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Unternehmen: "Produktives Lernen" zu teuer

Projekt läuft derzeit in 80 Schulen

19.11.2009

(dpa) – Das auch von Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Henry Tesch (CDU) gelobte Projekt "Produktives Lernen" für Jugendliche mit Schulproblemen wird in der Wirtschaft kritisch gesehen. "Wir sind sehr überrascht von der Ankündigung des Bildungsministers, auch nach 2013 das viel zu teure und konzeptionell verbesserungsbedürftige Modell des Produktiven Lernens weiter zu führen", erklärte der Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg- Vorpommern (VUMV), Lothar Wilken, am 9. November in Schwerin.

Das Modell sei vergleichbar mit einem aufwändigen Luxusauto. Es erreiche nur wenige ausgesuchte Schulen im Land – gebraucht würden aber für gleiches Geld viele "Kleinwagen", um den Schülern Angebote überall machen zu können, meinte Wilken.

Bundesweit versuchen derzeit rund 2000 leistungsschwache Schüler in 80 Schulen, über das "Produktive Lernen" doch noch zu einem Schulabschluss zu kommen. Vor allem in den neuen Ländern sei das aus New York stammende Projekt verbreitet, sagte Ingrid Böhm vom Institut für Produktives Lernen in Europa (IPLE) am 6. November auf dem 12. Bundesforum zum Produktiven Lernen in Schwerin. Acht- und Neuntklässler mit Schulproblemen wechseln in eine spezielle Klasse, werden von eigens ausgebildeten Lehrern betreut. Innerhalb von zwei Jahren absolvieren sie mindestens sechs dreimonatige Praktika in Unternehmen, die sie sich selbst suchen müssen.

Tesch, der derzeit auch Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK) ist, lobte, dass 70 bis 80 Prozent der Teilnehmer einen Schulabschluss schaffen. Allein in dem nordöstlichen Bundesland sind aktuell 784 Jugendliche im "Produktiven Lernen". Das Land lässt sich das Projekt von 2009 bis 2013 rund acht Millionen Euro kosten. Lehrer müssen ausgebildet, zusätzliche Stunden für das Lernen in den kleinen Gruppen gewährt werden. Auch nach 2013 solle das Projekt weiter angeboten werden, sagte Tesch. Bundesweiter Vorreiter beim "Produktiven Lernen" war Berlin, wo das Projekt 1996 startete. Aktuell sind dort rund 500 Schüler dabei, wie Peter Handschuck von der Senatsverwaltung sagte. In Sachsen gibt es nach einer Pilotphase seit diesem Schuljahr sieben Standorte, so Kultusstaatssekretär Gerald Heise. Auch andere Bundesländer versuchen, mit praxisorientierten Modellen Problem-Schülern zu helfen. So gibt es in Hessen das Projekt "SchuB", in Hamburg wird "Praxislernen" mit ein oder zwei Praxistagen pro Woche angeboten.

In Mecklenburg-Vorpommern sollen im nächsten Schuljahr zu den jetzt 25 Standorten des "Produktiven Lernens" noch zwei dazukommen. Dann sei das Netz fertig ausgebaut, sagte Tesch. Handlungsdruck besteht: In diesem Sommer haben dem Statistischen Landesamt zufolge 660 der rund 13 000 Schulabgänger (5,1 Prozent) im Nordosten die Schule ohne Abschluss verlassen. Sie haben trotz drastisch gesunkener Schulabgänger- Zahlen weniger Chancen auf einen Ausbildungsplatz als Altersgenossen mit einem Abschlusszeugnis.

(dpa-Dossier Kulturpolitik 47/16.11.2009)


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