angebracht. Wo war die Stimme des Rechnungshofes, als die Gesamtschulen überproportional mit Ressourcen ausgestattet wurden, um ein verfehltes Konzept durch Geld zum Erfolg zu führen? Wo war die Stimme des Rechnungshofes, als er zuließ, dass Haupt- und Realschulen fusioniert werden sollten, und dann auch noch zu zwei unterschiedlichen Schulformen? Der Rechnungshof war nicht zu hören. Der Rechnungshof verweist zudem auf die zurückgehende Schülerzahl - etwa 15% bis 2020. Das ist eine Schätzung, die noch aus dem sozialistischen Hause von Ute Erdsiek-Rave stammt. Selbst wenn sie stimmen würde, wäre es angesichts der Forderung - „Wir wollen in Bildung investieren“ - sinnvoller, die Klassenfrequenz auf ein erträgliches Maß zu senken, statt die demographische Dividende einzukassieren. Bei einer durchschnittlichen Klassengröße von 30 Schülern, würde sich bei 15% geringerer Schülerzahl eine Klassenfrequenz von ca. 25 Schülern ergeben. Dann hätten wir Verhältnisse, die für einen guten Unterricht notwendig sind. Hinreichend wäre eine wissens- und leistungsorientierte Pädagogik und damit eine Abkehr von der heute praktizierten hedonistischen Neo-Reformpädagogik a lá Wolfgang Klafki, Hartmut v. Hentig & Co..

von Arnulf Hopf, am 14.11.2009, 09:10

- nur eine Empfehlung an Frau Helene S:

Sie möge die von ihr vereinnamten Autoren Klafki und v. Hentig bitte doch erst einmal lesen, bevor sie sich solch unzutreffender Zuschreibungen hingibt...

von Wolfgang Schulz, am 14.11.2009, 18:19

Der Kommentar von Frau Hausmann hat bei mir blankes Entsetzen hervorgerufen: Die Mischung von Unwissenheit und Demagogie war noch nie ein guter Ratgeber.


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